Stand: 15.11.2019 14:47 Uhr

JU-Landeschefin: "So kann es nicht weitergehen"

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Ist unzufrieden mit dem Auftritt der CDU in Schleswig-Holstein: die Landesvorsitzende der Jungen Union, Birte Glißmann.

Die Junge Union in Schleswig-Holstein macht Druck auf die Mutterpartei. Sie vermisst ein inhaltliches Profil. Im Sommer hatte die Jugendorganisation daher einen Generalsekretär gefordert, der sich auch mal von der Jamaika-Koalition abgrenzt. Im Interview mit NDR Schleswig-Holstein erklärt JU-Chefin Birte Glißmann vor dem CDU-Landesparteitag am Sonnabend in Neumünster, warum sie diese Forderung zunächst zurückstellt und welche Veränderungen sie sich für die Nord-CDU wünscht.

Frau Glißmann, die Junge Union hatte im August mit der Forderung überrascht, die CDU Schleswig-Holstein solle das Amt des Generalsekretärs wieder einführen. Dieser könne sich besser von der Jamaika-Koalition abgrenzen und für Profil sorgen. Seitdem hat man aber nichts mehr davon gehört. Halten Sie an dieser Forderung fest?

Birte Glißmann: Wir halten an dem Vorschlag noch fest. Das ist nach wie vor unsere Beschlusslage und wir halten es auch für einen richtigen Schritt. Allerdings ist uns wichtiger, was hinter dem Vorschlag steckt. Wir haben jetzt den Ausgang der Wahlen gehabt, insbesondere die Europawahl. Nach der haben wir gesagt: So kann es nicht weitergehen. Wir müssen uns auch als Partei verändern: Das heißt, wir müssen uns verjüngen. Wir müssen moderner werden, wir müssen anders auftreten und wir müssen auch gucken, dass wir uns inhaltlich wieder besser profilieren - sei es in der Landesregierung, aber auch drüber hinaus.

Das sind viele Aufgaben.

Aus unserer Sicht kann ein Generalsekretär die gut übernehmen. Aber wir haben auch Gespräche mit Daniel Günther geführt. Er zieht mit uns am selben Strang, sagt allerdings, dass er die Einführung eines Generalsekretärs nicht unterstützt. Und nun gucken wir, das wir vorerst andere Wege finden, die uns zur Lösung führen. Dann schauen wir, ob das reicht. Wenn nicht, dann sagen wir ganz klar, den Generalsekretär brauchen wir trotzdem.

Sie ziehen diesen Antrag also erst mal zurück?

Glißmann: Genau.

Welche Zusage hat ihn denn Daniel Günther dafür gemacht?

Einige Parteimitglieder bei einem Landesparteitag vor einem großen CDU-Logo. (Archiv) © picture alliance / dpa Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

JU-Landeschefin Glißmann: CDU braucht mehr Profil

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Vor dem CDU-Landesparteitag kritisiert die Vorsitzende der Jungen Union in Schleswig-Holstein, Birte Glißmann, die Mutterpartei. Sie verlangt mehr inhaltliches Profil und Modernität.

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Glißmann: (lacht) So kann man das nicht sagen. Wir hatten ein sehr konstruktives Gespräch, in dem wir über unsere Herausforderung gesprochen haben. Da ging es beispielsweise um den Social-Media-Auftritt der CDU und wie wir insgesamt im Internet auftreten. So haben wir uns jetzt beispielsweise darauf geeinigt, dass die Junge Union den Social-Media-Auftritt beim Landesparteitag im Wesentlichen bestimmt und durchführen wird. Das ist für uns schon sehr sehr wichtig. Dann geht es eben auch um die inhaltliche Profilierung: Wie besetzen wir eigentlich Themen? Da ist der Landesparteitag auch eine gute Möglichkeit, damit anzufangen. Es gibt so viele Themen, die uns auf den Nägeln brennen. Da müssen wir als Landespartei wieder vorne dabei sein und von vornherein ganz klar sagen. Das sind unsere Themen und die wollen wir mit Erfolg am Ende besetzen.

Da ist der Ministerpräsident, der ja CDU-Vorsitzender ist, in einer schwierigen Situation, weil er natürlich zwei Koalitionspartner dabei hat. Die drei Partner wollen ja natürlich möglichst an einem Strang ziehen - das heißt, einen Kompromiss finden. Wie kann das gelingen, dass man sich auf der einen Seite profiliert, ohne die anderen vor den Kopf zu stoßen?

Glißmann: Das ist ja auch das Erfolgsmodell von Jamaika irgendwo, dass man sich gegenseitig auch Zugeständnisse macht und Erfolge gönnt. Aber wir müssen eben gucken, dass wir unsere Erfolge auch stärker als unsere Erfolge verkaufen, beispielsweise die Rückkehr zu G9, dem Abitur nach neun Jahren am Gymnasium. Das ist natürlich ein großer Erfolg von Jamaika und gerade auch von der CDU. Aber so muss es noch viele weitere Erfolge geben. Wenn wir beispielsweise jetzt auf dem Landesparteitag die 100-prozentige Netzabdeckung beschließen, dann müssen wir sagen, das muss CDU-Projekt sein und das muss am Ende auch durch die CDU erfolgreich umgesetzt werden.

Das Interview führte Stefan Böhnke, NDR Schleswig-Holstein

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.11.2019 | 18:00 Uhr

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