Brunsbüttel: Blick auf die Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal.  Foto: Carsten Rehder/dpa

Kanalschleuse in Brunsbüttel: Kritik an Kostenexplosion

Stand: 30.09.2020 16:17 Uhr

45 Prozent mehr Kosten: Maritime Wirtschaft und Lotsen haben die erneute Kostenexplosion bei der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) kritisiert.

Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes kostet die neue Schleuse am westlichen Ende des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) nun 1,2 Milliarden Euro - statt der noch vor drei Monaten veranschlagten 830 Millionen Euro. Eine Sprecherin der Wasserstraßen- und Schifffahrtsdirektion sagte, der Grund für die erneute Kostensteigerung sei ein langanhaltender Rechststreit zwischen ihrer Behörde und der Baufirma. Dabei ging es unter anderem um das schwierige Baufeld auf der Schleuseninsel sowie die Probleme mit der Munitionsräumung. Der Streit sei mit der Zahlung von weiteren 370 Millionen Euro an die Baufirma beigelegt worden.

Nautischer Verein: Günstigster Anbieter war ein Fehler

Der Nautische Verein Brunsbüttel kritisierte das Vergabeverfahren für den Bau der neuen Schleuse. Es sei ein Fehler gewesen, dass der Bund vor zwölf Jahren den günstigsten Anbieter genommen habe. Mit erheblichen Nachforderungen habe man rechnen müssen.

Ein Sprecher der Lotsenbrüderschaft sagte, er habe Zweifel, ob die fünfte Kammer - wie von den Bundesbehörden angekündigt - Ende 2026 fertig werde. Ursprünglich war die Freigabe der Kammer für diesen Herbst geplant.

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Brunsbüttel: Blick auf die Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal.  Foto: Carsten Rehder/dpa

Neue Schleusenkammer in Brunsbüttel nicht vor 2026 fertig

Der Bau der fünften Schleusenkammer am NOK in Brunsbüttel verzögert sich weiter. Die zuständige Behörde erwartet, dass der Bau frühestens 2026 fertig ist - sechs Jahre später als geplant. mehr

Kanal ist für viele Reeder offenbar unkalkulierbar

Die Kostenexplosion an der Schleuse ist die nächste Negativnachricht für alle Beschäftigten, die mit dem NOK zu tun haben. Der 125 Jahre alte Kanal gilt eigentlich als eine der Hauptverkehrsadern für Schiffe im Norden Europas. Für viele Reedereien ist er aber offenbar unkalkulierbar geworden.

Das Bauwerk musste in der Vergangenheit immer wieder gesperrt werden, weil es zum Beispiel Probleme bei den Schleusen gab oder die Computer der Verkehrszentrale in Brunsbüttel ausfielen. Schiffe nahmen zuletzt zunehmend den Umweg über das Skagerrak in Kauf, fallende Ölpreise bestärkten die Reedereien noch dabei.

NOK ist auch für den Hamburger Hafen wichtig

Damit Schiffe in den kommenden Jahren weiterhin die Abkürzung zwischen Nord- und Ostsee nutzen, investiert der Bund massiv in die künstliche Wasserstraße. Neben Schleswig-Holstein ist der NOK vor allem für Hamburg wichtig, denn: Sollte für die Reedereien die Kanalpassage nicht mehr erste Wahl sein, lohnt sich für ihre Schiffe auch der lange Weg - um Dänemark herum und dann noch die Elbe hinein - bis zum Hamburger Hafen nicht mehr. Und das fiele ins Gewicht: Jeder dritte Container, der dort umgeschlagen wird, passiert zurzeit den NOK.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.09.2020 | 14:00 Uhr

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