Stand: 19.08.2020 07:33 Uhr

Kieler Studentin hilft in Beirut Menschen in Not

Nura El-Ghandour lächelt in die Kamera. © Nura El-Ghandour Foto: Nura El-Ghandour
Nura El-Ghandour studiert in Kiel, ist derzeit aber bei ihren Eltern in Beirut und hilft den Menschen vor Ort.

Nura El-Ghandour ist 28 Jahre alt und studiert an der Fachhochschule in Kiel Kindheitspädagogik. Zurzeit kümmert sie sich aber um ganz andere Dinge: Vor wenigen Tagen ist Nura nach Beirut gereist, in die frühere Heimat ihrer Eltern. Sie waren 1990 aus dem Bürgerkrieg nach Deutschland geflüchtet. Nach der verheerenden Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt hilft Nura El-Ghandour nun Menschen in Not - zusammen mit anderen Freiwilligen. "Wir sprechen mit den Leuten, wir haben Medikamente bestellt und schon verteilt, wir haben Windeln und Babynahrung besorgt", erzählt sie im Interview mit NDR 1 Welle Nord.

Wohnungen vermitteln, Mieten bezahlen, Ventilatoren oder Matratzen kaufen - es ist viel zu tun. "Jedes Mal, wenn wir Hilfe leisten konnten, stehen sie mit Tränen in den Augen vor uns - und dann wissen wir auch: Wir haben das Richtige getan." Bei dem Unglück am 4. August kamen mehr als 170 Menschen ums Leben, mehr als 6.500 wurden verletzt. 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat, die ungesichert in einer Halle lagerten, waren explodiert.

Nura will Stärke zeigen und helfen

Die Kieler Studentin sagte im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord, sie müsse selber weinen, wenn sie das Elend und die Not in Beirut sehe. "Aber vor den Leuten möchte ich auch irgendwie stark wirken", sagte Nura. "Es ist wirklich schwierig, sehr schwierig, ja." Der Anblick der Zerstörung sei noch schlimmer, als es in den Medien zu hören und zu sehen ist. "Es wirkt wie eine Geisterstadt. Die Häuser sind komplett unbewohnbar. Kein einziges Haus, nicht ein Haus ist noch heil geblieben. Ich habe wirklich großen Herzschmerz gehabt." Zerstörte Dächer, kaputte Autos an den Straßenrändern - nichts sei heil geblieben.

Niedergeschlagen und dennoch gastfreundlich

Nura schildert, wie die Menschen in Notunterkünften oder bei Verwandten und Freunden untergekommen sind. Dennoch seien die Betroffenen gastfreundlich. "Sie empfangen einen mit offenen Armen. Aber man merkt: Die Leute sind so niedergeschlagen." Sie habe mit Menschen gesprochen, die schilderten, dass die Situation nach der Explosion schlimmer gewesen sei als Krieg, den sie miterlebt hätten. Noch bis Sonntagabend ist Nura El-Ghandour in Beirut, um möglichst vielen Menschen unter die Arme zu greifen.

Zerstörte Gebäude in Hafennähe in Beirut. © Nura El-Ghandour Foto: Nura El-Ghandour
AUDIO: Kieler Studentin: Die Lage hier in Beirut ist schlimm (8 Min)

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 19.08.2020 | 06:10 Uhr

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