Stand: 22.04.2018 19:24 Uhr

Achtungserfolg für Simone Lange bei SPD-Wahl

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Simone Lange bekam in der Wahl um den Parteivorsitz der SPD nur 172 der 624 gültigen Stimmen.

Zum ersten Mal in der über 150-jährigen Geschichte der SPD ist eine Frau Vorsitzende der Partei: Andrea Nahles gewann die Wahl mit 66,35 Prozent.

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange hatte Nahles zuvor herausgefordert und trat als einzige Gegenkandidatin an. Auf sie entfielen 172 der 624 gültigen Stimmen (27,6 Prozent). Sie gratulierte anschließend Nahles zum Amt als Parteivorsitzende: "Ich sage ihr selbstverständlich zu, auch im Sinne der Einheit der Partei, meinen Beitrag zu leisten. Es ist heute einer der ersten Schritte zur Erneuerung der Partei, einer von vielen." Auch wenn sie die Wahl gerne gewonnen hätte, fühle sie sich bestärkt und nicht als Verliererin, sagt sie NDR Schleswig-Holstein.

Von Anfang an nur Außenseiterchancen

Experten hatten Lange von Anfang an nur Außenseiterchancen eingeräumt. In ihrer rund 20-minütigen Rede vor dem Parteitag in Wiesbaden warb sie mit Neuerung: "Ich biete euch meine Erfahrung, ich biete euch meine Führungskompetenz und vor allem meine Leidenschaft für die Sozialdemokratie. Ich bin heute eure Alternative für eine echte Erneuerung der SPD, damit wir die SPD wieder zur Gewinnerin machen können - nicht nur in Deutschland, auch in Europa."

Wochenlange Werbung um Stimmen

Über Wochen war Simone Lange durch Deutschland getourt und hatte bei Ortsvereinen für ihre Kandidatur geworben. Nach eigenen Angaben unterstützten sie rund 90 von mehr als 13.000 SPD-Ortsvereinen. Sie habe geärgert, dass das wichtigste Amt in der Partei hinter verschlossenen Türen quasi besetzt worden sei und ein Parteitag das nur noch absegnen sollte.

Mehr Vertrauen und Bürgerdialog

Ralf Stegner, Fraktionsvorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein, gratulierte Kollegin Nahles: "Als erste Frau für so ein Amt zu kandidieren und gewählt zu werden, war für Andrea Nahles ein aufregender Moment. Ich bin sicher, sie wird das im Team mit anderen zusammen gut machen." Jetzt gelte es, zu zeigen, dass sie die linke Volkspartei seien, die mit der Union um Platz eins kämpft, so Stegner weiter.
Thematisch setzt Nahles vor allem auf sichere Arbeit, gute Bezahlung und vernünftige Löhne, um wieder mehr Bürger von der SPD zu überzeugen. Es gehe um neues Vertrauen, mehr Bürgerdialog. "Wir sind die Kraft der Zukunft und des Fortschritts", sagt sie.

Scholz und Leonhard unterstützen Nahles

Die Hamburger SPD-Vorsitzende Melanie Leonhard glaubt, dass mit Nahles eine Erneuerung der Partei möglich ist: "Weil sie wie kaum jemand anderes sehr authentisch für das steht, worum es uns eigentlich geht - nämlich das Leben der Menschen besser zu machen." In der Hansestadt freue man sich schon auf die Zusammenarbeit. Auch Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Olaf Scholz, bis zur Wahl kommissarischer Parteichef, sicherte Nahles die Solidarität der Genossen beim Erneuerungsprozess der SPD zu: "Wir wissen, dass wir keine kleine Aufgabe zu schultern haben und die Schultern, auf denen das am allermeisten lasten wird, werden deine sein. Aber wir werden dich bei dieser Arbeit unterstützen." Bundesfinanzminister Scholz gab auf dem Parteitag auch das Ziel dieses Erneuerungsprozesses vor: Die SPD soll wieder stärkste Partei in Deutschland werden.

Zweitschlechtestes Ergebnis seit Lafontaine

Erstmals seit fast 23 Jahren stellten sich für den Parteivorsitz zwei Personen zur Wahl. Zuletzt war dies 1995 in Mannheim der Fall, als Oskar Lafontaine den damaligen SPD-Chef Rudolf Scharping ablöste. Lafontaine erhielt damals mit 62,6 Prozent das schlechteste SPD-Ergebnis bei der Vorsitzendenwahl. Auch Bettina Hagedorn, SPD-Bundestagsabgeordnete, hätte von den Delegierten ein besseres Ergebnis für Nahles erwartet: "Qualitativ liegen zwischen Simone Lange und Andrea Nahles Welten. Simone Lange hätte gewiss nicht die Statur gehabt, um dieses Amt mit der Führung des Willy-Brandt-Hauses auszufüllen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.04.2018 | 18:00 Uhr

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