Stand: 18.12.2018 18:58 Uhr

Kiel will eine Fahrspur für Diesel sperren

Die Stadt Kiel hat dem Umweltministerium am Montagabend Vorschläge vorgelegt, wie die Luftqualität am stark belasteten Theodor-Heuss-Ring verbessert werden kann. Nach Angaben von Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) sieht das Konzept unter anderem ein Tempolimit von 50 km/h vor. Derzeit sind an der Stelle 70 km/h erlaubt. Außerdem soll eine der beiden Spuren auf dem Theodor-Heuss-Ring für Dieselfahrzeuge gesperrt werden. Man wolle die Dieselfahrzeuge dadurch weiter weg von den Wohnungen bringen. "Es ist ein Spurwechsel um nur eine Spur. Diesel dürften trotzdem weiter auf dem Theodor-Heuss-Ring fahren", sagte Kämpfer NDR Schleswig-Holstein. Zuvor hatten die Kieler Nachrichten darüber berichtet.

Kämpfer: "Besser als Fahrverbote"

Lkw, die von den Fähren kommen, will die Stadt umleiten. "Sie sollen erst später auf den Theodor-Heuss-Ring fahren", sagte Kämpfer. Dadurch solle der Verkehr insgesamt besser fließen. "Damit, denken wir, können wir im Jahr 2021 den Grenzwert wieder einhalten." Die geplanten Maßnahmen seien besser und verhältnismäßiger als weitreichende Fahrverbote, so der Oberbürgermeister. "In der Summe der Maßnahmen sind wir überzeugt, dass wir innerhalb von knapp zwei Jahren - also im Jahr 2021 - die Grenzwerte wieder einhalten", sagte er NDR 1 Welle Nord.

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Kieler Luft-Pläne: Besser als Fahrverbote

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Rückendeckung von SPD-Landtagsfraktion

Auch Kämpfers SPD-Kollegen im Landtag sprechen von sinnvollen Vorschlägen. Nach Ansicht des verkehrspolitischen Sprechers Kai Vogel verhindern sie Fahrverbote. "Alles Taschenspielertricks", meint hingegen die schleswig-holsteinische CDU. Sie bezeichnet die Sperrung der rechten Fahrspur für Dieselautos als vorauseilenden Gehorsam gegenüber der Umwelthilfe.

Deren Chef Jürgen Resch sagt zur geplanten Sperrung der Fahrspur: "Das ist an Skurrilität kaum mehr zu überbieten. Kiel und die Landesregierung kommen nicht drumherum, noch für das Jahr 2019 bis zum Ende des Jahres ein Konzept vorzulegen, das sicherstellt, dass die Luftqualitätswerte von Kohlendioxid an allen Orten in Kiel eingehalten werden", sagte er. Eine Klage der Umwelthilfe liegt schon beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig. Für das Umweltministerium drängt also die Zeit, einen Luftreinhalteplan vorzulegen.

Karte: Verkehrsmaßnahmen des Luftreinhaltekonzepts

Konzept für Luftreinhalteplan in den kommenden Monaten

Wann der Plan jedoch fertig sein könnte, dazu konnte auf Nachfrage im schleswig-holsteinischen Umweltministerium noch niemand etwas sagen. Das Gutachten der Stadt soll erst im Januar gründlich durchgesehen und analysiert werden. Dabei will das Ministerium die vorgeschlagenen Maßnahmen mit seinen eigenen Ideen, wie die Luft in Kiel besser werden kann, abgleichen. Daraus soll dann in den kommenden Monaten der Luftreinhalteplan entwickelt werden. Kiels Oberbürgermeister Kämpfer hofft, dass der Plan des Ministeriums noch im Frühjahr fertig wird. Ob das realistisch ist, darauf wollte sich beim Umweltministerium aber niemand festlegen.

Bevölkerung sieht Maßnahmen kritisch

"Ich halte das für eine übereilte Maßnahme", sagte ein NDR 1 Welle Nord Hörer zu den Plänen der Stadt. Durch diese würde sich das CO2 lediglich verlagern, da man mit dem Auto wegen der Sperrung einen anderen Weg wählen müsste. Eine Hörerin kritisierte, dass die Maßnahmen eine Milchmädchenrechnung und die Kreuzfahrtschiffe das Hauptproblem seien. "Wie will man überhaupt Fahrverbote kontrollieren?", fragte wiederum ein anderer Hörer. Außerdem würde die Maßnahme der Stadt Kiel nur zu weiterem Stau auf dem Theodor-Heuss-Ring führen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.12.2018 | 18:00 Uhr

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