Dutzende Mülltonnen stehen auf der Reventlouwiese in Kiel. © Picture Alliance Foto: Frank Molter

Kiel: Feiernde hinterlassen Müllberge - Stadt protestiert

Stand: 15.07.2021 18:03 Uhr

Feiernde Kieler lassen ihren Müll in den Grünflächen der Stadt liegen. Die Entsorgungsteams kommen kaum hinterher - und werden häufig angepöbelt.

Glasflaschen, Zigarettenkippen, Pizzaboxen und Tausende Kronkorken: In der Landeshauptstadt lassen feiernde Leute ihren Müll häufig in den Parks und auf den Grünflächen liegen. Vor allem an den Party-Hotspots im Schrevenpark und auf der Reventlouwiese an der Kieler Förde sieht es morgens am Wochenende aus, wie auf einem Schlachtfeld, so der Abfallwirtschaftsbetrieb. 75 Kubikmeter Müll haben Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) in den vergangenen drei Wochen an den beiden Orten extra eingesammelt.

ABK-Mitarbeiter bepöbelt

Trotz zusätzlicher 30 Mülltonnen auf der Reventlouwiese schafft es der ABK nach eigenen Angaben auch mit Sonderschichten am Wochenende kaum, die Berge an Abfall zu bewältigen. Zusätzlich wurden ABK-Mitarbeiter, die nachts unterwegs sind, von Betrunkenen auch noch bepöbelt, berichtet ABK-Chef Christian Schmitt. Das hat Konsequenzen: "Wir werden jetzt um 5 Uhr in den Morgenstunden beginnen, so dass wir die 22 bis 3 Uhr-Nachtschicht nicht mehr durchführen, weil es einfach zu gefährlich ist für die Mitarbeiter", sagt Schmitt.

Mehr als 300 Tonnen als mahnendes Symbol

Mit einer Aktion hat die Stadt Kiel die Kieler jetzt zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Müll aufgefordert. Auf der Reventlouwiese am Förde-Ufer stellte der Abfallwirtschaftsbetrieb der Stadt am Donnerstag einige hundert Mülltonnen als mahnendes Symbol auf. Die 304 aufgestellten 120-Liter-Behälter fassen so viel Müll, wie der Abfallwirtschaftsbetrieb an einem Wochenende an der Reventlouwiese und dem anderen Party-Hotspot Schrevenpark einsammelt. "Der Müll gehört in die Tonne", betonte Ordnungsdezernent Christian Zierau.

Stadt: Müllmenge ist gewachsen

Die Müllmenge in den Abfallbehältern an Straßen und Wegen in Kiel ist der Stadt zufolge so groß wie nie. Wurden 2019 daraus 1.000 Tonnen Müll entsorgt, so waren es 2020 schon 1.600 Tonnen und in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres bereits rund 630 Tonnen. Und: Einiges an Abfall landet nicht im Behälter. Scherben und Unrat bleiben zunehmend auf Grünanlagen und Wegen liegen.

Müllberge unter anderem auch in Lübeck, Flensburg und auf Sylt

In Lübeck hat sich der Drehbrückenplatz zur Partyzone entwickelt - die Abfallcontainer dort reichen offenbar nicht aus, um das Problem zu lösen. Auch die Falkenwiese an der Wakenitz wird immer wieder zugemüllt. Auf Sylt können die Müllwerker ebenfalls ein Lied davon singen: Parties am Brandenburger Strand in Westerland oder am Strand von Kampen - der Müll wird einfach liegen gelassen. Hier ist nun ein Sicherheitsdienst unterwegs. In Flensburg muss man zum Beispiel vor allem an den Wochenenden am Strand von Solitüde aufpassen, um nach ausgeuferten Parties nicht etwa barfuß in Glasscherben oder Kronkorken zu treten. Montagfrüh kommt regelmäßig ein Team des TBZ und reinigt den Strand.

Es gibt auch "Partyplätze" im Binnenland: So lassen Feiernde im Stiftungsland Schäferhaus bei Flensburg immer wieder Glas- und Plastikflaschen, Plastikbecher und Papier einfach liegen oder werfen den Müll in nahe Gewässer.

 

Mehrere orangene Mülltonnen stehen zur Verteilung bereit. © NDR Foto: Janis Röhlig / Dominik Dührsen
AUDIO: Kiel: Müllproblem an Party-Hotspots (1 Min)

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.07.2021 | 15:00 Uhr

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