Stand: 28.05.2019 14:03 Uhr

Kiel: Mit Luftreinhalteplan Fahrverbote verhindern

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Der Theodor-Heuss-Ring ist stark befahren. Er wird täglich von tausenden Pkw und Lkw genutzt.

Trotz schlechter Luft will die Stadt Kiel Diesel-Fahrverbote am Schadstoff-Hotspot Theodor-Heuss-Ring vermeiden. Stattdessen will die Landeshauptstadt mit einer Reihe von Maßnahmen bis 2021 für eine geringere Stickoxidbelastung sorgen - das geht aus dem Luftreinhalteplan hervor, den Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Dienstag vorgestellt hat. An der Straße wird seit Jahren der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten. "Die Luft ist schlecht und die Situation ist ernst am Theodor-Heuss-Ring. Die Anwohner haben ein Recht auf Einhaltung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid", sagte Albrecht. Er räumte allerdings ein: "Die Maßnahmen reichen noch nicht, um 2021 die Grenzwerte vollständig einzuhalten."

Eine Luftmessstation am Theodor-Heuß-Ring in Kiel.

Kiel: Luftreinhalteplan ohne Fahrverbote

Schleswig-Holstein Magazin -

Schon seit Ende 2017 arbeiten Umweltministerium und Stadt Kiel an einem Luftreinhalteplan. Dieselfahrverbote soll es nach Möglichkeit nicht geben – wenn die Luft besser wird.

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Baustelle soll 2020 für bessere Luft sorgen

Für das kommende Jahr rechnet Umweltminister Albrecht in jedem Fall mit sinkenden Stickoxidwerten. Der Grund ist eine Baustelle am Theodor-Heuss-Ring. Wegen dieser soll in der ersten Jahreshälfte eine Fahrspur und eine wichtige Zufahrt am Barkauer Kreisel gesperrt werden. Laut einem Verkehrsmodell der Stadt Kiel werden wegen dieser Sperrung dann etwa 24.000 Autos weniger die Stelle passieren. Da die Baustelle allein allerdings nicht reicht, um den Grenzwert für die Stickstoffbelastung von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel einzuhalten, sollen zusätzlich eine Abfahrt vom und eine Zufahrt zum Theodor-Heuss-Ring gesperrt werden. Die Stadt Kiel werde 2020 dann auswerten, wie die Maßnahmen funktionieren und sie gegebenenfalls anpassen. In der Summe könnten die Grenzwerte 2020 sehr wahrscheinlich eingehalten werden, schätzt das Ministerium ein.

Mögliches Fahrverbot ab 2021

2021 sollen dann dauerhafte Sperrungen und möglicherweise Absauganlagen für saubere Luft sorgen. Zwar liegen nach einem Test in Kiel noch keine verlässlichen Daten vor, ob die Absauganlagen auch wirken. Allerdings zeigen Tests aus Baden-Württemberg den Erfolg der Anlagen, ergänzt Albrecht. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) geht davon aus, dass Fahrverbote dadurch verhindert werden: "Wir können schnell wieder die Grenzwerte einhalten, ohne Fahrverbote. Das haben uns viele nicht geglaubt, dass hat das Umweltministerium jetzt bestätigt."

Wenn es bis September 2020 nicht klappt, dass sich die Luft entsprechend verbessert, soll es ab Januar 2021 ein Fahrverbot für Diesel-Pkw der Stufen Euro 1 bis 5 geben.

Umwelthilfe kritisiert Plan

Die könnten laut Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe, schon eher kommen: "Die im Plan enthaltenen Maßnahmen, die Sperrung einer Fahrspur für Dieselfahrzeuge oder eben Absauganlagen, sind absolut absurd und nicht wirksam.", sagte er NDR Schleswig-Holstein. Er sieht durchaus die Chance, dass die Klage der Umwelthilfe vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig erfolgreich sein könnte - und Dieselfahrverbote bereits im Jahr 2020 drohen.

Der Luftreinhalteplan soll ab dem 31. Mai öffentlich ausliegen. Bürger können zwei Wochen lang zu dem Plan Stellung nehmen. Die Stellungnahmen werden berücksichtigt, wenn es darum geht, den Plan anzunehmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.05.2019 | 15:00 Uhr

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