Stand: 25.03.2019 20:04 Uhr

Keine Erste Hilfe: Polizei ermittelt gegen "Wegfahrer"

von Robert Tschuschke

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Bei dem Unfall in der Nähe von Bilsen kamen zwei Menschen ums Leben.

Ein BMW fährt auf der B4 von Quickborn in Richtung Bilsen (Kreis Pinneberg). Aus bislang ungeklärten Gründen gerät er in den Gegenverkehr, prallt mit einem Auto frontal zusammen und geht dann in Flammen auf. Der andere Wagen landet im Graben. Es ist Freitagnachmittag. Zu dieser Uhrzeit sind generell viele Autofahrer auf der B4 unterwegs. Der tödliche Unfall bremst sie aus. Auf einem Video, das auch der Polizei vorliegt, sind mehrere stehende Autos zu sehen. Plötzlich wenden die Ersten und fahren schließlich vom Unfallort davon. Erst nach ein paar Minuten kommt ein weiteres Auto. Ein Mann steigt aus, geht in Richtung des Autos im Graben und leistet Erste Hilfe. Der Freitagnachmittag endet bei Bilsen mit zwei toten Fahrern und einer lebensgefährlich verletzten Frau.

Privat-Video als Beweismaterial eventuell zulässig

Die Polizei ermittelt nun gegen mehrere "Wegfahrer" und sucht Zeugen. Der Vorwurf: unterlassene Hilfeleistung. Laut einer Sprecherin ist unklar, ob das Video als Beweismittel benutzt werden darf. Ein Lkw-Fahrer hatte den Vorfall aufgezeichnet, ehe er nach eigenen Angaben ausstieg, um Erste Hilfe zu leisten.

"Es hat in der Vergangenheit durchaus Gerichte gegeben, die solche Videos zugelassen haben", sagt Berit Lindenberg von der Polizei in Bad Segeberg. Die Polizei wird ihre Ergebnisse an die Staatsanwaltschaft weitergeben, die dann theoretisch Anklage erheben könnte. Danach würden sich gegebenenfalls Gerichte mit den Fällen beschäftigen.

Psychologe: Mensch stellt sich tot oder läuft weg

Die Polizei führt keine Statistiken über Menschen, die bei Unfällen nicht helfen. "Unmittelbar nach einem Unfall sind wir ja meistens noch gar nicht vor Ort", sagt Sprecherin Lindenberg. Warum Menschen unter Umständen einfach davonfahren, erklärt Rüdiger Born vom Bundesverband Niedergelassener Verkehrspsychologen: "Bei einem Unfall ist der Mensch schockiert, sein Herz schlägt bis zum Hals."

Born vermutet aufgrund der Erkenntnisse über die menschliche Natur, dass der Mensch in einer Unfallsituation instinktiv reagiert: Er stellt sich tot oder läuft weg. "Das läuft automatisch ab. Und es braucht eine Disziplin des Großhirns, das nicht zu machen und stattdessen Hilfe zu leisten", erklärt der Verkehrspsychologe.

Polizei: Mindestens den Rettungsdienst anrufen

Wichtig sei es, dass sich Autofahrer auf eine jederzeit mögliche Unfallsituation vorbereiten, um auf den Erste-Hilfe-Modus automatisch umschalten zu können, so Born. Die Polizei schließt sich dem an: Zumindest der Rettungsdienst sollte angerufen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.03.2019 | 17:00 Uhr

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