Lerndorf in Groß Schenkenberg: Mütter gründen freie Schule

Stand: 17.06.2021 08:25 Uhr

Nach den Sommerferien sollen 25 Kinder das neue Lerndorf "mona" im lauenburgischen Groß Schenkenberg besuchen. In Schleswig-Holstein gibt es immer mehr freie Schulen.

Eine Gruppe von Eltern werkelt im ehemaligen Gemeindehaus gerade im Akkord. In wenigen Wochen beginnt hier der Schulalltag für 25 Sechs- bis Zwölfjährige. Ein ganz normaler Schulablauf wird es aber nicht sein. Den Gründerinnen - zwei Mütter, die von Beruf Tierärztin und Fotografin sind - schwebt vor, dass die Jungen und Mädchen nach Lernstand und nicht nach Alter unterrichtet werden. Sie sollen sich selber aussuchen dürfen, was sie lernen möchten. Digitales und eigenständiges Lernen stehen im Fokus. "Es soll Möglichkeiten geben, individuell zu lernen, es soll Möglichkeiten geben, zusammen zu lernen", sagt eine der Gründerinnen, Kay Knöll. Eine multiprofessionelle Expertengruppe hat das Lehrkonzept entwickelt. Viele Lernideen sollen aber auch mit den Kindern zusammen entstehen.

Gründerin Heyder: "Aus Begeisterung kann viel entstehen"

Gründerinnen des Lerndorfs mona. © NDR
Den Gründerinnen des Lerndorfs "mona", Kay Knöll und Christina Heyder, ist wichtig, dass die Kinder nach Lernstand und nicht nach Alter unterrichtet werden.

Schule anders denken: Das ist das große Ziel von "mona". Die Abkürzung steht für "modern und naturnah". Während die Räume eingerichtet werden, geht ein Vater mit den Kindern auf die Wiese, um ihnen die Tierwelt näherzubringen. Spinnen und Lebensräume werden untersucht. Ein Hektar Wiese und ein Tablet für jedes Kind stehen künftig bereit. Mit dem Handy scannt der Vater die Spinne ab. "Der Funke springt über, die Begeisterung ist entfacht - und dann kann daraus ganz viel entstehen", sagt die Mit-Gründerin Christina Heyder. Vielleicht finden die kleinen Forscher die Spinnen so spannend, dass sie Lust haben, ein Computerspiel daraus zu programmieren. Das ist der Ansatz, das ist die Hoffnung der Eltern.

Immer mehr Freie Schulen in SH

In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl der allgemein bildenden Schulen in freier Trägerschaft (einschließlich Waldorfschulen, ohne Dänische Schulen) von 21 auf 44 angestiegen. Das Lerndorf wird eine reguläre Ersatzschule sein. Sie ist vom Bildungsministerium anerkannt und auch in die Schulversorgungsplanung einkalkuliert. "Die ersten zwei Jahre gibt es überhaupt gar kein Geld vom Ministerium", berichtet Kay Knöll. Erst danach folgt die Förderung. Allerdings gibt es auch dann nicht so viel wie für öffentliche Schulen, sondern lediglich 82 Prozent.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 17.06.2021 | 19:30 Uhr

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