Stand: 27.07.2018 15:54 Uhr

Landwirte in SH beklagen einzigartige Dürre

An eine solche Situation kann sich niemand beim Bauernverband oder der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holsteins erinnern: "Wir haben zwei Extremjahre aufeinander. Wir haben letztes Jahr nicht ernten können, weil es zu nass war, dieses Jahr wächst nichts, weil es zu trocken ist", sagt der stellvertretende Bauernpräsident Klaus-Peter Lucht. Betroffen sei dieses Mal das ganze Land. Problematisch seien natürlich besonders die leichteren Böden der Geest. "Aber in diesem Jahr ist diese Dürreperiode so lange, dass selbst die Marschböden, die sehr lange Wasser halten, und auch die lehmigen Böden Ostholsteins einfach keine Reserven mehr haben."

Bauern hoffen auf Hilfen vom Land

Entsprechend seien auch alle Betriebe betroffen, sagte Lucht. Die Folgen: Ertragsaufälle bei Getreide, Raps, Kartoffeln oder Zuckerrüben. Auch die viehhaltenden Betriebe spüren die Trockenheit. Futter ist knapp und teuer. Bauernpräsident Werner Schwarz erhofft sich deshalb Hilfen vom Land: "Unsere Forderung ist, dass wir gerade beim Futterbau, bei dem Erzeugen von Winterfutter für die Rinder, Erleichterung bekommen beim Umsetzen des Grünland-Umbruchgesetzes." Die Landwirte wollen diese Dauergrün-Flächen kurzfristig neu einsäen.

Keine Folgen für die Verbraucher

Weitere Möglichkeiten wären laut Schwarz finanzielle Hilfen wie zinslose Darlehen für die Betriebe, die einen Engpass haben. Für die Verbraucher erwarten Kammer und Bauernverband nur geringe Auswirkungen. Schwankungen bei der Ernte hierzulande würden durch den Weltmarkt weitgehend ausgeglichen.

Ärger über Habeck-Interview

In dieser ohnehin aufgeheizten Stimmung unter den Landwirten im Norden kam das jüngste Interview von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) offenbar nicht gut an. In der "Welt" hatte der Grünenpolitiker die These vertreten, dass die Tierhaltung in ihrer intensiven Form an ökologische Grenzen stoße. Im Winter könne die Gülle nicht ausgebracht werden, im Sommer mangele es an Futter, so Habeck. Er forderte, den Tierbestand zu reduzieren. Das brachte den Bauernpräsidenten am Freitag auf die Palme: "Der Minister ist hier sechs Jahre Fachminister in Kiel gewesen und hat überhaupt nichts gelernt." Habeck nahm es gelassen. Er glaube nicht, dass eine Politik der vergangenen Jahrhunderte auch eine für das kommende sei, meinte er zur Kritik des Bauernverbandes.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.07.2018 | 12:00 Uhr

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