Stand: 12.05.2020 10:14 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Landwirte klagen: Nonnengänse fressen das Gras weg

Zehntausende Nonnengänse machen zurzeit einen Stopp an der Westküste. Das führt zu einer angespannten Situation bei vielen Landwirten, denn die Wildgänse fressen alles auf. Sie futtern sich Fettreserven an, bis sie Ende Mai in ihr Brutgebiet im Norden Russlands weiterfliegen. Das Gras reicht dann nicht mehr für Gänse und Nutzvieh. Egal ob Rind, Schaf oder Pferd - viele Landwirte müssen zufüttern. Sie klagen über zusätzliche Kosten, die dadurch entstehen. Die Kreisjägerschaft Eiderstedt hat sich an das Land gewandt und auf die aus ihrer Sicht problematische Situation hingewiesen.

Fraßschäden durch Wildgänse - Situation auf Föhr

Schleswig-Holstein Magazin -

Zehntausende Nonnengänse halten sich zurzeit an der Westküste auf. Pferdezüchterin Renate Christiansen beklagt Fraßschäden. Umweltminister Albrecht äußert sich zu dem Problem.

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Bauern versuchen, Gänse zu vertreiben

Auch auf den nordfriesischen Inseln wächst die Nonnengans-Population. Wegen der milden Winter bleiben immer mehr von ihnen im Land und brüten jetzt sogar auf Föhr. Pferdezüchterin Renate Christiansen aus Föhr erklärt, dass auf den Weiden nur noch Kot zu finden ist. "Da kann ich kein Pferd draufstellen", klagt sie. Viele Tiere müssen im Stall bleiben.Vor eineinhalb Jahren sei eine ihrer Stuten nachweislich an den Keimen im Gänsekot gestorben, sagt die Züchterin.

Das Vertreiben mit Vogelscheuchen, Flatterbändern und Knallanlagen ist bislang nur bedingt erfolgreich. Anfang Mai hatten Renate Christiansen und andere Föhrer Landwirte versucht, die Gänse aufzuschrecken und damit zu vertreiben. Laut Naturschutzbund (NABU) fressen die Gänse nach dem Aufschrecken aber nur noch mehr.

Schutz der Vögel ist europäisch verankert

Nachdem die Nonnengans in den 1970er-Jahren vom Aussterben bedroht war, steigt die Population jetzt wieder an. Für den NABU und dem Landwirtschaftsministerium ist das ein gutes Zeichen. Gleichzeitig arbeite die Regierung aber auch mit dem Bauernverband an neuen Regelungen, um der Landwirtschaft zu helfen. "Der Schutz der Vögel ist europäisch verankert", erklärt Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

Diskussion um stärkere Bejagung

Es müsse in Zukunft ein anderes Vorgehen erreicht werden, bei dem man anhand der Population im Zweifel eingreifen und Bestände regulieren kann, sagte Albrecht. Das beinhalte auch, auf Vögel verstärkt zu schießen. Die Auflagen dafür sind streng. Im Schnitt wurden in ganz Nordfriesland zuletzt pro Jahr 1.500 Nonnengänse geschossen. Bauernverband und Landesjagdverband fordern eine stärkere Bejagung der Gänse, um den Bestand zu regulieren. Der NABU hält das für falsch.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.05.2020 | 19:30 Uhr

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