Stand: 22.03.2020 11:18 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Leere Strände am Tag, vereinzelte Partys in der Nacht

Die meisten Schleswig-Holsteiner haben sich an diesem Wochenende an den Appell von Politikern, Wissenschaftlern und Virologen gehalten und sind Zuhause geblieben. Dennoch musste die Polizei in Bargteheide in der Nacht zu Sonntag eine Party gleich zwei Mal beenden. Rund 15 Jugendliche hielten sich nach Polizeiangaben nicht an die erste Anweisung. Erst ein weiterer Einsatz gegen 1.30 Uhr beendete die Feier. Aus dem ganzen Land kamen in der Nacht Anrufe aus der Bevölkerung - meist wegen Ruhestörungen. Allein im Großraum Kiel und Neumünster gab es deswegen 60 Polizeieinsätze - aus Sicht der Beamten für ein Wochenende allerdings keine außergewöhnlich hohe Zahl.

Lerneffekt bei Strandbesuchern

Ein älteres Paar geht durch die leere Büsumer Innenstadt bei strahlender Sonne. © NDR
Nur vereinzelt gehen Menschen durch die Innenstadt von Büsum.

Laut Polizei waren an den Stränden einige Menschen unterwegs, sie hielten sich aber größtenteils an die Vorschriften - waren auf Abstand und nicht in großen Gruppen unterwegs. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte am Freitag (20.03.) in einer Videobotschaft alle Schleswig-Holsteiner aufgerufen, sich an die Regeln zu halten, um eine generelle Ausgangssperre zu vermeiden. Die Maßnahmen wurden noch einmal verschärft: So sind Menschenansammlungen mit mehr als fünf Personen verboten.

Westküste: Innenstadt von Büsum ist leer

In den Orten an der Westküste, die sonst an sonnigen Wochenenden beliebte Ausflugsziele sind, waren am Sonnabend wenige Menschen unterwegs. Nach Schätzungen des Büsumer Bürgermeisters Hans-Jürgen Lütje (FWB) kommen an normalen Wochenenden bis zu Zehntausend Menschen in den Ort. Am Sonnabend waren Innenstadt und Strand ziemlich leer. Nur vereinzelt spazierten Menschen, höchstens in Vierer-Gruppen, durch Büsum. Kontrolliert wird von Ordnungsamt und Polizei. Die Beamten bestätigen aber, dass sich die meisten Menschen an die Regeln und Anweisungen halten

Einheimische halten sich an die Regeln

Ein ähnliches Bild zeigt sich an der Lübecker Bucht. Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Haffkrug - auch dort ist wesentlich weniger los als an normalen sonnigen Wochenend-Tagen, wie unser Reporter von vor Ort berichtet. Die Polizei bestätigt, dass im Vergleich zu sonst nur ein Bruchteil an Menschen an den Stränden unterwegs seien. Zu sehen sind vor allem Jogger, Hundebesitzer und einzelne Spaziergänger.

Ostholsteins Landrat: "Reisen sie ab, für die Gesundheit aller"

Am Timmendorfer Strand sind mehr Möwen als Spaziergänger © NDR Foto: Julian Marxen
Viele Strände an der Ostsee sind trotz des Sonnenscheins weitgehend menschenleer.

In Küstenorten wie Timmendorfer Strand oder Niendorf halten sich nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein aber immer noch einige Zweitwohnungsbesitzer auf - vor allem aus Hamburg. Dabei hat der Kreis Ostholstein das gerade erst per Allgemeinverfügung strengstens verboten. Ostholsteins Landrat Reinhard Sager ruft deshalb gerade diese Menschen auf: "Reisen sie ab, für die Gesundheit aller." Sonst drohen laut sager den Zweitwohnungsbesitzern hohe Geldstrafen.

Polizei schickt Ausflugstouristen nach Haus

Zwischen Timmendorfer Strand und Scharbeutz überwachte die Polizei in Richtung Scharbeutz den Verkehr. Von 100 Fahrzeugen, die in einer Stunde kontrolliert wurden, haben Beamte laut Polizeisprecher Stefan Muhtz etwa ein Drittel zurückgewiesen. Bei den Insassen hatte es sich um Ausflugstouristen gehandelt, die derzeit nicht nach Schleswig-Holstein reisen dürfen. Sie kamen aus anderen Regionen Schleswig-Holsteins oder aus Hamburg. Sie wurden von den Beamten nach Hause geschickt. "Grundsätzlich haben die Appelle aber offensichtlich gefruchtet, wir haben deutlich weniger Bewegung im öffentlichen Raum. Wir haben auch keine großen Ansammlungen", sagte Muhtz NDR Schleswig-Holstein.

Stadtpark Norderstedt für Besucher gesperrt

Kein Küstenort, aber dennoch ein beliebtes Ausflugsziel ist der Stadtpark in Norderstedt (Kreis Segeberg). Nach Angaben des Betreibers kommen an schönen Tagen bis zu 3.500 Menschen in den Park. Vergangene Woche hatten die Betreiber erst die Spiel- und Sportplätze geschlossen. Viele Sportler ignorierten allerdings die Absperrung. Daraufhin hat der Betreiber des Stadtparks zusammen mit der Stadtverwaltung die Entscheidung getroffen, den Park komplett zu schließen. Nach Angaben von Stadtpark-Geschäftsführer Kai-Jörg Evers akzeptieren das die meisten Besucher: "Wir machen das ja nicht zum Spaß und wir würden uns auch etwas anderes wünschen. Aber wenn wir jetzt jemanden erwischen, der über die Zäune klettert, dann würden wir ihn wegen Hausfriedensbruch anzeigen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.03.2020 | 11:00 Uhr

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