Stand: 09.11.2017 14:53 Uhr

Landwirte: Ohne Glyphosat nicht konkurrenzfähig

Auf dem Feld hinter seinem Haus in Maasbüll im Kreis Schleswig-Flensburg hat Landwirt Philipp Hansen in diesem Jahr Weizen angebaut. Doch im Herbst gab es ein Problem: Viel Regen, der Boden war nass und sehr schwer. Eine herkömmliche Behandlung der nach der Ernte übrig gebliebenen Stoppeln mit Pflug oder Grubber war nicht möglich. "Deshalb bin ich hier einmal mit Glyphosat rüber", sagt Hansen. Am Donnerstag hat ein Expertengremium der Europäischen Union darüber beraten, ob der umstrittene Unkrautvernichter weiterhin in der EU zugelassen ist. Denn der Zulassungszeitraum für den Wirkstoff endet im Dezember. Und abermals wurde die Entscheidung vertagt.

Glyphosat besonders effektiv

Mit dem Wirkstoff will Hansen erreichen, dass sein Feld komplett frei von Pflanzen ist, die er nicht haben will. Denn im kommenden Jahr sollen auf dem Feld hinter seinem Haus Zuckerrüben wachsen. Zwischen diesen will er weder neu keimende Weizenkörner noch Wildkräuter wie etwa die Quecke finden. Diese Pflanze vermehrt sich über über unterirdische Ausläufer, die sogenannten Rhizome. Hansen erklärt: "Glyphosat dringt bis in diesen Wurzelstock vor. Wir haben keinen anderen Wirkstoff, der ähnlich effektiv ist." Die Behandlung mit Glyphosat sei zudem schneller als zweimal mit Grubber oder Pflug über das Feld zu fahren.

Der Wirkstoff ist umstritten

Trotz seiner Wirksamkeit ist Glyphosat sehr umstritten. Denn der Wirkstoff ist ein Total-Herbizid, das auf sämtliche grüne Pflanzen wirkt. Es hat damit ein so breites Spektrum wie kaum ein anderer Herbizid-Wirkstoff. Glyphosat steht aber auch im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu schädigen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes sinkt mit der vollständigen Vernichtung aller Kräuter und Gräser auf Ackerflächen die Zahl der Pflanzen. Damit wird Insekten und Feldvögeln großflächig die Lebensgrundlage entzogen.

Günstiger Preis macht Mittel attraktiv

Landwirt Hansen bevorzugt den Wirkstoff auch, weil das Unkrautbekämpfungsmittel günstig zu haben ist, denn das Patent des US-Saatgutriesen Monsanto, das den Wirkstoff erfunden hat, ist im Jahr 2000 ausgelaufen. Inzwischen stellen dutzende Hersteller weltweit das Mittel her.

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Für den Landwirt aus Maasbüll ist die Vielfalt auf dem Markt der Grund, dass es immer noch keine Alternativen zu dem Mittel gibt. "Wenn Glyphosat günstig auf dem Markt ist, ist es schwierig, ein zweites Produkt zu platzieren." Zudem sei es durch die restriktive Zulassung von Produkten in der EU für Händler unattraktiv, einen neuen Wirkstoff auf den Markt zu bringen. Experten gehen davon aus, dass die Preise für Lebensmittel stark ansteigen würden, sollte die Glyphosat-Zulassung enden.

"Alle nutzen es"

Da alle konventionell arbeitenden Landwirte Glyphosat benutzen, sagt Hansen, macht er das auf seinen Feldern auch - um konkurrenzfähig zu bleiben. Ein schlechtes Gefühl hat er dabei nicht. "Ich bin Landwirt und kein Toxikologe. Das müssen Experten abschätzen, ob das Risiko vertretbar ist oder nicht." Nachdem es am Donnerstag keine Entscheidung gegeben hat, könnte die EU-Kommission selbst entscheiden oder aber auch ein Vermittlungsverfahren einberufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 09.11.2017 | 19:30 Uhr

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