Kieler Student lebt und lernt auf einem Boot

Stand: 16.03.2021 10:46 Uhr

Immer mehr Menschen träumen von einem Leben mit leichterem Gepäck: kein Eigenheim, keine Mietwohnung und gerne mobil. Diesen Traum, wenn auch mit Schwierigkeiten, lebt der Kieler Student Henri Pettersson.

Eigentlich wollte Henri Pettersson nach seiner Ausbildung zum Bootsbauer eine Zeit auf der Ostsee segeln und sich als Tagelöhner durchschlagen. Mit seinem Boot Spaecke ging das aber nicht - jetzt lebt und lernt er darauf. Pettersson studiert Industriedesign an der Kunsthochschule in Kiel.

"Spaecke" statt WG-Zimmer

Während seine Kommilitonen zum Wintersemester nach einem WG-Zimmer suchten, brauchte Henri Pettersson einen Liegeplatz, an dem sein Segelboot "Spaecke" und er geduldet werden. An der Schwentine hat er einen Ort zum Überwintern gefunden, für 70 Euro im Monat. "Also ich glaube, es gibt viele Leute, die da keine großen Vorteile sehen, auf einem Boot zu leben. Ich mag es, dass es so einfach und reduziert ist." Reduziert ist harmlos ausgedrückt, denn gerade im Winter war die Zeit "schon nicht so angenehm". Der gelernte Bootsbauer berichtet von gefrorenem Olivenöl, so dass er sich noch nicht mal etwas anbraten konnte.

"Es ist nicht so, dass ich gezielt was vermissen würde. Es ist nur so: Ich bastel' halt auch unheimlich gerne am Boot. Und dann denkt man: Nächstes Jahr bauw ich mir auch mal einen Boiler ein, damit ich auch warmes Wasser hab." Auch für kaltes Wasser aus dem Hahn muss der Kieler Student selbst sorgen. Dreißig Liter reichen ihm fast für eine ganze Woche. "Komisch zu sagen, dass es mir Spaß macht, aber gehört alles irgendwie dazu. Man weiß dann halt auch wertzuschätzen, dass man Wasser hat, womit man sich die Zähne putzen kann." Fast alles an Bord hat Pettersson schon einmal generalüberholt.

Investitionen in "Spaecke"

Klar ist: Ein Segelboot als Zuhause kostet Zeit und Geld. Wie viel genau weiß Henri Pettersson nicht. An seinem kaputten Motor arbeitet er jetzt schon ein halbes Jahr. "Dass der jetzt letztens erst angesprungen ist, das war wirklich extrem dankbar. Ich war echt kurz davor, den raus zu schmeißen und mir einen Außenborder zu kaufen, weil es einfach nicht funktioniert hat." Dass hier immer etwas zu tun ist - für den Bootsbauer ein guter Ausgleich.

Studieren ist für ihn hingegen noch gewöhnungsbedürftig, denn alles was er zurzeit an der Kunsthochschule lernt, ist zunächst theoretisch und unkonkret. Auf "Spaecke" geht es jeden Tag aufs Neue um die Frage, was er zum Leben braucht. Für den Sommer hat der studierende Bootsbauer einen Traum - mit "Spaecke" am Ankerplatz Uni zu liegen: "Kann mir eigentlich nichts Schöneres vorstellen."

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