Karl-May-Spiele: Premiere trotz Problemen

Stand: 27.06.2022 15:53 Uhr

Zwei Jahre haben die Fans auf Winnetou bei den Karl-May-Spielen gewartet. Am Sonnabend war Premiere mit "Der Ölprinz". Hauptdarsteller Alexander Klaws musste sich kurzfristig krank melden. Für ihn sprang Sascha Hödl ein.

von Helge Albrecht

Immer wieder sah es so aus, als könnte die Premiere am Kalkberg nicht wie geplant stattfinden. Ursprünglich sollte "Der Ölprinz" 2020 aufgeführt werden. Durch die Pandemie musste die Produktion gleich zweimal verschoben werden. Auch dieses Mal wackelte die Planung - bis zum Schluss: Wegen Corona musste die Hauptrolle neu besetzt werden. Und dann kam kurz vor Beginn der Premiere im Kalkberg-Theater ein heftiger Regenschauer herunter - die Erstaufführung fiel aber nicht ins Wasser, knapp.

Störung vor Premiere: Ein zweiter Ölprinz

Winnetou alias Sascha Hödl reitet auf der Bühne © NDR.de Foto: Doreen Pelz
Winnetou alias Sascha Hödl auf Ehrenrunde

Noch bevor Cowboys und Indianer durch die Kalkbergarena im Wild-West-Stil ritten, stand Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf der Bühne - mit einem Gewehr. Er sollte für die Karl-May-Saison den Startschuss abfeuern. Doch während das Publikum gespannt auf den Schuss wartete, brüllte ein Mann unverstärkt durch die Ränge. Mit Weste, Hemd und Hut sah er einem Karl-May-Darsteller ähnlich, er stellte sich auch noch als "Ölprinz" vor.

Günther: "Ich will jetzt endlich schießen"

Die Menschen im Publikum blickten irritiert zwischen Bühne und Rang hin und her. "Ich will jetzt endlich schießen", unterbrach Günther den vermeintlichen Schauspieler, das Publikum lachte. Und der Politiker ergänzte: "Das gehört nicht dazu, das sind irgendwelche Klimaaktivisten, die meinen, uns hier den Spaß verderben zu müssen." Applaus aus dem Publikum, der Mann wurde von Ordnern aus der Arena begleitet und Günther feuerte das Gewehr ab.

Cast von "Der Ölprinz" beim Schlussapplaus © NDR.de Foto: Doreen Pelz
AUDIO: Karl May Spiele: So war die "Ölprinz"-Premiere mit Karrenbauer, Hehn und Hödl (3 Min)

Betrug, Verrat und Versöhnung

So ging es auch am Anfang des Stücks direkt weiter - mit Rakete, Knall und Feuer. Sofort entstand ein Kampf auf der Bühne. Die Story: Ein skrupelloser Geschäftsmann, der Ölprinz genannt wird, will das große Geld machen und mit seinem Stiefbruder einen Bankier in eine Falle locken. Doch ihnen kommen der Apachenhäuptling Winnetou, sein Blutsbruder Old Shatterhand und Fallensteller Sam Hawkens in die Quere. Winnetou und Old Shatterhand müssen jedoch nebenher auch noch bei zwei verfeindeten Apachenstämmen für Frieden sorgen.

Nur sechs Tage Probe für neuen Winnetou

Der Winnetou, der zur Premiere durch die Arena ritt, sollte eigentlich von Klaws gespielt werden. Durch eine Corona-Erkrankung konnte dieser jedoch nicht rechtzeitig zurück auf die Karl-May-Bühne. Sein Kollege Hödl musste einspringen. Er war für zwei andere Rollen vorgesehen, hatte dadurch nur sechs Tage Zeit zu proben - statt fünf Wochen.

Dass der geplante Winnetou-Darsteller nicht bei der Premiere dabei ist, das habe es noch nie gegeben, erzählte der Pressesprecher der Karl-May-Spiele, Michael Stamp. Nur einmal sei Winnetou überhaupt ersetzt worden - 1966. Der damalige Winnetou-Darsteller habe sich ein Bein gebrochen und die letzte Aufführung nicht spielen können, so Stamp.

Treue Fans warteten zwei Jahre

Abendstimmung über dem Kalkberg © NDR.de Foto: Doreen Pelz
Abendstimmung über dem Kalkberg

Auch mit Ersatz-Hauptdarsteller waren Publikum und Darstellende froh, dass es diesmal endlich wieder klappte. Die Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft, Ute Thienel, erzählte von vielen treuen Fans, die ihre Tickets schon für 2020 gekauft, diese aber nicht zurückgegeben hätten. Auch Thomas Sperveslage ist so jemand. "Wir haben unsere Tickets behalten, wir wollten hier unbedingt wieder her", sagt er. Er komme jedes Jahr mit einer großen Truppe aus Niedersachsen angereist. "Die Kulisse spricht für sich. Wir sind froh, dass wir hier sein dürfen", sagte er vor der Premiere.

Winnetou-Ersatz begeistert das Publikum

Die veränderte Hauptrolle störte das Publikum nicht - im Gegenteil: Bei vielen ist Hödl nicht der Ersatz, sondern ihr Haupt-Winnetou für den Abend. Dass der eine Zweitbesetzung ist, merkt man gar nicht. Hohen Respekt an ihn! Das alles in so kurzer Zeit zu lernen, wirklich top!“, sagte ein Karl-May-Fan. Eine andere Zuschauerin freut sich: "Er ist super, er hat’s verdient, so eine Chance zu kriegen. Das macht Spaß, ihm zuzugucken, total professionell."

Gänsehaut und Freudentränen bei Sascha Hödl

Winnetou-Darsteller Hödl selbst sprach von Gänsehaut und Freudentränen, als er über seinen Premieren-Auftritt berichtete. Der sei einfach wunderschön, unbeschreiblich gewesen. "Es ist eine große Chance", sagte er zu seiner neuen Rolle. "Es ist aber vor allem wichtig, dass wir gespielt haben, weil das Publikum so lange darauf gewartet hat." Mit der Situation sei niemand glücklich gewesen. "Aber es ist gut, dass wir jetzt die Premiere gespielt haben."

Vom Apachenhäuptling zum Ölfeldbesitzer und Nijorakrieger

Vermutlich eine Woche wird Hödl noch der Winnetou in Bad Segeberg bleiben, dann wird Klaws wie vorgesehen den Apachenhäuptling spielen. Hödl zeigte sich allerdings nicht enttäuscht, dass er dann seine ursprünglichen Rollen spielen wird: "Ich hab zwei wunderbare Rollen und auf die hab ich mich vorbereitet, darauf hab ich mich gefreut und da werde ich nächste Woche, dann ordentlich Gas geben." Einen Ölfeldbesitzer und einen Nijorakieger wird er dann noch bis zum 4. September in Bad Segeberg spielen. Solange wird "Der Ölprinz" in der Kalkberg-Arena aufgeführt.

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Karl-May-Spiele: Premiere trotz Problemen

Nach zwei Jahren Pause bei den Karl-May-Spielen gab es nun die Premiere mit "Der Ölprinz". Die lief anders als geplant. Sascha Hödl spielte Winnetou.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Kalkberg
Karl-May-Platz
23795  Bad Segeberg
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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.06.2022 | 06:20 Uhr

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