Stand: 19.06.2017 10:49 Uhr

Lego-WM: Schwarzenbeker wollen den Titel

von Thorsten Philipps

Letztes Training für die WM: Sechs Jugendliche wuseln um eine Platte herum, auf der Legotiere und verschiedene Legomaschinen stehen. Ein schwarz-weißer Weg ist auf die Platte gemalt. Außerdem befinden sich Computer und jede Menge Legosteine mit im Arbeitszimmer der Grund- und Gemeinschaftsschule Schwarzenbek. Eine weitere Schülerin sitzt am PC: "Ich muss noch ein paar Module umprogrammieren, damit der Roboter mit dem Futter für die Tiere genau weiß, wo er hinfahren muss", erläutert Friederike Kluckert mit gebanntem Blick auf den Bildschirm. Nur noch wenige Stunden bis zum Start des Fliegers nach England - dort nehmen Jonas Thiel, Lion Uffmann, Friederike Kluckert, Angelina Voß, Yannik Schink, Michael Kluckert und Joschua Lorenz an der First Lego League WM teil. Doch es gibt noch eine Menge Probleme für die Schüler der Lego-Robotik-AG zu lösen.

Roboter aus 2.500 Bauteilen

"Der Roboter muss das Futter für das Rentier fallen lassen, sonst kriegen wir die 50 Punkte für die Rettung des Geckos nicht", bemerkt Angelina Voß. "Das kriegen wir hin", ist sich Yannik Schink sicher - dazu müssen nur wenige, der insgesamt 2.500 Legobauteile des Roboters verändert werden. Aber das ist nur eine von 13 Aufgaben, die die sieben Schüler in zweieinhalb Minuten mit ihrem Roboter "Bernard II." schaffen müssen. Das Feld, auf dem der Lego-Roboter fährt, ist etwa zwei Meter lang und einen Meter breit. Darauf sind die verschiedene Stationen mit Lego-Tieren oder Futterteilen vorgegeben, die der Roboter verschieben oder transportieren muss.

Programmiertes PID steuert "Bernard II."

Lion Uffmann hat mit Friedrike Kluckert und Joschua Lorenz das Gehirn des Roboters - ein "Proportional Integral Differenzial"-Regler (PID) - programmiert. "Der Computer erkennt über Lichtsensoren, wie er fahren muss, mit welcher Beschleunigung und mit welcher Geschwindigkeit", erklärt Joschua die Funktionen von "Bernard II.". Der Roboter kann 0,576 Kilometer pro Stunde schnell fahren oder besser gesagt: bis zu 16 Zentimeter pro Sekunde. Doch "Bernard" soll mal schneller und mal langsamer fahren, wenn er zum Beispiel ohne zu rütteln ein Lego-Haiaquarium transportieren muss, ohne dass der Lego-Hai darin verrückt wird. Danach soll er automatisch zum Start zurückfahren. Doch bei der Übungsfahrt bleibt er plötzlich nach dem Transport stehen. "Das darf eigentlich nicht sein", bemerkt Friedrike. "An der Programmierung kann es nicht liegen", stellt Lion klar. Vorher hatte es ja schon geklappt. Friederike nimmt die sechs Telefonkabel aus den Buchsen des PID, startet ihn nochmal, steckt die Telefonkabel wieder rein und probiert alles von vorn - plötzlich funktioniert "Bernard II." wieder wie gewünscht. "Puuh", stöhnen alle gemeinsam erleichtert.

Ein Ersatzroboter steht bereit

"Ich kümmere mich dann jetzt um den Ersatzroboter", ruft Michael Kluckert in den Saal, weil es natürlich einen Plan B bei der WM in Bath geben muss, falls "Bernard II." zum Beispiel mal herunterfällt und in seine 2.500 Teile zerlegt wird. Dafür speist Michael zusammen mit Lion die Software mit den Steuerungsbefehlen über ein Kabel in ein zweites PID. Danach setzt der Zwölfjährige die Bausteine drum herum zusammen, bis quasi ein Zwillingsroboter von "Bernard II." fertig ist. "Super, aber jetzt muss der natürlich auch noch auf Testfahrt geschickt werden", sagt Michael.

Eine Gummikugel sorgt für Geschmeidigkeit

Auf dem Weg zur WM haben sich die Jugendlichen bei der Landesmeisterschaft, dem deutschen und dem europäischen Ausscheidungswettbewerb durchgesetzt. "Jetzt wollen wir die WM gewinnen, aber wir wollen diese Weltmeisterschaft in England auch genießen", beschreibt Jonas Thiel die Ziele der sieben Schülerinnen und Schüler. Die 16-Jährige Angelina will "soweit wie möglich vorne" bei der Weltmeisterschaft vom 21. bis zum 25. Juni in Bath bei Bristol landen. Im vergangenen Jahr waren die sieben Schüler mit einem Vorgängermodell immerhin bis zur Europa-Ausscheidung gekommen. "Den Roboter mussten wir richtig aufrüsten, um besser zu werden", erklärt der 16-jährige Jonas. Zum Beispiel hat er nun statt Rückräder aus Gummi eine Kugel aus Metall zum Fahren und kommt so noch geschmeidiger und agiler voran.

Lego ist kein präzises Werkzeug

Das Thema in diesem Jahr heißt "Zusammenleben zwischen Mensch und Tier". Für "Bernard II." geht es auf dem von der First Lego League vorgegebenen Parcours um Präzision und Geschwindigkeit: "Das Ganze ist auch deshalb so schwierig, weil Lego halt kein präzises Werkzeug, sondern eben Spielzeug ist", erklärt Lion einige Material-Herausforderungen. Manchmal können die Jugendlichen nur hoffen, dass eine Klappe wirklich zuschnappt und es nicht irgendwo hakt. "Das macht einen großen Teil der Aufregung aus, weil wir nie wissen, ob es wirklich klappt, auch wenn wir es hundert Mal geübt haben", unterstreicht Friedrike den Nervenkitzel, den sie jetzt schon bei den Proben verspürt.

Dieses Thema im Programm:

Logo - Das Wissenschaftsmagazin | 09.06.2017 | 21:05 Uhr

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