Stand: 24.05.2018 12:49 Uhr

Kiel - Stadt mit sozialer Spaltung

Sag mir, wo du wohnst - und ich sag dir, wer du bist. So lässt sich das Ergebnis einer Studie des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung zusammenfassen. Untersucht wurde die soziale Durchmischung in insgesamt 74 deutschen Städten. Arme und Reiche leben demnach immer seltener Tür an Tür. Zu den Spitzenreitern dabei gehört laut Studie auch Kiel. Insgesamt belegt die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Rang acht, Lübeck liegt im Mittelfeld, Flensburg auf dem viertletzten Platz. Die höchsten Werte sozialer Ungleichheit beim Wohnen ermittelten die Wissenschaftler in Ostdeutschland - und zwar für Rostock, Schwerin und Potsdam.

Lebenswirklichkeit wird ausgeblendet

Forscher Marcel Helbig fasst die Ergebnisse so zusammen: "Wer die Probleme des Nachbarn mit wenig Geld nicht mehr hautnah erlebt, kann ein Stück Lebenswirklichkeit leichter ausblenden. Und wer im "Armen-Ghetto" lebt, mag demnach weniger Aufstiegswillen entwickeln." In 36 deutschen Städten gibt es nach der Analyse inzwischen Quartiere, in denen mehr als die Hälfte der Kinder von staatlichen Leistungen abhängig ist. Die höchsten Werte errechneten die Wissenschaftler für Rostock, Berlin, Halle und Schwerin. Kiel landete auf Rang 12, Lübeck auf Platz 31 und Flensburg im letzten Siebtel.

Sozialwohnungen nur in armen Stadtteilen?

Eine Überraschung für die Forscher war, dass viele Sozialwohnungen die räumliche Ungleichheit in einer Stadt sogar noch verstärkten. Denn Sozialwohnungen seien heute vor allem in Stadtteilen zu finden, in denen ohnehin schon die Armen wohnen, erläuterte Stefanie Jähnen, eine der Autorinnen der Studie. In begehrteren Lagen wie Altbau-Vierteln seien sie hingegen oft aus der sozialen Bindung herausgefallen. Als langfristigen Ausweg für die Kommunen empfehlen die Autoren, Neubauten in besseren Wohnlagen immer mit strikten Auflagen für einen Anteil von Sozialwohnungen zu versehen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.05.2018 | 12:00 Uhr

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