Stand: 16.05.2020 11:03 Uhr

Lauenburg: Keine Gefahr nach Feuer in Chemiefabrik

Eine dicke, schwarze Rauchsäule war stundenlang über Lauenburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) zu sehen gewesen. In der Chemiefabrik Worlée entwickelte sich am Freitagmorgen ein Großbrand, der laut Feuerwehr am Nachmittag unter Kontrolle war. In der Nacht gab es eine Brandwache. Es gebe keine unmittelbare Gefahr, sich am Rauch zu vergiften, betonte die Feuerwehr am Freitagmittag. Bei den Substanzen, die Feuer gefangen hätten, handele es sich um Harze und Lacke. Nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) sollen in dem Turm rund 170.000 Kilogramm Harz lagern. Neben Lauenburg waren auch die Bewohner von Lanze, Buchhorst, Hohnstorf (Elbe), Bleckede, Echem und Boizenburg gebeten worden, Fenster und Türen nicht zu öffnen sowie Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten.

Kleine Explosionen in Turm

Am Vormittag hatte einer der beiden Chemietürme in voller Ausdehnung gebrannt. Auch kleinere Explosionen soll es dort laut der Leitstelle gegeben haben. Eine Explosion soll nach Angaben des THW den Brand ausgelöst haben. Wie es zu dieser Explosion kommen konnte, ist noch unklar. "Es ist ein Bau, der etwa 40 Meter hoch ist. Deswegen ist es schwierig, mit Wasserwerfern dort reinzukommen", sagte der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Lauenburg, Lars Heuer, während der Löscharbeiten am Vormittag.

Mithilfe von drei Drehleitern habe man aber eine weitere Ausbreitung des Brandes verhindern können. Mit Wärmebild-Drohnen suchten die Einsatzkräfte nach Glutnestern.

Wehren aus drei Bundesländern

Bis zu 200 Feuerwehrleute und mehrere Gefahrstoffzüge waren zwischenzeitlich vor Ort. Das THW sprach von insgesamt mehr als 300 Einsatzkräften. An den Löscharbeiten beteiligen sich auch Feuerwehren aus Westmecklenburg. Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr Hamburg wurden ebenfalls angefordert. Ein Mann wurde bei dem Brand verletzt. Ihm geht es nach eigenen Aussagen bereits wieder gut, wie der Kreisfeuerwehrverband Herzogtum Lauenburg mitteilte. Etwa 20 Betriebe im Umkreis mussten laut Feuerwehr evakuiert werden. Der Sachschaden ist groß: Er wird auf mehr als zehn Millionen Euro geschätzt.

Worlée verarbeitet Rohstoffe

Bei Worlée werden nach Firmenangaben natürliche, chemische und kosmetische Rohstoffe verarbeitet. Diese werden benötigt, um weitere Produkte herzustellen - vom Lippenstift über Bonbons bis hin zu Schuhen oder Möbeln. Die Brandursache ist noch unklar. Die Werkleitung geht davon aus, dass die Produktion im Werkteil "Ost" längere Zeit ausfallen wird. Der Betrieb im Werk "West" hingegen soll in Kürze weitergeführt werden.

Tödlicher Unfall bei der Anfahrt

Bei der Anfahrt zu der Brandstelle kam es aus noch ungeklärter Ursache zu einem tödlichen Unfall zwischen einem Feuerwehrwagen, der mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs war, und einem Auto. Die Autofahrerin erlag laut Polizei noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen. Der Fahrer des Feuerwehrwagens erlitt einen Schock.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.05.2020 | 17:00 Uhr

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