Stand: 11.06.2020 21:15 Uhr

Lernsommer: Nur wenige Schulen nehmen teil

Ein Junge konzentriert sich in einem Wohnzimmer auf seine Hausaufgaben. © photocase Foto: behrchen
Durch ausgefallenen Unterricht und Homeschooling während der Corona-Pandemie sind bei vielen Schülern Defizite entstanden.

Um Defizite auszugleichen, die während der Corona-Krise im schulischen Bereich entstanden sind, hat das Bildungsministerium den sogenannten Lernsommer ausgerufen: Schulen sollen während der Sommerferien Unterricht anbieten. Doch viele machen gar nicht mit. Dem Vorschlag von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sind bislang nicht mal 20 Prozent der Schulen in Schleswig-Holstein gefolgt. Priens Vision wird vielfach kritisiert.

Mehrere Schulleiter kritisieren Lernsommer

Knapp 140 von rund 800 Schulen im Land wollen während der Sommerferien benachteiligte Schüler mit extra Unterricht versorgen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Hunderte Schulen machen nicht mit. Mehrere Schulleiter begründeten im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein ihre Absage damit, dass sie keine Zeit hätten, den Lernsommer vorzubereiten. Einige Schulleiter sagten, die Idee sei grundsätzlich gut. Man bezweifle aber, dass gerade die Kinder, die es nötig hätten, in den Sommerferien freiwillig in die Schule kämen. "Es kommen sowieso nur Kinder, wo die Eltern hinterher sind oder wo die Unterstützung von Zuhause da ist", sagt zum Beispiel Sabine Walter, Schulleiterin in Glinde (Kreis Stormarn). Sie befürchtet, dass sich die Kinder oder Familien, die es eigentlich nötig hätten, eher zurückziehen. "Dann ist die Spanne nach den Sommerferien umso größer", befürchtet sie.

Kritik kommt auch aus der Politik

Die SPD-Landtagsfraktion betitelte den Lernsommer als "Flop mit Ansage". Die Sozialdemokraten fordern aber ebenso dringend Lösungen, um die Defizite der Schüler durch die Corona-Schulschließungen auszugleichen. Einen Vorschlag lieferte die Partei nicht mit. Die CDU-Fraktion stellte sich dagegen: Man sollte den Lernsommer nicht zerreden, sondern mithelfen, dass er ein voller Erfolg werde.

Idee des Lernsommers: Lücken schließen

Die Schulen in Schleswig-Holstein wurden im März von einem Tag auf den anderen geschlossen - wegen Corona. Wochenlang kein Unterricht, nur Homeschooling. Die Befürchtung: Viele Schüler sind dabei auf der Strecke geblieben und haben nun erhebliche Defizite in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch aufgebaut. Beim Lernsommer geht es laut Prien für die Schüler der Klassen 1 bis 10 darum, in den Sommerferien Lernlücken zu schließen, um den Anschluss an das neue Schuljahr zu finden. Aktuell entwickeln die teilnehmenden Schulen gemeinsam mit Kulturinstitutionen, Volkshochschulen und anderen Institutionen ein Lernangebot in den Kernfächern. Die Teilnahme ist freiwillig. Das Land hat für den Lernsommer fünf Millionen Euro bereitgestellt. Mit dem Geld sollen unter anderem Lehrer vergütet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.06.2020 | 20:00 Uhr

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