Stand: 08.11.2017 17:55 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Nach Kraftakt - "Lisa von Lübeck" mit neuem Mast

Die "Lisa von Lübeck" ist ein Nachbau eines Kraweels, eines Handelsschiffs der Hanse aus dem 15. Jahrhundert. 1999 wurde sie auf Kiel gelegt, nun brauchte sie einen neuen Mast. Der NDR hat beobachtet, wie Mast und Schiff eins wurden.

von Julian Marxen

"Tock, tock, tock…" Mit einem Zollstock klopft Bootsbaumeister Heino Schmarje auf den alten Mast der "Lisa von Lübeck". Dieser wurde bereits runtergenommen, liegt auf den Pflastersteinen am Lübecker Behnkai. "Wenn ich auf das Holz schlage, hört sich das hohl an. Hier ist Wasser eingedrungen", weiß Schmarje. An einigen Stellen kann er sogar die äußere Holzschicht abkratzen. Doch der Ersatz liegt schon bereit: 25 Meter lang, 60 Zentimeter breit und sechs Tonnen schwer. Das Holz für den neuen Großmast kommt von einer 110 Jahre alten Douglas-Tanne - gefällt in einem Forst ganz in der Nähe von Lübeck. Danach wurde der Stamm gewässert, getrocknet und in Form gebracht. Drei Jahre hat das alles gedauert. Die Kosten von rund 12.000 Euro übernahm die Lisa Dräger Stiftung, deren Namensgeberin einst die Idee für den historischen Nachbau hatte.

Kraftakt am Lübecker Behnkai: Rückblick auf 2017

Alter Brauch soll Glück bringen

Während am Kai einige Helfer der Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck den neuen Mast vertäuen und ihn für den Kran vorbereiten, verwandelt sich Bootsbaumeister Schmarje im Bauch des Schiffes zu einer Art Zeremonienmeister. Er schüttet zwei Töpfe voll mit warmem, flüssigem Rindertalg in den Mastfuß. Dann wirft Schmarje Geldstücke in die Flüssigkeit. "Die Münzen lagen schon unter dem alten Mast und sollen jetzt auch unter dem neuen Glück bringen." Ein Moment der Ruhe. Doch Zeit für Seefahrerromantik bleibt kaum. Die zwei Kräne am Behnkai sind startklar. "So, nun können wir loslegen." Bootsbaumeister Schmarje steht mittlerweile wieder am Kai, gibt Handzeichen.

Mast wird vorsichtig eingepasst

Mittels Eisenketten, Tauen und Karabinern heben zwei Kräne den Mast an. Ganz oben am sechs Tonnen schweren Holzkoloss: das charakteristische "Krähennest", ein korbförmiger Ausguck. "Das ist das zweite Mal, dass der Großmast ausgetauscht wird. Das erlebt man nicht alle Tage. Aber ich habe vollstes Vertrauen in alle Helfer", betont Senior-Kapitän Dieter Baars. Dann schaut er wieder zum Kran. Der Mast schwebt mittlerweile zwei Meter über der Kraweel. Etwa ein Dutzend Helfer stehen an einer kreisrunden Öffnung im Holzdeck. Durch das Loch soll gleich der Mast abgesenkt werden. "Noch ein bisschen weiter achtern. Stopp! Und jetzt vorsichtig nach unten." Heino Schmarje gibt Anweisungen. Hier ist Zentimeterarbeit gefragt. Nichts darf schiefgehen.

Ausflüge wieder im Frühjahr

Stück für Stück verschwindet der neue Mast im Bauch der "Lisa von Lübeck". Dort warten die nächsten Helfer. Ein Mann liegt neben dem Mastfuß, nimmt Maß. Dann ruft er nach oben: "Hier fehlt ein kleines Stück. Der Mast sitzt nicht ganz auf." Nach einigem Hin- und Herrangieren steht der Mast schließlich. "Das untere Stück ist einige Millimeter dicker als das alte. Deshalb müssen wir jetzt noch einen Keil nacharbeiten. Und dann ist alles perfekt." Bootsbaumeister Schmarje ist zufrieden. "Jetzt bin ich erleichtert." Er lächelt. Bleibt nur noch die Frage, wie sich der Mast unter Segeln macht. Das wird sich wohl erst im Frühjahr zeigen, wenn die "Lisa von Lübeck" wieder zu Ausflugsfahrten auf Trave und Ostsee ausläuft.

Weitere Informationen

Wie eine Douglasie zum Großmast für "Lisa" wird

Die "Lisa von Lübeck" ist ein Nachbau eines historischen Kraweel-Hanseschiffs - und sie braucht einen neuen Großmast. Den gibt es nicht von der Stange, er wird gerade handgefertigt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 08.11.2017 | 12:00 Uhr

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