Stand: 18.05.2020 19:10 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Kommentar: Tagestourismus-Verbot ist verantwortungsvoll

Schleswig-Holstein sagt seit Montag (18.5.) wieder "Herzlich Willkommen" und schickt gleich ein "Aber" hinterher. Die beliebtesten Ausflugsziele an der Nordsee sind schlicht ausgebucht - Tagestouristen sollen deshalb draußen bleiben. Das klingt hart, ist aber konsequent.

Ansturm von Touristen contra Mindestabstand

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 4.000 Einwohner hat St. Peter-Ording (Kreis Nordfriesland). Und diese Zahl könnte sich über die Feiertage verzehnfachen - allein durch Tagesausflügler. Zweitwohnungsbesitzer und Übernachtungsgäste sind da noch gar nicht eingerechnet. Mit einem Mindestabstand von 1,5 Meter ist so ein Ansturm wohl kaum vereinbar. Besser, wenn sich Tagesausflüge aufs Land verteilen - so der Plan der Verantwortlichen.

Ischgl des Nordens verhindern

Den Lockdown zu beschließen, sagte eine Landtagsabgeordnete neulich, war noch relativ einfach - verglichen mit dem Ausstieg aus dem Lockdown. Das gilt für den Tourismus in Schleswig-Holstein ganz besonders. Auf der einen Seite geht es um einen wichtigen Wirtschaftszweig und die guten Beziehungen zu den Nachbarbundesländern. Auf der anderen Seite droht vielleicht die Gefahr, dass manche Besucher hinter dem Ortsschild auch Maske und Vernunft zurücklassen. Ein Ischgl des Nordens will niemand verantworten müssen.

Schade, dass es keine einheitliche Regelung gibt

Man möchte nicht in der Haut von Landräten, Bürgermeistern oder Ministern stecken, die einerseits um Touristen werben, ihnen dann aber doch den Zugang zu Inseln und Küstenorten verwehren. Schade, dass sie keine einheitliche Regelung - etwa für alle Küstenorte - gefunden haben. Natürlich haben im Zweifel Landräte und Bürgermeister besser im Blick, was vor Ort jeweils sinnvoll ist. Aber welcher potentielle Tagestourist soll da noch den Überblick behalten? Auch für die Akzeptanz wäre das sicher gut gewesen. So fragt sich vielleicht der eine oder andere, warum er auf Sylt nicht fernab der Massen wandern gehen darf, wenn andernorts Tagesausflüge erlaubt sind.

Infektionsschutz hat Vorrang

Der grundsätzliche Plan, die Tagestouristen aus den Flaschenhälsen herauszuhalten, ist aber richtig. Ja, der eine oder andere wird sich auch hier wieder in seiner Freiheit eingeschränkt fühlen. Und natürlich ist es legitim, den Lagerkoller mal hinter sich lassen zu wollen und an die frische Luft zu gehen. Aber in diesen Zeiten hat der Infektionsschutz eben Vorrang. Erholen kann man sich doch sowieso besser beim Spaziergang am See, im kleinen, noch unerschlossenen Küstenort oder irgendwo im Binnenland als dichtgedrängt mit einem Glas Prosecco an der überfüllten Strandpromenade. Und: Auch Sicherheit vor Infektionen kann ein Standort-Vorteil sein.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.05.2020 | 17:00 Uhr

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