Stand: 11.10.2018 18:15 Uhr

Kann ein Elektrozaun Schafe vor Wölfen schützen?

Immer wieder haben die Schäfer im Kreis Nordfriesland in den vergangenen Monaten gerissene Schafe beklagt - 43 potenzielle Wolfsrisse seit Anfang Mai. Allein auf der Halbinsel Eiderstedt ist laut Landwirtschaftsministerium in 24 Fällen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen worden. In Oldenswort wurde deswegen am Donnerstag zu Testzwecken ein sogenannter mobiler elektrischer Wolfsschutzzaun aufgestellt. Auch Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) war dabei.

Wolf

Immer mehr Wolfsrisse in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein Magazin -

Bis Ende August konnten in Schleswig-Holstein 59 Wolfsrisse nachgewiesen werden - die meisten davon auf Eiderstedt. Die Nutztiere sollen künftig mit einem Zaun geschützt werden.

4,83 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Bisher 80 Hektar Weideland eingezäunt

Eine etwa sechs Hektar große Fläche wurde eingezäunt. Ob das mit dem mobilen Zaunkonzept funktioniert - "das ist genau das, was wir hier beobachten wollen", sagt Albrecht. Bisher wurden auf Eiderstedt 80 Hektar Weidefläche eingezäunt. Die Zäune führen Strom. Lampen mit Lichtsensor beginnen in der Dunkelheit zu blinken.

Schäfer sind unzufrieden

Den Schäfern, die zu dem Ministerbesuch nach Oldenswort kamen, ist diese Maßnahme nicht genug, Albrecht weiß das auch. Aber aufgrund des EU-Rechts könne ein Wolf nicht einfach so getötet werden, erklärt er. Doch vor allem auf Eiderstedt laufen Schafe traditionell häufig frei auf der Weide. Sie sind damit leichte Beute für die Wölfe - sagen die Schäfer.

"Warum ist ein Wolf mehr wert?"

Henning Hinz aus Hillgroven spricht aus, was viele seiner Kollegen denken: "Wir können so nicht mit dem Wolf leben. Ich sehe auch nicht, warum ein Wolf mehr wert ist wie mein Schaf. Das können wir alle nicht verstehen."

Die Fronten sind momentan verhärtet: Zum einen durch das derzeit geltende Artenschutzprogramm, das den Wolf schützt. Andererseits gibt es wütende Schäfer, die um ihre Existenz bangen.

Experten: Zaun ist wirksames Instrument

Auf Eiderstedt und auch im Kreis Pinneberg haben sich inzwischen auch Bürgerinitiativen gegründet, die auf Schutz gegen die Raubtiere bestehen. Manche Schafhalter forderten sogar, Wölfe, die Schafe reißen, notfalls abzuschießen. Doch das ist verboten. Und Wolfsexperten halten diese Maßnahme sowieso für sinnlos. Binnen kürzester Zeit würden neue Tiere zuwandern, sagt der Wolfsgutachter des Landes Schleswig-Holstein, Jens Matzen. Nach Meinung der Experten ist ein wirksames Instrument der elektrische Wolfschutzzaun. Ein elektrischer Schlag würde dem Wolf signalisieren: Schafe tun weh.

 

Weitere Informationen

Dem Wolf gefällt's im Norden

Die Zahl der Wolfsnachweise im Land steigt seit 2007 an. Das zeigen Zahlen des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. 15 Nachweise gab es dieses Jahr alleine im August. mehr

Bürgerinitiative will wolfsfreies Eiderstedt

Schutzzäune reichen offenbar nicht: In Tetenbüll wollen Landwirte jetzt mit einer Bürgerinitiative erreichen, dass die Halbinsel Eiderstedt frei von Wölfen wird. (14.09.2018) mehr

Mit Zäunen und Lichtsignalen gegen den Wolf

Auf der Halbinsel Eiderstedt sind seit Juni 32 Schafe gerissen worden. Die Züchter sind erbost. Um die Herden künftig besser vor Wölfen zu schützen, plant das Umweltministerium ein Pilotprojekt. (13.07.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.10.2018 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:02
Schleswig-Holstein Magazin

AKW-Rückbau: Anwohner diskutieren mit Betreiber

11.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
01:11
Schleswig-Holstein Magazin

Stadtgalerie Kiel zeigt Highlights ihrer Sammlung

11.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
01:50
Schleswig-Holstein Magazin

Prozess um Schüsse auf der A215 hat begonnen

11.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin