Stand: 26.04.2019 00:01 Uhr

Kiel: Klima-Aktivisten wollen B76 blockieren

Der Theodor-Heuss-Ring in Kiel - ein Abschnitt der B76 - ist seit Monaten wegen schlechter Luftwerte in den Schlagzeilen. Am Freitagnachmittag droht auf und rund um eine der Hauptverkehrsachsen der Landeshauptstadt ein Verkehrschaos. Das Bündnis "TurboKlimaKampfGruppe" (TKKG) hat zur Demonstration aufgerufen. Es hat von der Stadt die Genehmigung bekommen, mit seinem Umzug auch über den viel befahrenen B76-Abschnitt zu ziehen, mitten im Feierabendverkehr. Die Aktivisten fordern die Verkehrswende und ein autofreies Kiel.

Vollsperrung voraussichtlich gegen 15 Uhr

Laut Polizei wird die B76 in Fahrtrichtung Eckernförde zwischen der Einmündung der B404 und dem Waldwiesenkreisel voraussichtlich gegen 15 Uhr für mindestens eine halbe Stunde voll gesperrt. Außerdem werden zahlreiche andere Straßen in der Innenstadt betroffen sein. Wie die Autofahrer konkret umgeleitet werden, will die Polizei nach eigenen Angaben erst entscheiden, wenn klar ist, welches Ausmaß die Verkehrsbehinderungen haben. Laut eines Sprechers wurden verschiedene Reaktionen vorbereitet.

Polizei rät: Stadtzentrum weit umfahren

Autofahrer müssen sich laut Polizeisprecher Oliver Pohl "auf deutliche Störungen und Einschränkungen einstellen". Er rechnet zwischen 15 und 18 Uhr mit Staus. Die Demonstration beginnt um 14 Uhr am Hauptbahnhof. Von dort ziehen die Teilnehmer - die Veranstalter rechnen mit 500 bis 1.000 - Richtung Theodor-Heuss-Ring. Dort werde der Verkehr im Feierabendverkehr voraussichtlich komplett zum Erliegen kommen, meinte Pohl. Er rät, möglichst das gesamte Stadtzentrum zu umfahren.

Busverkehr beeinträchtigt

Beeinträchtigungen durch die Demo wird es auch beim Busverkehr geben. "Leider sind davon auch die Busse der KVG betroffen, sodass die Einhaltung des Fahrplans auf vielen Linien - auch bedingt durch die Ausweichstrecken für den Autoverkehr - nicht garantiert werden kann", teilte die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) mit.

Genehmigung sorgt auch für viel Kritik

Die Demonstration ist umstritten. Der ADAC kritisiert deren Genehmigung für den B76-Abschnitt. Sprecher Ulf Evert sagte, "dass ob der entstehenden Staus und Umfahrungen die Abgaswerte nicht nach unten, sondern deutlich nach oben gehen werden". Den Einsatz der Klimaschützer nannte er "absurd". SSW-Umweltpolitiker Flemming Meyer bezweifelte, "ob es schlau ist, die Autofahrer als Geisel zu nehmen für eine verkorkste Verkehrspolitik".

OB Kämpfer: Grundrechte weit auslegen

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) stellte sich trotz der wohl massiven Verkehrsbehinderungen hinter die Genehmigung. Die Grundrechte seien weit auszulegen. Es gebe eine wohl abgewogene, mit Polizei und Anmeldern verhandelte Lösung, so Kämpfer. Er habe seinerseits keinerlei Überlegungen, die Genehmigung zu überdenken und nach Gutsherrenart hineinzugrätschen.

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Auf Theodor-Heuss-Ring droht Fahrverbot

Wegen zu hoher Stickoxidwerte droht auf dem Theodor-Heuss-Ring ein Fahrverbot für alte Dieselautos. Um das zu verhindern, hat die Stadt bereits das dortige Tempolimit von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde gesenkt und kleinere Abfahrten gesperrt. Das Verkehrsministerium prüft nach wie vor, ob der einwöchige Einsatz einer "Absauganlage" erfolgreich war. Damit künftig weniger Autos unterwegs sind, setzt die Stadt ein ganzes Maßnahmenpaket um: unter anderem sollen die Velorouten ausgebaut werden.

Luftverschmutzung: Kiel auf Platz drei

Parallel arbeitet das Umweltministerium an einem Luftreinhalteplan. Ein Entwurf wird im Sommer erwartet. Nach Angaben des Umweltbundesamts rangierte Kiel 2018 mit einem Jahresmittel von 60 Mikrogramm je Kubikmeter Luft am Theodor-Heuss-Ring bei den am stärksten belasteten Städten auf Platz drei nach Stuttgart und München. Der EU-Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.04.2019 | 06:00 Uhr

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