Stand: 15.08.2021 14:17 Uhr

Losse-Müller: Vom Ex-Staatskanzleichef zum SPD-Spitzenkandidat

Mehrere Jahre war er aus dem öffentlichen Blickfeld verschwunden: Thomas Losse-Müller. Nun fordert der Neu-SPD-Politiker CDU-Landeschef und Ministerpräsident Daniel Günther heraus.

Das Duell gibt es gleich zwei Mal. Beide Kontrahenten wollen das Direktmandat im Wahlkreis Eckernförde, außerdem kämpfen beide Politiker um das Amt des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein. Auf der Sommertour von SPD-Landeschefin Serpil Midyatli war Losse-Müller regelmäßig an ihrer Seite, reiste mit ihr von Termin zu Termin, mit den Menschen im Gespräch. Die SPD, so Losse-Müller, sei für ihn die einzige politische Kraft, die die Gesellschaft angesichts der großen Umbrüche zusammenhalten könne. Was nach reiner Wahlkampf-Rhetorik klingt, wirkt aus seinem Munde noch überraschender.

Von den Grünen zur SPD gewechselt

Denn bis 2020 war Thomas Losse-Müller noch Mitglied bei den Grünen, entschied sich erst im vergangenen Jahr die Partei zu wechseln. Für ihn, so beschreibt er es, ein logischer Schritt, der sich länger angebahnt habe. In der Küstenkoalition war der 48-Jährige von 2012 bis 2014 zunächst Staatssekretär im Finanzministerium unter der Grünen-Politikerin Monika Heinold, bevor er als Chef der Staatskanzlei eng mit dem damaligen Ministerpräsidenten Torsten Albig von der SPD zusammenarbeitete.

Erst London, dann Washington

Auch an den Jamaika-Koalitionsverhandlungen war Losse-Müller beteiligt, wurde sogar für einen Staatssekretärsposten gehandelt - dazu kam es aber nicht. Bereits 2017 habe ihm der damalige SPD-Parteichef Ralf Stegner ein Beitrittsformular überreicht. Das habe er gut aufbewahrt, schreibt Losse-Müller auf seiner Internetseite. In der Politik war er eher ein Quereinsteiger - nach einem Studium der Volkswirtschaft arbeitete Losse-Müller zunächst mehrere Jahre im Risikomanagement der Deutschen Bank in London, war später bei der Weltbank in Washington im Bereich Finanz- und Privatsektorenentwicklung tätig. Schon damals war er politisch aktiv: gründete 2007 sogar in Washington einen Ortverband der Grünen.

Das Ziel: Aktiver in der Landespolitik mitmischen

Jetzt geht es seiner Meinung darum, politische Antworten auf Fragen zu geben, die sich in dieser Tiefe und Grundsätzlichkeit schon lange nicht mehr gestellt hätten. Klimawandel, Digitalisierung, Polarisierung, Corona und die Globalisierung hätten die Welt und Schleswig-Holstein verändert, so Losse-Müller. Er wirbt für "eine Politik für gesellschaftlichen Zusammenhalt, die versöhnt, statt zu spalten". Sein Ziel ist es, einen Prozess, den er in seiner Zeit als Chef der Staatskanzlei angefangen hat, nun fortzuführen und einen Plan für die Zukunft des Landes zu erarbeiten.

Wenn der Tag zu wenig Stunden hat

Thomas Losse-Müller lebt gemeinsam mit seiner Frau und seinen Töchtern am Bistensee. Er beschreibt sein Leben selbst als gut, aber nicht alles sei Bullerbü. So seien seine Frau und er beide berufstätig und oft mehrere Tage am Stück unterwegs. "Da hat der Tag oft nicht genug Stunden für unsere zwei Kinder, Familie, Pflege und das Engagement im Dorf. Ohne lange Kitaöffnungszeiten, Ganztagsbetreuung, Nachbarn und Familie ist das alles nicht zu schaffen", schreibt Losse-Müller auf seiner Internetseite.

Die aktuellen politischen Herausforderungen, sie sind Ansporn für ihn, um wieder aktiver in der Landespolitik mitzumischen, für einen, wie er es nennt, "aktiven Staat, der die Umbrüche gestaltet".

Weitere Informationen
Thomas Losse-Müller, SPD-Politiker.  Foto: Jürgen Heinrich

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.08.2021 | 15:00 Uhr

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