Stand: 29.11.2019 07:40 Uhr

Kein AKW-Bauschutt auf Lübecker Mülldeponie

Die drei Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein sollen zurückgebaut werden. Dabei ist aber immer noch nicht die Frage geklärt, wohin der Bauschutt aus den Kraftwerken soll. Laut Landesregierung kommen vier Deponien für eine Lagerung in Frage - darunter ist auch die Lübecker Mülldeponie Niemark. Die Bürgerschaft der Hansestadt hat am Donnerstagabend nun mit großer Mehrheit entschieden, dass der Bauschutt dort nicht gelagert werden soll.

Strahlendosis unter zehn Mikrosievert pro Jahr

Schon im Vorfeld hatten sich viele Politiker der Lübecker Bürgerschaft gegen die Lagerung des Bauschutts ausgesprochen. Viele Kritiker zweifeln die Aussagen des Landes an, dass die Deponie Niemark überhaupt dafür geeignet ist. Sie befürchten, dass der freigemessene Bauschutt doch schwach radioaktiv ist. Die Landesregierung versichert dagegen, dass von dem Bauschutt keine nennenswerte Strahlung ausgeht.

Gesetzlicher Maßstab ist dabei das Dosiskriterium für die Freigabe, wonach für Einzelpersonen der Bevölkerung durch die freizugebenden Stoffe und Gegenstände nur eine effektive Dosis im Bereich von zehn Mikrosievert im Kalenderjahr auftreten darf.

Große Mehrheit sagt "Nein"

Der Lübecker CDU-Fraktionschef Oliver Prieur sagte NDR Schleswig-Holstein, dass er es nicht für sinnvoll halte, den Bauschutt aus alten Atomkraftwerken quer durchs ganze Land zu transportieren. Am Abend entschieden sich dann auch die beiden Fraktionen von CDU und SPD sowie die Fraktionen der Linken und der Unabhängigen gegen diese Möglichkeit.

Drei weitere geeignete Deponien

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sucht nun weiter nach einer geeigneten Mülldeponie. Laut Ministerium sind auch die Standorte Wiershop bei Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg), Johannistal nördlich von Oldenburg in Holstein (Kreis Ostholstein) und Harrislee bei Flensburg (Kreis Schleswig-Flensburg) grundsätzlich für die Lagerung geeignet.

Insgesamt hatten Experten sieben Deponien in Schleswig-Holstein untersucht. Grundsätzlich seien alle für die Abfälle geeignet. Doch die Deponien Schönwohld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) sowie Damsdorf/Tensfeld und Großenaspe (beide Kreis Segeberg) seien bald voll. Sie könnten perspektivisch die erwarteten Abfallmengen nicht aufnehmen, so das Energiewendeministerium. Offen ist, ob der freigegebene AKW-Schrott künftig auf mehrere der geeigneten Deponien verteilt wird oder ob er auf einer Deponie landet.

Viel leicht kontaminiertes Material fällt an

Nach Brunsbüttel und Krümmel geht Ende 2021 mit dem Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) das letzte aktive AKW Schleswig-Holsteins vom Netz. Bei dem Rückbau der Kraftwerke fällt viel leicht kontaminiertes Material an, zum Beispiel Mineralwolle, Isolierungen und Bauschutt. Auch Alltagsgegenstände wie Wasserhähne, Lichtschalter und Handtuchhalter müssen fachgerecht entsorgt werden. Insgesamt geht es um bis zu 50.000 Tonnen Material, das über einen Zeitraum von voraussichtlich mehr als zehn Jahren zu entsorgen ist.

Weil die äußere Bausubstanz auch Strahlung aufnimmt, lässt sich darin Restradioaktivität nachweisen. Die Aktivität dieser Abfälle wird laut Umweltministerium von unabhängigen Sachverständigen gemessen. Überschreitet sie den Grenzwert nicht, spricht man von sogenannten freigegebenen oder freigemessenen Abfällen - aber auch dann muss der Schutt sorgfältig deponiert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.11.2019 | 08:00 Uhr

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