Stand: 15.04.2019 13:04 Uhr

Kiel: Alte Levensauer Brücke wird für Neubau gesperrt

Bild vergrößern
So soll der Neubau für die Levensauer Hochbrücke aussehen.

Ab Montag ist die Alte Levensauer Hochbrücke für den Straßenverkehr gesperrt. Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt soll die alte Brücke im Zuge der Verbreiterung des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) durch einen modernen Neubau ersetzt werden. Die Levensauer Hochbrücke bei Kiel ist mit 126 Jahren die älteste Brücke am NOK und gilt als Nadelöhr. Im Rahmen der Vorbereitungen für den Ersatzneubau der ersten Levensauer Hochbrücke haben die Arbeiten begonnen. Im nächsten Jahr beginnen dann die Gründungsarbeiten für die neue Brücke.

Kosten von rund 100 Millionen Euro

Weil Teile des Kanals in den nächsten zehn Jahren verbreitert werden, muss die alte Brücke weichen. Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt darf bisher immer nur ein Schiff unter ihr hindurchfahren. Dies führe häufig zu langen Wartezeiten, so das WSA. Die Kosten für den Neubau sollen bei etwa 100 Millionen Euro liegen. Der Abriss der alten Levensauer Hochbrücke wird dann wahrscheinlich frühestens 2023 stattfinden. Spätestens 2024 soll die neue in Betrieb genommen werden.

WSA setzt Busse ein

Während der Bauarbeiten wird die Brücke gesperrt:

  • für den Straßenverkehr von 15. April bis 1. September 2019
  • für Radfahrer und Fußgänger vom 22. April bis 5. Mai 2019
  • für den Bahnverkehr vom 1. Juli bis 10. August 2019 - betroffen sind Züge auf der Strecke Kiel - Eckernförde - Flensburg.

Das WSA setzt deshalb zwischen Suchsdorf und Neuwittenbek kostenlose Busse ein. Der Straßenverkehr wird über die B76 - die zweite Levensauer Hochbrücke, parallel zur Baustelle, umgeleitet.

 

Ein Bauwerk aus 500.000 Nieten

Im Dezember 1894 begann die Geschichte der Levensauer Hochbrücke. Sie war ein Lieblingsprojekt des letzten Deutschen Kaisers, Wilhelm II. Er nannte das Bauwerk "Alte Dame aus Eisen". Er besuchte die Bauarbeiten, legte selbst den Grundstein und nahm das aus 2.800 Tonnen Eisen und 500.000 Nieten bestehende Bauwerk am 3. Dezember 1894 nach nur einem Jahr Bauzeit in Betrieb. Mit der Planung beauftragt war der Architekt Hermann Muthesius, nach dem heute die Kunsthochschule in Kiel benannt ist.

Mit 42 Metern über dem Wasserspiegel war die Brücke gerade hoch genug, um die Kriegsschiffe auf dem Kanal passieren zu lassen. Kennzeichen der Levensauer Hochbrücke waren ihre 70 Meter hohen Türme, die auf beiden Seiten die Brückentore flankierten. Pferdekarren, Fußgänger und Eisenbahn überquerten durch diese Tore die Brücke.

Lkw scheitern an der engen Fahrbahn

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die in die Jahre gekommene Brücke dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewappnet. Lkw scheiterten an der schmalen Fahrbahn, und die Tore verengten den Zugang zur Brücke zusätzlich. Die Türme, die mittlerweile ein Wahrzeichen des Kieler Stadtteils Suchsdorf waren, mussten weg. Das Bundesverkehrsministerium ließ die Brücke 1954 grundlegend modernisieren. Tragfähigkeit, Fahrbahnbelag und -breite wurden ausgebessert. Zu dieser Zeit überquerten täglich 2.500 Fahrzeuge die Brücke, 30 Jahre später waren es schon 18.000. Dem wurde mit dem Bau einer zweiten Brücke, der Schwester der Levensauer Brücke, begegnet.

Auch unter der Brücke ist es eng

Heute ist es auch unter der Brücke eng geworden. Im Schnitt passieren 85 Schiffe pro Tag den Nord-Ostsee-Kanal, und immer größere Schiffe teilen sich die Wasserstraße. Sie können die Levensauer Hochbrücke nur unter ihrem Scheitelpunkt passieren: ein Nadelöhr für den Schiffsverkehr.

Weitere Informationen
2 MB

Ersatzverkehr: Busfahrplan zum Herunterladen

Während der Sperrung der Levensauser Hochbrücke wird für Fußgänger und Radfahrer bis 15. Mai 2019 ein kostenloser Busersatzverkehr zwischen Suchsdorf und Neuwittenbek eingerichtet. Download (2 MB)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.04.2019 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:12
Schleswig-Holstein Magazin
03:31
Schleswig-Holstein Magazin
03:34
Schleswig-Holstein Magazin

Forscherin im Wattenmeer

Schleswig-Holstein Magazin