Stand: 07.07.2020 05:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Knochenbrüche: Implantate sollen sich selbst auflösen

Kaum eine Operation ist ohne Risiko und Schmerzen. Schon alleine die Narkose bedeutet für viele Menschen eine Belastung. Wenn nach komplizierten Verletzungen Implantate in den Körper kommen, muss man häufig ein zweites Mal unters Messer, damit die Fremdkörper wieder herausgeholt werden können. Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum in Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) arbeiten nach eigenen Angaben seit Jahren erfolgreich an Implantaten aus Magnesium, die bei Knochenbrüchen eingesetzt werden und sich im Körper von selbst wieder auflösen. Eine zweite Operation ist dann nicht mehr nötig. Jetzt versuchen sie, dieses Prinzip für andere Bereiche im Körper auszuweiten.

Kern der Forschung: Der gleichmäßige Abbau

Nach Knochenbrüchen sollen Magnesiumplatten den Bruch stabilisieren. Die Platten sollen nach wenigen Monaten vom Körper von alleine abgebaut werden. Noch ist das Forschung. In Brennöfen wird erst Magnesium vorbereitet - dann wird es maschinell bearbeitet, um daraus Schrauben, Platten oder kleine Netze zu formen. Dabei können sich aber die Eigenschaften des Materials verändern. Dieses Problem müssen die Wissenschaftler lösen.

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Die erste Entwicklung der Wissenschaftler: Schrauben. Bald könnten Bauteile aus Magnesium-Legierungen ganze Titanplatten im Körper ersetzen.

"Was wirklich schlecht wäre, wenn man einen Punkt hätte, wo viel zu schnell ein Riss entsteht. Also dieser gleichmäßige Abbau ist wirklich eines der Kernthemen unserer Forschung", erklärt Dr. Thomas Ebel vom Helmholtz-Zentrum. Er und sein Team müssten ein Material finden, "das genau die Eigenschaft hat, die wir haben wollen, damit der Prozess robust ist".

Erste Entwicklung: Schrauben aus Magnesium

Die erste Entwicklung aus Geesthacht waren Schrauben, die bei Knochenbrüchen zum Einsatz kommen. Mit besonderen Zutaten zum Magnesium sollen jetzt sehr unterschiedliche Implantate entstehen. Auch könnten Magnesium-Netze helfen, wenn Gewebe nach Operationen nachwachsen muss.

Selbstauflösende Implantate aus Kunststoff, die bislang in vielen Fällen nach Knochenbrüchen zum Einsatz kommen, sind nicht unproblematisch. "Wenn man Schrauben richtig anzieht, läuft man Gefahr, dass sie eventuell abbrechen", sagt Prof. Martin Russlies vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck. Außerdem bestehe die Gefahr, dass beim Abbauprozess Zysten entstehen und sich der Knochen wieder auflöst.

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Umfangreiches Zulassungsverfahren

Deshalb ist es für die Wissenschaftler wichtig, dass ihre Magnesium-Legierungen gut verträglich sind. Mit Hilfe von unterschiedlichen Zellkulturen wird gemessen, wie schnell der Körper das Material abbauen kann - alles soll gleichmäßig in wenigen Monaten verschwinden.

"Die Materialien, die uns im Moment sehr gut erscheinen, die wollen wir möglichst schnell in die Anwendung bekommen. Also da reden wir von wenigen Jahren", sagt Ebel. Aber erst nach Tierversuchen und einem umfangreichen Zulassungsverfahren könnten die Implantate dann in den Kliniken zum Einsatz kommen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 06.07.2020 | 19:30 Uhr

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