Stand: 28.08.2018 21:32 Uhr

Kormorane und MSC-Siegel bereiten Fischern Sorgen

Zum Auftakt des Deutschen Fischereitages in Lübeck haben Binnenfischer und Teichwirte in Schleswig-Holstein am Dienstag ein verstärktes Vorgehen gegen Kormorane gefordert. Die Landesvorsitzende Sabine Schwarten sagte NDR 1 Welle Nord, es müsse dringend eine EU-weite Lösung her, um die Probleme mit den Tieren in den Griff zu bekommen. Der Kormoran-Bestand sei mittlerweile so groß, dass die Familienunternehmen in der binnenländischen Fischerei gefährdet seien. "Wir haben in den letzten 30 Jahren einen Rückgang der Betriebe in der Binnenfischerei um rund 80 Prozent", sagte Schwarten. Auch Reiher und Fischotter machen den Fischern Sorgen.

MSC-Siegel sorgt für Diskussionen

Zum Fischereitag sind etwa 200 Vertreter aus Fischereiwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik zusammengekommen. Die Veranstaltung dauert insgesamt drei Tage. Im Mittelpunkt stehen auch Fragen wie: Wie lässt sich die Fischerei in Nord- und Ostsee mit Naturschutz vereinbaren? Wie steht es um die Aale in Binnengewässern? Wie ist die Situation bei den Angelfischern?

Außerdem geht es um den Entzug eines wichtigen Zertifikats für Ostseeheringe. Vom 1. September an darf der Fisch nicht mehr als MSC-zertifiziert verkauft werden. Das blau-weiße Siegel des Marine Stewardship Council, für das das Kürzel MSC steht, kennzeichnet Fisch und Meeresfrüchte aus "zertifizierter, nachhaltiger Fischerei". Grund für den Verlust des Zertifikats ist eine Änderung der Referenzwerte durch den Internationalen Rat für Meeresforschung.

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Ostsee-Hering verliert MSC-Nachhaltigkeitssiegel

Die deutsche Herings-Schleppnetzfischerei in der westlichen Ostsee hat ihr Nachhaltigkeitssiegel verloren. Vom 1. September an darf Ostsee-Hering nicht mehr als MSC-zertifiziert verkauft werden. (23.08.2018) mehr

Fischerei-Verband hofft auf Krisenhilfe

Ohne das MSC-Siegel sei Hering praktisch kaum noch zu verkaufen, obwohl die Qualität gleich bleibe, sagte Kai-Arne Schmidt vom Verband Deutscher Kutter- und Küstenfischer in Lübeck. Es bestehe aber die Hoffnung, dass es kein komplettes Fangverbot, sondern nur eine Fangmengenbeschränkung geben werde, sagte der Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes, Peter Breckling. "Wir hoffen auf Quotenkürzungen zwischen 40 und 60 Prozent und eine auf ein Jahr begrenzte Krisenhilfe von Bund und EU", sagte er. 

Mögliche Folgen des Brexit ein Thema

Bei dem dreitägigen Treffen soll es unter anderem auch um die möglichen Folgen des Brexit für die deutsche Hochseefischerei gehen. Der Deutsche Hochseefischerei-Verband fordert, den Zugang Großbritanniens zum europäischen Markt an eine Zugangsberechtigung der europäischen Fischerei zur britischen 200 Seemeilen-Zone zu knüpfen. Hintergrund: "Derzeit stammen nahezu 100 Prozent unserer Nordseeheringsfänge aus britischen Gewässern", sagte der Vorsitzende des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes, Uwe Richter.

Dachverband mit einer Million Mitgliedern

Organisiert wird der Deutsche Fischereitag vom Deutschen Fischerei-Verband. Er vertritt nach eigenen Angaben bundesweit rund eine Million Mitglieder. Dabei geht es um Interessen von Kutter- und Küstenfischern, Hochseefischern, der Binnenfischerei, Sportanglern und Aquakulturen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte zur Eröffnung der Veranstaltung am Dienstagabend, dass Fischerei und Naturschutz gut miteinander in Einklang zu bringen seien. Wenn beide Seiten kompromissfähig aufeinander zugingen, sei auch eine nachhaltige Fischerei möglich, so Günther.

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Starker Rückgang: Aale vom Aussterben bedroht

In Europa gibt es immer weniger Aale. Der Bestand ist seit den 1970er-Jahren um 95 Prozent zurückgegangen. Im Landkreis Lüneburg werden jährlich Hunderttausende ausgesetzt - bringt das was? mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.08.2018 | 19:30 Uhr

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