Stand: 19.06.2020 14:44 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Kieler wollen historische Felsenhalle retten

von Sebastian Parzanny

Eine Brauerei mit einem angeschlossenem Ausflugslokal in bester Lage: Als die Felsenhalle 1846 eröffnet wurde, war das Gebäude mit dem markanten, achteckigen Türmchen und dem riesigen parkähnlichen Garten ein beliebtes Ausflugsziel für die Kieler. "Vom Turm aus soll man sogar Blick bis auf die Förde haben", sagt Elfi Hoffmann. Außerdem ranken sich im Stadtteil Südfriedhof Gerüchte über die riesigen Gewölbekeller unter dem angrenzenden Wohngebiet. Gern würde die Kielerin mal rein in das Gebäude, die Keller oder zumindest auf das Gelände. Aber das ist streng verboten, überall über Mauern und Zäune verläuft Stacheldraht. In den vergangenen Monaten hat Elfi Hoffmann immer wieder über die Mauer geschaut, und sie hat viele Bewohner des Stadtteils mobilisiert, denn die Felsenhalle soll abgerissen werden - das wollen sie und ihre Mitstreiter verhindern. Ihr Traum wäre es, wieder ein Ausflugslokal, einen Stadtteiltreffpunkt oder ein Kunstatelier aus dem historischen Haus zu machen.

"Das hätte Tante Liesel nie gewollt"

Zu den Unterstützern gehört auch Barbara Koch-Vollstedt. Sie ist in der Nähe der Felsenhalle aufgewachsen. Da ihre Eltern mit der Hausbesitzerin, die die Kinder "Tante Liesel" nannten, befreundet waren, hat sie als Kind viele Stunden in dem Haus verbracht - manchmal ganze Wochenenden gemeinsam mit ihrem Bruder: "Dieses Haus war schon spannend aber auch gruselig, mit den ganzen Räumen und dem Turm aber wir hatten immer eine schöne Zeit dort. Das Gelände drum herum ist ja auch traumhaft." Sie hat zufällig im Internet erfahren, dass die Felsenhalle abgerissen werden soll und ist schockiert: "Ich bin wütend und enttäuscht. Da ich ja weiß, dass Tante Liesel mit ihrem ganzen Herzen an der Felsenhalle hing. Sie hätte es sicherlich nicht an das Freilichtmuseum Molfsee vererbt, wenn sie nicht davon ausgegangen wäre, dass man dort in der Lage ist, das Haus zu erhalten an dem ihr so viel lag."

Online-Petition zum Erhalt des ehemaligen Ausflugslokals

Auch Katarina Beckmann aus der Gruppe der Unterstützer kann das nicht nachvollziehen: "Wir wünschen uns ein unabhängiges Gutachten. Nur auf dieser Basis kann man dann weitere Entscheidungen treffen, wie: Wir retten das Haus oder es wird leider wirklich abgerissen. Aber darauf hat doch die Öffentlichkeit ein Recht, so etwas auch nachvollziehen zu können." Das Problem für die Gruppe: Alle Gesprächsangebote, Anfragen und E-Mails an den Molfseer Verein blieben unbeantwortet. Nun hat die Gruppe aus dem Stadtteil Südfriedhof eine Online-Petition gestartet, um das alte Haus doch noch zu retten.

Kein Gutachten in Planung

Ein Gutachten, wie von der Gruppe gefordert, sei nicht geplant, heißt es aus dem Vorstand des Fördervereins Freilichtmuseum Molfsee. Ein NDR Interview vor Ort wurde abgelehnt. Aber es gab ein kurzes Interview am Telefon: Man habe das Haus selbst begutachtet und sei zu dem Schluss gekommen, dass es nicht zu retten sei, so ein Vorstandsmitglied, das namentlich nicht genannt werden möchte. Außerdem verweist der Vorstand darauf, dass es laut Vereinssatzung gar nicht möglich sei, Häuser außerhalb des Museumsgeländes in Molfsee zu bewirtschaften. Gespräche mit der Gruppe, die die Felsenhalle retten will, werde es keine geben, sagt das Vorstandsmitglied und verweist darauf, dass Unbekannte das Gelände mehrfach unerlaubt betreten hätten.

Bald Neubauten an dem historischen Ort?

Es gab bereits eine Bauvoranfrage, es ging um mehrere Neubauten auf dem 6.000 Quadratmeter großen Gelände, heißt es aus dem Kieler Rathaus. Nach NDR Informationen wurde bereits ein Makler beauftragt, der Kaufinteressenten das Grundstück zeigt. Was das Bauland und die sanierungsbedürftige Felsenhalle kosten sollen, wollte er auf NDR Anfrage nicht nennen. Noch steht der Denkmalschutz den Abriss- und Neubauplänen im Weg: Es werde derzeit noch geprüft, ob die Felsenhalle unter Denkmalschutz bleibt - und somit erhalten bleiben müsste - oder ob ein Abriss genehmigt werden kann, sagt der Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Udo Bode. Dabei werde zum Beispiel auch die wirtschaftliche Zumutbarkeit geprüft - also ob sich es finanziell lohnt, eine so alte, stark renovierungsbedürftige Immobilie zu erhalten.

Warten auf Reaktion der Stadt

Nun liegt der Ball bei der Stadt Kiel: Die Stelle, die für den Denkmalschutz zuständig ist, soll ihr Urteil abgeben. Wie lange es dauert, bis die endgültige Entscheidung fällt, ist nicht klar. Elfi Hoffmann und ihren Mitstreiterinnen läuft also die Zeit davon. "Trotzdem sind wir fest entschlossen jetzt noch etwas zu unternehmen, um eines der wenigen schönen, alten Häuser Kiels zu erhalten", sagt sie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 22.06.2020 | 19:10 Uhr

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