Kiel und Lübeck wollen Busfahrpreise senken

Stand: 07.04.2021 05:00 Uhr

Autos sollen raus aus den Innenstädten. Das wünscht man sich in den Rathäusern von Kiel und Lübeck. Nachdem jahrelang die Preise des ÖPNV erhöht wurden, machen beide Städte daher nun Nägel mit Köpfen: Sie wollen die Buspreise senken.

von Sebastian Parzanny

2,40 Euro statt 2,70 Euro, das soll vom 1. August an bei Einzelfahrten in Kiel gelten. Auch mit Tages-, Kleingruppen sowie Schüler- und Azubis-Tickets soll das Busfahren in der Landeshauptstadt deutlich günstiger werden, so hat es die Ratsversammlung beschlossen. Lübeck ist noch nicht ganz so weit: Generell möchte der Senat dort die Preisgruppe 3 abschaffen. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel Fahrgäste aus Travemünde, Buntekuh, Kücknitz oder Schlutup für eine Einzelfahrkarte künftig 60 Cent weniger bezahlen würden. Dafür hatte die Stadt zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Bei einem attraktiveren Angebot könnte der Stadtverkehr bis zu 800.000 Fahrgäste pro Jahr zusätzlich gewinnen.

Autos sollen raus aus den Innenstädten

Generell müssen - neben den politischen Gremien vor Ort - die Verkehrsbetriebe und der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein Preisänderungen im ÖPNV zustimmen. Das steht in beiden Städten noch aus. Die Preissenkungen sind für die Städte alles andere als billig: Kiel etwa würde die Bezuschussung der Ticketpreise rund 2,2 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Beide Städte haben dabei ein Ziel: Künftig sollen weniger Autos in den Innenstädten fahren und parken. "Wenn die Preise für die Busse günstiger sind, dann steigen immer mehr Menschen um. Das ist fast eine Binsenweisheit", sagt die Sprecherin der Stadt Kiel, Kerstin Graupner. Jetzt sollen die Preise erst einmal für drei Jahre gesenkt werden. "Wir gehen aber davon aus, dass es bei den günstigeren Preisen bleibt und das ist nötig, um die Schwelle zu senken, damit Menschen vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen", sagt die Stadtsprecherin.

Die Autofahrer sind geteilter Meinung

Aber sind günstigere Buspreise tatsächlich ein Anreiz für die Autofahrer? Andrea Möbius etwa findet, der ÖPNV könnte dann tatsächlich zur Alternative werden: "Allerdings müssten die Busse dann auch häufiger fahren und das tun sie ja nicht, gerade abends", sagt die Autofahrerin, während sie sich auf dem Kieler Exerzierplatz ein Parkticket zieht. Hans-Burkart Krause steigt gerade in sein Auto ein, während er erzählt, dass er im Umland wohnt und daher auf sein Auto angewiesen ist. "Das ist sicher interessant für die Menschen direkt aus Kiel. Aber wie sollte ich denn ohne Auto überhaupt in die Stadt kommen?", fragt er sich. Van-Fahrer Carsten Lehmann würde sofort auf Busse umsteigen, wenn es günstiger wäre: "Mit meinem großen Auto durch die Stadt - kaum Parkplätze und viele Radfahrer. Eigentlich nervt mich Autofahren in Kiel total." Allerdings würde er es noch besser finden, wenn der ÖPNV in ganz Schleswig-Holstein gratis wäre. Aber von dieser Vision sind selbst Kiel und Lübeck noch weit entfernt.

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