Landtag sorgt sich um Veranstaltungsbranche

Gestrichene Konzerte, abgesagte Volksfeste, ausgefallene Messen - keine Frage, die Veranstaltungsbranche trifft die Corona-Krise hart. Viele sind in Existenznöte geraten. Mit den Sorgen der Branche hat sich am Freitagvormittag auch der Landtag befasst. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) kündigte die Bereitschaft der Landesregierung zu weiteren Hilfen an.

Veranstaltungsbranche besonders stark betroffen

Die Debatte über die wirtschaftlichen Probleme der Veranstaltungsbranche war von großer Sachlichkeit und weitgehender Einigkeit darüber geprägt, dass den Unternehmen weitere Hilfen ermöglicht, verlässliche Rahmenbedingungen genannt, aber vor allem Perspektiven aufgezeigt werden müssen. Die Branche sei besonders hart getroffen, weil sie eine der ersten war, die durch die Kontaktbeschränkungen betroffen war und wahrscheinlich auch die letzte sein wird, die nach der überstandenen Krise wieder in den Normalbetrieb aufnehmen kann.

Anders als im produzierenden Gewerbe könnten Events nicht gelagert und später verkauft werden, sagte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Auch nach Ansicht des CDU-Wirtschaftspolitikers Hartmut Hamerich wird die Branche im kommenden Jahr ebenfalls von der Krise betroffen sein. "Wenn nicht grundsätzlich etwas passiert, werden 50 Prozent der Betriebe die Pandemie nicht überstehen."

Signale der Hoffnung aus Schleswig-Holstein

Gelobt wurde die große Kreativität von Branchenvertretern. Kleinere Messen und Konzerte, aber auch die besondere Kieler Woche in diesem Jahr wurden als Hoffnungszeichen gewertet. Mit kleineren Veranstaltungen sei zwar keine große Wirtschaftlichkeit herzustellen, sagte Buchholz. "Trotzdem haben wir versucht, Signale zu setzen." Im Vergleich zu anderen Ländern sei Schleswig-Holstein bislang vergleichsweise robust durch die Krise gekommen, so Buchholz.

Debatte wird im Wirtschaftsausschuss fortgeführt

Wie der Branche geholfen werden kann, darüber gab es in der Debatte die unterschiedlichsten Vorstellungen. Sie werden jetzt im Wirtschaftsausschuss des Landtages weiter beraten. Einig war sich das Parlament jedoch, der Branche weiter zu helfen, aber auch darin, dass nicht jedem Unternehmen das wirtschaftliche Überleben ermöglicht werden kann.

Wenn das Land den Härtefallfonds aufstocken würde, "dann wäre das nicht falsch", sagte Buchholz. Aktuell umfasst der Härtefallfonds des Landes 65 Millionen Euro. Davon waren Mitte September allerdings erst elf von 15 Anträgen bewilligt und gut 3,5 Millionen Euro ausgezahlt. Am Donnerstagabend hatte sich die Jamaika-Koalition mit SPD und SSW auf einen Notkredit über 4,5 Milliarden Euro verständigt.

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