Eine Frau steht am ZOB in Lübeck. © NDR Foto: Julian Marxen

Kiel, Lübeck und Flensburg: Viele Busse standen still

Stand: 29.09.2020 12:02 Uhr

Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr haben Buspendlern in Kiel, Lübeck und Flensburg am Dienstag Probleme bereitet. Die Busfahrer des Öffentlichen Personennahverkehrs waren zum Streik aufgerufen.

Nachdem schon Beschäftigte in Kitas, bei der Müllabfuhr und in den Stadtwerken ihre Arbeit niedergelegt hatten, war nun der öffentliche Nahverkehr betroffen. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di wurden die kommunalen Buslinien in Kiel, Flensburg und Lübeck mit Betriebsbeginn seit 3.30 Uhr bestreikt. Fachbereichsleiter Karl-Heinz Pliete wertet die Aktion als Erfolg: "Wir sind zufrieden", sagte er. In Kiel und Lübeck hätten am Morgen keine Busse die Depots verlassen, in Flensburg seien nur die Busse von Subunternehmern losgefahren. Es habe unter den Beschäftigten der Frühschichten eine hohe Beteiligung an dem Protest gegeben.

Einzige Ausnahme unter den vier kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins war Neumünster. Dort war der Stadtverkehr nicht von der Aktion betroffen, denn für die Beschäftigen dort gilt ein gesonderter Tarifvertrag.

Eine Frau steht am ZOB in Lübeck. © NDR Foto: Julian Marxen
In Lübeck fuhren keine Busse - wie in vielen anderen Städten in Schleswig-Holstein.
Auswirkungen in Kiel und Lübeck

Bei der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) blieben am Morgen alle 185 Busse stehen, wie eine Sprecherin sagte. Ein ähnliches Bild gab es in Lübeck. "Die Halle war voll und die Türen waren verschlossen", sagte eine Sprecherin des Stadtverkehrs Lübeck. Alle 200 Busse seien zunächst nicht losgefahren. Auch die Priwallfähre wurde bestreikt und fuhr nur für Fußgänger und Radfahrer.

Gegen 9 Uhr fuhren die Busse in den Städten wieder. Allerdings normalisierte sich der Busverkehr erst im Laufe des Vormittages.

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Ver.di fordert bundesweit einheitliche Regelungen

Bereits im Frühjahr hatte es Warnstreiks im kommunalen Busverkehr gegeben. "Seit März kennen die Arbeitgeber unsere Forderungen, seit Juli warten wir auf eine Antwort", betonte der Fachbereichsleiter von ver.di Nord, Karl-Heinz Pliete, in einer Stellungnahme in der vergangenen Woche. Es geht konkret um den Manteltarifvertrag TV-N: ver.di fordert für bundesweit 87.000 Beschäftigte einheitliche Regelungen in Fragen wie Nachwuchsförderung, Entlastung sowie den Ausgleich von Überstunden und Zulagen für Schichtdienste.

Darüber hinaus solle unter anderem die Ungleichbehandlung in den Bundesländern beendet und zentrale Regelungen wie 30 Urlaubstage oder Sonderzahlungen künftig bundesweit vereinheitlicht werden, so die Gewerkschaft.

VKA spricht von "Anschlag auf die Allgemeinheit"

Am Wochenende hatte sich die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) gegen die Aufnahme von Verhandlungen ausgesprochen. Die VKA verurteilt den Streikaufruf in einer öffentlichen Mitteilung scharf. "Das Verhalten von ver.di ist ein Anschlag auf die Allgemeinheit und die Wirtschaftlichkeit der kommunalen Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs", sagte VKA-Hauptgeschäftsführer Niklas Benrath in der vergangenen Woche. Es sei unverantwortlich, gerade in dieser krisengeplagten Zeit das gesamte Land nunmehr mit einer Streikwelle zu überziehen.

Gewerkschaft will jetzt abwarten

"Ich halte es für nicht hinnehmbar, dass parallel zu den Arbeitskämpfen in Kitaeinrichtungen und Krankenhäusern die Bürgerinnen und Bürger nun auch im Nahverkehr unter den Warnstreiks der Gewerkschaft leiden müssen", erklärte Benrath. "Wir kommen auf Lohnsteigerungen, übers Jahr gesehen, von über 20 Prozent, die gefordert werden", sagte der Geschäftsführer des Stadtverkehrs Lübeck, Andreas Ortz. Das sei aus Arbeitgebersicht nicht hinnehmbar.

Die Gewerkschaft will jetzt abwarten, ob die Arbeitgeber reagieren. Falls nicht, sind die Beschäftigten bereit, erneut zu streiken.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.09.2020 | 06:00 Uhr

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