Stand: 08.02.2019 14:31 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Klima-Demo: Flensburg stark vertreten

von Lukas Knauer

Am Morgen ist die Stimmung bei den Organisatoren der Schülerbewegung "Fridays for Future" noch gedämpft. Der Wetterbericht sagt Regen für Flensburg voraus. Keine guten Bedingungen für eine Demonstration, doch davon lassen sich viele junge Menschen nicht abhalten. Angekündigt sind etwa 500 Schüler, laut Polizei versammeln sich rund 1.000 in Flensburg zum Protest.

Mit Banner und Plakate durch die Innenstadt

Lautstark ziehen die Teilnehmer von der Hafenspitze durch die Flensburger Innenstadt bis vor das Rathaus. Viele Schüler haben Banner und Plakate gebastelt. Auf denen stehen Sprüche wie "Wir lieben unsere Welt", "Eure Versprechen sind nur heiße Luft" oder "Was nutzt viel Geld ohne Welt?". Viele der Anwesenden wollen endlich gehört werden - auch von der Politik. "Deshalb lassen wir heute auch nicht so viele Politiker auf der Kundgebung reden", sagt Luna Renninger, die den "Fridays for Future"- Protest in Flensburg organisiert.

Organisation beginnt in sozialen Netzwerken

Vor zwei Wochen hat es hier in der Stadt angefangen, sie habe einfach eine WhatsApp-Gruppe gegründet und Leute eingeladen. "Irgendwann waren wir sehr viele", erzählt sie. Und dann ging es los. "Wir hatten vorher ein Gespräch mit der Schulrätin und dem Ordnungsamt." Die Schulrätin habe ihre Unterstützung für die Proteste zugesagt, berichtet Luna, aber maximal drei Demos würde sie tolerieren.

Große Klimaschutz-Demo in Flensburg

"Wir wollen, dass jemand Notiz von uns nimmt"

"Ich find's einfach toll, dass wir heute alle hier sind und besonders wir Schulkinder so viel Wert darauf legen, dass unser Planet erhalten bleibt", sagt Myra Nielsen und hält ein Plakat in die Luft. Nur wenige Meter entfernt steht Lars Wallner. Er geht in die 11. Klasse und sieht es ähnlich: "Es ist ja für uns Schüler nicht erlaubt, zu demonstrieren. Ich finde es echt traurig, dass wir hier jetzt erst demonstrieren müssen, damit überhaupt irgendwer Notiz von uns nimmt und irgendwas passiert."

Ministerin Prien soll "souveräner" reagieren

Viele Lehrer scheinen - nach Angaben der Schüler - Verständnis für die Demos zu haben, wenn sie nicht zur Dauereinrichtung werden. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte erst vor einer Woche, politisches Engagement sei generell wünschenswert. Das unerlaubte Fernbleiben vom Unterricht könne aber einen Zeugniseintrag zur Folge haben. Demonstriert werden soll nach Ansicht des Ministeriums außerhalb der Schulzeit. "Frau Prien muss da einfach souveräner reagieren", findet Organisatorin und Schülerin Luna Renninger. "Ein Schülerstreik macht halt nur Sinn, wenn er während der Unterrichtszeit durchgezogen wird. Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn streiken ja auch nicht in ihrer Freizeit, sondern wenn sie arbeiten."

Proteste von Schülern weltweit

Vorbild der Bewegung ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit August 2018 jeden Freitag die Schule "bestreikt" und so ein Zeichen für den Klimaschutz setzt. Sie sprach auch zu den Teilnehmern der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz (Katowice). Mittlerweile streiken junge Leute weltweit für einen besseren Klimaschutz. Die Vernetzung der verschiedenen Gruppen läuft über die sozialen Medien.

Weitere Informationen

"Fridays for Future": 1.000 Demonstranten in Flensburg

08.02.2019 10:00 Uhr

Es ist Freitag - und wieder gehen Schüler in etlichen Städten Schleswig-Holsteins für besseren Klimaschutz auf die Straße. In Flensburg sind es mehr als 1.000 Teilnehmer. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.02.2019 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:21
Schleswig-Holstein Magazin