Stand: 21.05.2019 16:58 Uhr

Köche in Schleswig-Holstein verzweifelt gesucht

Lange Arbeitstage, schlechte Bezahlung und viel Stress schrecken viele junge Leute von einer Ausbildung zum Koch ab.

Die Tourismus-Saison in Schleswig-Holstein geht bald wieder los und die Gastronomiebetriebe stehen in den Startlöchern - aber die Köche fehlen. Und zwar in Massen. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) werden in Schleswig-Holstein derzeit noch 1.000 bis 1.500 Köche verzweifelt gesucht. Viele Betriebe locken mittlerweile nicht nur mit Geld, sondern auch mit anderen materiellen Anreizen.

Jeder dritte Betrieb sucht Küchenpersonal

Ein Auto, eine Wohnung, eine Mitgliedschaft fürs Fitnessstudio? Diese Angebote von Gastronomiebetrieben für Köche seien inzwischen keine Seltenheit mehr, sagt Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Schleswig-Holstein. Etwa jeder dritte Betrieb sucht seinen Angaben zufolge Mitarbeiter für die Küche. "Im Zweifel heißt das, dass man seine Speisekarte herunterfahren und die Öffnungszeiten verringern muss", erklärt Scholtis möglichen Folgen für den Restaurant-Inhaber. "Und das in Zeiten, wo Saison ist und wo man an sich täglich seinen Betrieb öffnet, um auch einen entsprechenden Umsatz zu machen, wäre das natürlich kontraproduktiv und fatal."

Verband fordert Änderung des Arbeitszeitgesetzes

Zur Zeit entstehen außerdem im Land immer mehr große Hotels, beispielsweise in Kiel. "Die grasen dann bei den Köchen den ganzen Markt leer", so Scholtis wörtlich. Um Gastronomiebetrieben eine Chance zum Überleben zu geben, fordert der Dehoga eine Anpassung des Arbeitszeitgesetzes. Nicht mehr die tägliche Arbeitszeit sollte festgelegt sein, sondern eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Heute etwas länger, morgen etwas kürzer arbeiten - nur so könne es funktionieren, meint der Dehoga-Geschäftsführer.

Gewerkschaft: Die Mehrarbeitskonten laufen voll

Finn Petersen von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Schleswig-Holstein hält dagegen. Flexibilität sei in diesem Beruf zwar gefordert, aber nicht wenn es über die gesetzlichen zehn Stunden hinaus gehe. "Wir glauben nicht, dass es funktioniert mit 'heute ein bisschen länger, morgen ein bisschen kürzer'. Unsere Erfahrungen sind, dass die Mehrarbeitskonten volllaufen und das funktioniert nicht", so Petersen. Er wirft Scholtis vor, mit dem Vorschlag das Arbeitszeitengesetz aufweichen zu wollen. Stattdessen rät er Gastronomen bei Großveranstaltungen, das Personal mit versetzten Zeiten arbeiten zu lassen. Würde das Personal jeweils um eine Stunde versetzt anfangen und entsprechend später aufhören, funktioniere das hervorragend, so Petersen.

Weitere Informationen

Branchentag des Gastgewerbes: Fachkräfte gesucht

05.12.2018 08:00 Uhr

Hotels und Gaststätten in Mecklenburg-Vorpommern suchen nach Arbeitskräften. Eine Imagekampagne soll Interesse bei Schülern wecken. Auch Behinderte sollten eingestellt werden, hieß es. mehr

Erschreckend wenig Personal in der Gastronomie

19.10.2018 08:00 Uhr

Ein Super-Sommer, der sich bis in den Herbst hineinzieht: Man sollte meinen, die Tourismusbranche ist mehr als zufrieden. Doch der Fachkräftemangel in der Gastronomie macht große Sorgen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.05.2019 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:32
Schleswig-Holstein Magazin

Der Betankungsspezialist aus Flensburg

Schleswig-Holstein Magazin
02:33
Schleswig-Holstein Magazin

Was wird aus Senvion?

Schleswig-Holstein Magazin
02:47
Schleswig-Holstein Magazin