Stand: 13.06.2019 05:00 Uhr

Kriminelle kaufen auf fremde Rechnung ein

Eine 60-jährige Dame aus Kiel ist Opfer von Identitätsdiebstahl geworden. Ein Betrüger hatte ihre persönlichen Daten ausgespäht und bestellte monatelang auf ihren Namen Waren in verschiedenen Onlineshops. Das ist möglich, weil man bei Online-Bestellungen für Lieferung und Rechnung zwei unterschiedliche Adressen angeben kann. Die Betrüger lassen sich die Ware schicken - und die Rechnung geht an das ahnungslose Opfer.

35 Rechnungen innerhalb weniger Wochen

Im Februar hatte der Spuk für das Betrugsopfer Monika Grickschat angefangen. Jede Woche landeten Rechnungen, Mahnungen und Inkassoforderungen in ihrem Briefkasten - für Produkte, die sie nie bestellt hat. Die Rechnungen über Beträge immer im dreistelligen Bereich konnte sie nicht identifizieren. Insgesamt waren es 35 Rechnungen innerhalb weniger Wochen.

Die Betrüger haben im Fall von Monika Grickschat die Ware über eine Briefkastenfirma zu sich ins Ausland schicken lassen - und die Rechnungen zu ihr nach Kiel. Sie vermutet, dass die Betrüger sie willkürlich im Telefonbuch ausgewählt haben. "Es ist ja super einfach, sich eine Adresse zu besorgen. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade ältere Menschen entsetzt reagieren und sich fragen: Habe ich nicht vielleicht doch etwas bestellt?", sagt sie.

Anzeige gegen Unbekannt

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Es gibt keine Zahlen, wie viele Opfer von Identitätsklau es gibt.

Grickschat erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Das Landeskriminalamt hat keine Zahlen, wie oft so etwas passiert. Denn Identitätsdiebstahl wird nicht gesondert erfasst. Die Verbraucherzentrale rät, noch besser auf die persönlichen Daten aufzupassen. Hilfe von Händler-Seite sei nicht zu erwarten.

Für jeden Fall muss Grickschat Widerspruch einlegen. Und fast jeden Tag muss sie den Versand-Häusern versichern, dass nicht sie diejenige war, die die Waren bestellt und dann nicht bezahlt hat. "Ich fand, das war richtige Belästigung. Das war mir unangenehm, immer wieder anzurufen mit einer Kopie von der Strafanzeige", sagt das Betrugsopfer.

Täter sind gut darin, ihre Spuren zu verwischen

Bezahlen musste Grickschat bislang nichts. Seit Anfang des Monats kommen plötzlich auch keine Rechnungen mehr. Die Polizei macht ihr wenig Hoffnung, die Täter zu fassen. Sie seien gut darin, ihre Spuren zu verwischen. Es gebe auch keine Garantie, dass bei Grickschat nicht wieder Rechnungen ankommen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 12.06.2019 | 19:30 Uhr

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