Stand: 11.06.2019 21:33 Uhr

Kreuzfahrt-Protest in Kiel: Strafverfahren laufen

Klimaaktivisten, die sich auf die Nase eines Kreuzfahrtschiffs setzen und es so am Auslaufen hindern, es mit Booten blockieren - das sind Bilder, die es so vorher noch nicht in Schleswig-Holstein gegeben hat. Bis zum Pfingstsonntag. Rund 50 Aktivisten der Gruppe "Smash Cruiseshit" (dt.: "Zerstört Kreuzfahrtscheiße") hinderten den Kreuzfahrer "Zuiderdam" sechs Stunden am Ausfahren. Die Bilder gingen um die Welt. In Kiel seien im vergangenen Jahr etwa 160 Kreuzfahrtschiffe ausgelaufen und die Landeshauptstadt habe den Klimanotstand ausgerufen, sagte ein Aktivist, der unerkannt bleiben wollte, am Dienstag NDR Schleswig-Holstein. Das sei "ein Riesen-Paradoxon. Deswegen fanden wir den Ort für die Aktion sehr passend." Von Schaulustigen gab es dafür am Sonntag viel Zuspruch. Rechtlich ist das Vorgehen der Aktivisten problematisch. Es geht um Nötigung, Widerstand und Hausfriedensbruch. Entsprechende Strafverfahren laufen.

Kämpfer: Protest war unangekündigt und illegal

Auf eine solche Aktion sei man in der Landeshauptstadt nicht gefasst gewesen, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD): "Der Protest war nicht angekündigt und illegal, insofern kann man sich auf so etwas nur schwer vorbereiten." Gegen Klimaschutz und den Einsatz für Klimagerechtigkeit sei seiner Meinung nach nichts zu sagen. "Allerdings muss es in demokratischen Bahnen laufen. Und das, was Sonntag passiert ist, war ja nun jenseits davon", sagte Kämpfer. Die Demonstranten hätten andere und sich selbst gefährdet.

Torge Stelck von der Landespolizei verwies auf die Kieler Hafenordnung. Diese sage eindeutig, dass jegliches Baden in dem betroffenen Bereich am Ostseekai verboten sei. Es bestehe die Gefahr schwerster Gesundheitsschäden. Die Seehafen Kiel GmbH als Betreiberin des Hafens will sich mit Innenministerium und Wasserschutzpolizei beraten, um besser auf etwaige weitere Aktionen vorbereitet zu sein. Die Wasserschutzpolizei habe grundsätzlich das Auslaufen der Schiffe aus dem Kieler Hafen sicherzustellen, dazu sei es aber am Sonntag nicht gekommen, sagt Seehafen-Sprecher Ulf Jahnke.

Reedern ist der Landstrom in Häfen zu teuer

Dem Aktivisten-Vorwurf paradoxer Politik entgegnete Kämpfer, dass der Notstand im Mai "nicht beschlossen worden" sei: "Die Ratsversammlung hat gesagt: Wir haben eine besondere Dringlichkeit." Die Verwaltung solle aufzeigen, was in Sachen Klimaschutz noch schneller in die Wege geleitet werden könne. "Genauso muss Klimapolitik funktionieren", sagte der SPD-Politiker, "da ist null Bedarf für illegale Blockadeaktionen."

Eine Kieler Bemühung ist diese: In der Landeshauptstadt können einige Fähren mit Landstrom versorgt werden, damit die Dieselmotoren während der Liegezeiten abgeschaltet werden können. Verpflichtend ist das nicht. Und den Reedern ist der Landstrom zu teuer.

Vernetzte Aktivisten reisen aus ganz Europa an

Den Klimaaktivisten gehen die Kieler Bemühungen nicht weit genug. Sie sind nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein weltweit vernetzt und aus ganz Europa für die Schiffsblockade nach Kiel gekommen. Oberbürgermeister Kämpfer sprach von weiteren "Steigbügelhaltern aus Kiel". Die Gruppe "Smash Cruiseshit" war zuvor nicht in Erscheinung getreten.

Ihre Twitter-Präsenz mit dem Titel "Kreuzfahrtschiffe (k)entern", auf der sie am Sonntag über die Aktion informierten, wurde erst in diesem Monat gegründet. Dort berichteten die Aktivisten, dass einige Mitstreiter bei der Räumung durch die Polizei leicht verletzt worden seien. Nach Angaben der Beamten hingegen wurde niemand verletzt.

Eine Aktivistin, die unerkannt bleiben wollte, sagte NDR Schleswig-Holstein, sie sei sehr zuversichtlich, dass es weltweit ähnliche Aktionen geben werde - "unabhängig davon, dass die anderen Gruppen mit uns in direktem Kontakt sind".

Kreuzfahrtkonzern hat mehr als 100 Schiffe

Die "Zuiderdam" gehört einer Tochtergesellschaft des weltgrößten Kreuzfahrtkonzerns Carnival Corporation & plc. Insgesamt gehören mehr als 100 Schiffe weltweit zu dem Unternehmen.

Aktivisten blockieren Kreuzfahrtschiff

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.06.2019 | 19:30 Uhr

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