Die leere Kalkbergarena in Bad Segegberg.  Foto: Hannah Bird

Karl-May-Spiele: 2021 wird es nichts, Hoffnung auf 2022

Stand: 11.04.2021 05:00 Uhr

Die Entscheidung ist den Verantwortlichen nicht leicht gefallen. Doch nun ist klar: Das Stück "Der Ölprinz" feiert erst 2022 Premiere.

Von Hannah Bird

Ute Thienel steht auf der Bühne mitten in der Kalkbergarena und blickt auf die leeren Zuschauerränge. In knapp drei Monaten hätte hier die Premiere des Stücks "Der Ölprinz" stattgefunden. Mehr als 7.500 Besucher hätten pro Vorstellung hier auf den Rängen Platz genommen. Doch auch in diesem Jahr musste die Geschäftsführerin der Karl-May-Spiele wegen der Corona-Pandemie die Veranstaltung verschieben, wie schon 2020.

"Können das Risiko nicht eingehen"

Eine Entscheidung, die ihr nicht leicht gefallen ist. "Wir sind alle unsagbar traurig darüber", sagt Thienel. "Wir können aber leider dieses Risiko nicht eingehen, das ist einfach zu groß für die Karl-May-Spiele. Die dynamische Entwicklung der Pandemie lässt so viele Fragen offen, die keiner beantworten kann." Dazu zählt zum Beispiel, wie viele Besucher in die Kalkbergarena dürfen.

Fünf Millionen Produktionskosten

Thienel erklärt: "Wenn wir die Produktion anschmeissen, dann müssen wir das spätestens Anfang nächster Woche machen. Dann nehmen wir über fünf Millionen Euro Produktionskosten in die Hand. Dann müssen wir auch spielen dürfen." Denn es seien 200.000 Besucher notwendig, um diese Kosten zu decken. "Das sind 3.700 Zuschauer pro Show. Das halten wir für sehr unrealistisch."

Wegen der Verschiebung der Karl-May-Spiele entsteht bei der Kalkberg GmbH in diesem Jahr ein Verlust von 1,7 Millionen Euro. Durch Rücklagen können die Verantwortlichen die Verluste auffangen. Schmerzlich sei es trotzdem, sagt Ute Thienel.

Training der Pferde geht weiter

Die 1,7 Millionen Euro sind Fixkosten. Denn so ein großes Theater muss unterhalten werden, unter anderem die 20 eigenen Pferde. Die stehen auf einem Reiterhof in Groß Rönnau (Kreis Segeberg). Und während in der Kalkbergarena Stillstand herrscht, geht der Alltag auf dem Reiterhof weiter. Der Hufschmied kommt regelmäßig, verpasst an diesem Tag Winnetous Pferd Iltschi neue Hufeisen. Ungefähr alle acht Wochen muss das gemacht werden. Außerdem müssen die Pferde regelmäßig trainiert werden. "Es ist ganz wichtig, die Muskulatur zu erhalten, weil die ja am Kalkberg viel rauf und runter müssen. Und jeder Sportler weiß, wenn die Muskulatur erstmal weg ist, dauert das ewig bis die wieder drauf ist", erklärt Reitstallchefin Sylvia Kassel. Neben Dressur- und Springtraining, geht es auch mal ins Gelände. Außerdem machen die Trainerinnen mit den Pferden Schieß- und Gelassenheitsübungen. Eine Sache kann allerdings nicht trainiert werden: das Reiten innerhalb der Zuschauerreihen. Kassel zeigt auf ein Pferd und sagt: "Der Schimmel hier ist neu. Der hat einmal Publikum gesehen und dann nicht wieder."

Ersatzprogramm geplant

Statt der Karl-May-Spiele soll es in der Kalkbergarena im Sommer ein Ersatzprogramm geben. Mit kleineren Veranstaltungen will die Geschäftsführung den finanziellen Verlust zumindest ein bisschen kompensieren. Stattfinden könnte das Programm im Eingangsbereich, im Westerndorf. "Da würden wir mit Abständen 250 Leute reinbekommen. Wir bauen gerade eine kleine Bühne. Da würden dann Schauspiel, Musik, Lesungen stattfinden. Wir versuchen, viele unserer Karl-May-Schauspieler dort mit zu präsentieren", so Thienel. Mit den Schauspielern steht sie in engem Kontakt. "Ich bin auch traurig, dass die Schauspieler noch ein Jahr überstehen müssen, wo sie schon ein schweres hinter sich haben", sagt sie.

Optimistischer Blick in das kommende Jahr

Für das Jahr 2022 zeigt sich Ute Thienel optimistisch: "Bis Ende des Jahres sind wir alle durchgeimpft. Und vielleicht brauchen wir noch einen dritten Pieks im Frühjahr, aber dann können wir den Ölprinz auf die Bühne bringen und sicher auch alle wieder dicht zusammensitzen und das Stück feiern."

Über eine Sache freut sie sich besonders: Die Hauptdarsteller, Alexander Klaws als Winnetou, Sascha Hehn als Ölprinz und Kati Karrenbauer als Rosalie Ebersbach, haben für das nächste Jahr schon zugesagt.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.04.2021 | 19:30 Uhr

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