Stand: 23.10.2019 18:50 Uhr

Kiel: Silvester bald ohne Feuerwerk?

Private Raketen und Böller sollen nach Wunsch der Umwelthilfe künftig in Innenstädten verboten werden. Doch die rechtlichen Hürden für ein Verbot scheinen recht groß zu sein.

Geht es nach dem Willen der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dann wird das Silvesterfeuerwerk schon bald gegen Licht- und Lasershows ausgetauscht. Fast 100 Städte mit hoher Feinstaubbelastung hat die DUH inzwischen aufgefordert, die private Böllerei zum Jahreswechsel im Stadtzentrum zu verbieten: Für bessere Luft und weniger Lärm. Darunter auch Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel, wo die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben schon länger über Feuerwerk und Böllerei diskutiert.

Kämpfer: "Alles zu verbieten, das ist der falsche Weg"

Der Antrag, auf Feuerwerk zu verzichten, liegt laut DUH bereits seit Juli in Kiel vor. Nach Angaben einer Stadtsprecherin, diskutieren die Verantwortlichen im Rathaus schon länger darüber, eine abschließende Entscheidung ist aber noch nicht in Sicht. Aus gutem Grund, sagt Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). "Als Kommune haben wir nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, Silvester-Feuerwerk zu verbieten. Grundsätzlich möchte ich auch, dass es an Silvester weniger Raketen und Knaller gibt. Aber alles zu verbieten, das ist der falsche Weg", so Kämpfer.

Laut Innenministerium haben die Kommunen bislang nur die Möglichkeit, Feuerwerk zu verbieten, wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet ist. Die Deutsche Umwelthilfe hat die Bundesregierung deshalb aufgefordert, den Städten ein Verbot von Silvester-Feuerwerk und Böllern zu vereinfachen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) solle sich für eine Änderung der Sprengstoffverordnung einsetzen oder sich für eine Neufassung des Gesetzes gegen Luftverschmutzung stark machen, forderte Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch am Mittwoch in Berlin. Als Spaßbremse wollte er aber nicht dastehen - und warb stattdessen für große Licht-Shows zu Musik als alternativen Start ins neue Jahr.

Umwelthilfe droht nicht mit Klagen

Die Umwelthilfe ist unter anderem dafür bekannt, dass sie per Klage für saubere Luft Städte zu Diesel-Fahrverboten zwingt. Bei Silvesterböllern steht so etwas aber nicht an. Es werde kein geltender Grenzwert überschritten, sagte Resch - es gehe bisher um "vorausschauende Umweltpolitik", nicht um Gesetzesbruch. Die Umwelthilfe drohe den Städten nicht mit Klagen, so Resch. Tierschützer warnen vor jedem Jahreswechsel vor Stress für Hunde und Katzen, Pferde und Wildtiere. Feuerwehr und Notärzte richten sich auf Brände und Verletzte ein, und Umweltschützer warnen vor Feinstaub und tonnenweise Müll. Und Hilfsorganisationen regen schon seit Jahrzehnten an, statt Raketen und Kracher zu kaufen, das Geld doch lieber zu spenden.

Ende vergangenen Jahres fragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov nach: Demnach sagten 61 Prozent der Befragten, Silvesterknaller sollten in Innenstädten verboten werden. 60 Prozent fänden es richtig, wenn es in großen Städten nur noch offizielle Feuerwerke gäbe. Silvesterknaller komplett verbieten lassen wollen demnach etwa zwei von fünf Deutschen (43 Prozent).

Weitere Informationen

Silvester kein Feuerwerk in Rostock und Schwerin?

24.10.2019 06:00 Uhr

Die Deutsche Umwelthilfe will Böller und Feuerwerk in mehreren deutschen Innenstädten verbieten lassen - so auch in Schwerin und Rostock. Sie empfiehlt stattdessen Licht- und Lasershows. mehr

DUH will Böller verbieten: Städte prüfen Anträge

30.07.2019 17:00 Uhr

Die Deutsche Umwelthilfe will, dass in Hannover und Oldenburg das private Silvesterfeuerwerk verboten wird - wegen des hohen Feinstaubs. Beide Städte wollen die Anträge nun prüfen. mehr

Silvester: Warum lassen wir es krachen?

18.12.2018 18:00 Uhr

Mehr Partystimmung geht nicht. Weltweit feiern Menschen den Jahreswechsel, hierzulande mit Feuerwerk, Glücksbringern und Sekt. Was steckt hinter den Silvesterbräuchen? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.10.2019 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:55
Schleswig-Holstein Magazin

Gelöste Radmuttern an Schulbussen

Schleswig-Holstein Magazin
02:20
Schleswig-Holstein Magazin

Kita-Reform beschlossen

Schleswig-Holstein Magazin
02:07
Schleswig-Holstein Magazin

Neue Blitzer auf der Rader Hochbrücke

Schleswig-Holstein Magazin