Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht sitzt mit Maske im Landtag von Schleswig-Holstein. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter

Landtag debattiert über Not der Schweinebetriebe

Stand: 28.10.2020 20:16 Uhr

Im Kieler Landtag war am Mittwoch die aktuelle Lage der schweinehaltenden Betriebe Debattenthema. Letztlich wissen die Abgeordneten aber auch keinen rettenden Königsweg.

In Schleswig-Holstein warten mittlerweile 40.000 Schweine auf die überfällige Schlachtung - das ist ein Verzug von etwa einer Woche. Grund hierfür seien Corona-Fälle bei Mitarbeitern in großen Schlachtbetrieben in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und damit eingeschränkte Kapazitäten, sagte Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Mittwoch im Kieler Landtag. Der Platz für neue Ferkel in den Stallungen wird jetzt knapp und die Fleischpreise sind im Keller.

Rund die Hälfte der Schweine im Norden werden laut Albrecht in den beiden Bundesländern geschlachtet. Für den einzigen großen Schlachthof in Schleswig-Holstein in Kellinghusen (Kreis Steinburg) habe er eine vorübergehende Ausweitung der Arbeitszeiten beim Sozialministerium beantragt, sagte Albrecht.

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Keine Lösung parat

CDU-Agrarexperte Heiner Rickers sagte, längere Arbeitszeiten in Schlachtung und Verarbeitung, eingeschränkte Quarantäne-Bedingungen für Mitarbeiter, staatliche Ankaufprogramme für nicht absetzbare Schlachttiere und eine europaweite Koordinierung der Schlachtkapazitäten seien sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene in der Umsetzung. "Die Nerven der Schweinehalter liegen blank und zu Recht werden von der Politik Lösungen erwartet."

Die SPD-Angeordnete Kirsten Eickhoff-Weber kritisierte: "Weiterhin werden Ferkel geboren, für die eigentlich kein Platz ist. Das ist eine Situation mit vielen Ursachen und bisher ist auch für Schleswig-Holstein keine Lösung in Sicht." Es zeigt sich, dass es so nicht weitergehen kann. Ein leitender Königsweg fehlt allerdings bislang.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.10.2020 | 17:00 Uhr

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