Stand: 19.06.2019 16:23 Uhr

JVA Lübeck: Geiselnehmer bekam Messer für Kuchen

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Justizministerin Sütterlin-Waack berichtete im Landtagsausschuss, wie der Geiselnehmer an die Tatwaffe kam.

Nachdem am Dienstag die Polizei Details der Geiselnahme in der JVA in Lübeck bekanntgegeben hatte, war der Vorfall am Mittwoch Thema im Innen- und Rechtsausschuss des Landtages. Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) berichtete dort, wie der Geiselnehmer an die Tatwaffe kam - einem Küchenmesser mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge. Der Mann habe das Messer bekommen, weil er den Geburtstagskuchen eines Mitgefangenen anschneiden wollte, sagte die Ministerin und fügte an: "Schon in der Vergangenheit wurden dem Gefangenen in der Sozialtherapie Messer ausgehändigt, ohne dass es zu Auffälligkeiten kam."

Geisel mit dem Messer bedroht

Der zu sechs Jahren und zehn Monaten verurteilte Sexualstraftäter hatte am Montag eine JVA-Psychologin als Geisel genommen und mit dem Messer bedroht. Die Polizei konnte den Mann nach mehreren Stunden überwältigen und die Geisel unversehrt befreien. Der Gefangene lebte zuletzt in der psychosozialen Station der JVA Lübeck. Im sogenannten Haus C sind 39 Insassen mit einer positiven Prognose in drei Wohneinheiten untergebracht. Diese können sich im Gebäude tagsüber frei bewegen.

Gefangener ist in einer Kochausbildung

Weniger als eine halbe Stunde nach der Ausgabe des Messers war es laut Justizministerium zu der Geiselnahme gekommen. Die Nutzung der Messer werde nicht überwacht, aber dokumentiert, sagte Sütterlin-Waack. Der Gefangene sei in einer Kochausbildung gewesen. Über Nacht dürften Gefangene die Messer nicht behalten. In den Hafträumen hätten sie lediglich stumpfe Streichmesser. "Grundsätzlich geht es darum, dass man die Alltagskompetenz stärkt."

Warum der Insasse sich ausgerechnet die Psychologin als Geisel ausgesucht habe, wisse man noch nicht, so die Ministerin weiter. Die Frau ist noch nicht wieder dienstfähig. Der Mann wurde in eine andere Haftanstalt verlegt. Der Fall wird nun weiter untersucht. Sollten sich dabei weitere Schwachstellen herausstellen, werde man reagieren, meinte die CDU-Politikerin.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.06.2019 | 17:00 Uhr

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