Stand: 20.03.2019 11:18 Uhr

"Jugend forscht": Schlei in der Garage nachgebaut

Die Brüder Nils und Torge Richter erleben als echte Wasserratten seit Jahren die zunehmende Verschmutzung und Verschlickung der Schlei hautnah. Das hat sie zu einem Biologie-Projekt inspiriert, mit dem sie zeigen, wie die Schlei durch Belüftung gerettet werden könnte. Jetzt stehen sie mit ihrem Projekt im Finale des Landeswettbewerbs von "Jugend forscht".

von Frank Hajasch

Schön ist es am Ufer der Schlei. Die Wellen rollen an den Strand. Das Schilf in der Bucht wiegt sich und aus der Höhe grüßen Möwen. Nils und Torge Richter schauen sehnsüchtig aufs Wasser. Bis zum Start der Segelsaison müssen sie noch warten. Aber hier, unterhalb von Schaalby im Kreis Schleswig-Flensburg, begann ihre Geschichte als Forscher. "Wir fahren mit unserem Boot immer bis zur Kleinen Breite. Da ist inzwischen so viel Faulschlamm drin, dass die Schlei ganz trübe ist."

Mit Sauerstoff gegen die Verschmutzung der Schlei

"Konnten im Sommer nicht mehr baden gehen"

Die Brüder sind echte Wasserratten. Klar finden der 12 Jahre alte Torge und der 15-jährige Nils auch Fußball cool: "SG Schleswig forever!" Aber das mit dem Wasser hat sie gefuchst. Schließlich wohnen sie hier. Durch ihr Wohngebiet fließt die Füsinger Au, ein Schlei-Zufluss. Er transportiert von den umliegenden Feldern mal mehr, mal weniger Nitrate und Nährstoffe ins Wasser der Schlei.

"Wir konnten im Sommer nicht mal in der Schlei baden gehen", sagt Torge. "Das Luisenbad in Schleswig war wegen Blaualgen gesperrt." Dazu tauchten immer wieder tote Fische auf, und der kleingeschredderte Plastikmüll in der Schlei war auch ein Thema. So ging es aus Sicht der Jungs nicht weiter, es musste sich was tun.

Mit Wasserproben und Aquarium in den Wettbewerb

Dann kam der "Jugend forscht"-Wettbewerb. Eins kam zum Anderen: Nils und Torge wollten unbedingt mitmachen und konnten so auch noch etwas für den Schutz ihrer Schlei tun. Also haben sie sich mit einem Biologie-Projekt beworben.

"Wir sind dann gleich raus und haben in der Kleinen Breite Wasserproben genommen. Unser Papa hat uns eine Pumpe aufs Boot gebaut. So konnten wir in verschiedenen Tiefen Wasserproben nehmen", sagt Nils.

Schon in den mitgebrachten Probeflaschen konnten die Jungs deutlich den Unterschied sehen: Je tiefer sie kamen, desto mehr Faulschlamm war im Wasser. "Das heißt, dass die Mikroorganismen unten kaum noch arbeiten, weil ihnen der Sauerstoff fehlt. In unserem Versuch werden sie aber gut beatmet", sagt Torge.

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Die Schlei in der Garage nachgebaut

Mit mehreren Flaschen Schleiwasser sind sie nach Hause. Ihrem Vater Kai Richter war eingefallen, dass in der Garage ein altes Aquarium stand. In dieses haben die beiden jungen Forscher dann die Schlei nachgebaut. "Da ist echter Sandboden aus der Schlei drin, auch ein paar Pflanzen", erklärt Nils. "Wir haben dann eine Aquarium-Pumpe angeschlossen und Schläuche ins Wasser gelegt. So wurde unsere kleine Schlei belüftet."

Und die Belüftung funktioniert: Torge schöpft Wasser aus dem Aquarium und füllt es in ein Fläschchen. Nils hält etwas Indikatorlösung in der Hand - sie zeigt an, wie viel Sauerstoff im Wasser ist. Diese tropft er in die Probe. Das Wasser der Schlei verfärbt sich tieforange. Besser geht's nicht. Die Jungs grinsen. "Der Wert liegt bei 10 Milligramm pro Liter. Das ist sehr gut", sagt Torge. Denn durch den Sauerstoff erwachen die Mikroorganismen wieder zum Leben. Sie vernichten den trüben Faulschlamm.

Partner für die praktische Umsetzung gesucht

Ob die beiden Donnerstag mit ihrem Projekt im Landesfinale von "Jugend forscht" abräumen, wird sich zeigen. Dass aber die Rettung der Schlei gelingen kann, steht für sie fest. "Wir müssen jetzt nur noch jemanden finden, der solche Luftschläuche großflächig auslegt und anschließt", sagt Nils. Und sie haben auch schon eine Idee: Die Stadtwerke Schleswig seien dafür der ideale Partner, sagen sie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 20.03.2019 | 20:05 Uhr

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