Stand: 02.12.2019 19:12 Uhr

Klimawandel: Ostseeküste braucht besseren Schutz

Rund 0,84 Meter soll der Meeresspiegel nach Angaben des Weltklimarats bis zum Ende des Jahrhunderts ansteigen. Für Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) eine besorgniserregende Prognose, die er sehr ernst nimmt. Das Umwelt- und Tourismusministerium will deshalb eine Strategie zum Küstenschutz entwickeln. In Kiel haben sich Vertreter des Landes, der Kommunen und Kreise sowie Naturschutzverbände am Montag getroffen, um über das weitere Vorgehen in Sachen Küstenschutz an der Ostsee zu reden. Sie wollen Antworten auf Fragen liefern - zum Beispiel: An welchen Stellen ist eine Weiterentwicklung des Tourismus an der Ostseeküste langfristig sinnvoll, wo ist Küstenschutz geboten?

540 Kilometer Küste gilt es zu schützen

Forscher der Christian-Albrecht-Universität Kiel (CAU) erarbeiten mit Kollegen von der Technischen Universität (TU) Hamburg-Harburg in den kommenden Jahren ein Gutachten, das klären soll, welche Stellen an der Ostseeküste wie stark bei möglichen Sturmfluten betroffen sein könnten. Es soll als Grundlage für die neue Strategie dienen. Dabei soll es auch um den Tourismus gehen: "Macht es an bestimmten Orten Sinn, sich touristisch weiterzuentwickeln?", formulierte der Umweltminister eine weitere Frage, die beantwortet werden soll.

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Bauwerke seien beispielsweise zu nah am Wasser gebaut, sagte Albrecht. "Wir haben in der Vergangenheit viele Fehler gemacht", räumte der Minister in Bezug auf den Küstenschutz ein. "Lange Zeit gab es keine Abstandsregelung." Rund 540 Kilometer ist die Ostseeküste in Schleswig-Holstein lang, auf etwa 120 Kilometern davon stehen Landesschutzdeiche. Sie sollen im Fall überlaufender Ufer rund 60.000 Menschen sichern, die dahinter ihr Zuhause haben. Zudem sicherten sie rund sieben Milliarden Sachwert, so Albrecht.

Albrecht: Urlaubszentren könnten sich verschieben

An der Nordsee zeigt sich die Sicherung der Küsten laut Albrecht weniger komplex als an der Ostsee. "Die Abbrüche von Steilküsten an der einen Stelle sind die künftigen Sandstrände an anderer Stelle", sagte er. Dennoch müssten auch die Nordseeküsten in Zukunft besser geschützt werden. Für Umweltminister Albrecht ist klar, dass in Zukunft auch die touristische Infrastruktur verlagert werden muss. Es gebe Küstenorte, bei denen eine Weiterentwicklung in Bezug auf den Tourismus nur noch begrenzt möglich sei - das Ergebnis könne sein, dass sich beliebte Urlaubszentren verschieben. Land, Kommunen und Kreise wollen jetzt einen Beirat gründen, der die Regionen in die Entwicklung einer Strategie mit einbinden soll.

Buchholz: Einklang von Wirtschaft und Umwelt wichtig

Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) betonte, dass der Tourismus eine der Lebensadern der norddeutschen Wirtschaft sei. Dennoch müsse das künftige Konzept im Einklang zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen stehen. "Da wird der Tourismus nicht alles kriegen können, aber er wird auch nicht nichts kriegen dürfen", sagte der Politiker. Klar sei aber, dass Steuergeld nicht "in der Ostsee" versenkt werden könne.

Dennoch: Für den Minister steht fest, dass die Schäden an den Küstenbadeorten 2017 und in diesem Jahr nur Vorboten dessen seien, das Land und Menschen in den kommenden Jahrzehnten drohe. Nach der Sturmflut im Frühjahr unterstützte das Land die Kommunen mit einer Million Euro.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.12.2019 | 19:30 Uhr

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