Stand: 18.03.2020 13:30 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

"Seid vorsichtig" - Interview mit einem Corona-Infizierten

Drastische Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt wird. Für einige kommt das zu spät. Sie haben sich bereits angesteckt. Kevin Dolan (50 Jahre) war Anfang März mit sieben Freunden in Ischgl - heute ein Hochrisikogebiet. Vier von ihnen haben sich nach eigenen Angaben angesteckt. Im Interview mit NDR Schleswig-Holstein spricht er über seine Situation.

Herr Dolan, wie geht es Ihnen?

Kevin Dolan: Ich habe komplett alle Symptome: Husten, Fieber, Kopfweh, Gliederschmerzen. Das Fieber schwankt sehr stark - ist mal bei 39,5°C, am nächsten Morgen wieder bei 36,5°. Und ich bin sehr kurzatmig und kann eigentlich nichts machen.

Sie waren in dem Corona-"Hotspot" Ischgl. Da gibt es viel Kritik momentan, dass viel zu spät reagiert wurde. Wie haben Sie das vor Ort erlebt?

Dolan: Wir sind sehr wütend auf die offiziellen Leute dort. Wir sind ja erst am 7. März angereist, da gab es noch keine Reisewarnung. Und dann bekommt man nach zwei, drei Tagen unter der Hand mit, was da eigentlich los ist. Deswegen haben wir auch direkt noch nachts unsere Koffer gepackt und sind wieder gefahren.

Sind Sie dann direkt nach Hause?

Dolan: Nein, wir haben noch aus dem Auto das Schleswiger Gesundheitsamt angerufen. Wir sollten direkt dort hinkommen. Dann wurden wir getestet. Vier von uns acht waren positiv.

Sie mussten dann ja direkt in Quarantäne, wie war das zu bewerkstelligen?

Dolan: Meine Frau hat mir ein paar Sachen vor die Tür gestellt und ich bin dann mit zu meinem Kumpel, der auch mit in Ischgl war und auch das Virus hat. Seine Familie ist in einer Ferienwohnung untergekommen. Wir werden aber wirklich gut von Familie und Freunden hier versorgt. Immer mal wird uns Essen vor die Tür gestellt. Gestern gab's zum Beispiel Lachs und Spinat mit Kartoffeln. Leider haben auch unsere Geschmacksnerven unter dem Coronavirus gelitten.

Aber so richtiger persönlicher Kontakt ist gerade nicht möglich?

Dolan: Nein, gar nicht. Es gibt natürlich das Handy, da kann ich mit meiner Familie sprechen. Meine Frau war auch schon ein paar mal hier. Aber wir sprechen dann höchstens durch die geschlossene Terrassentür.

Dann empfinden Sie die Maßnahmen, die jetzt immer weiter verschärft werden, als richtig?

Dolan: Wir sind der Meinung, das müsste noch viel härter gehandhabt werden. Ich verstehe nicht, wie man das auf die leichte Schulter nehmen kann. Das Virus ist für uns alle unbekannt. Wir haben es jetzt und werden auch durchkommen. Aber gerade für Leute, die schon eine Vorerkrankung haben oder auch ältere Leute, ist das eine lebensgefährliche Geschichte. Je mehr Infektionsketten wir unterbrechen können, desto mehr können wir verhindern, dass das Virus schnell vorankommt. Das ist gerade entscheidend!

Das klingt wie ein Appell.

Dolan: Ja, Leute, seid vorsichtig da draußen. Klar, das lässt sich hier drinnen leicht sagen. Aber lasst alles sein, was an Kontakten nicht nötig ist. Bleibt bei Euch, macht nur das Nötigste. Alles andere macht keinen Sinn. Und selbst, wenn die Regierung was erlaubt, heißt das nicht, dass es gut ist. Also lasst gesunden Menschenverstand walten und seid sehr, sehr vorsichtig.

Das Interview führten Vera Vester, Mandy Schmidt und Horst Hoof

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Schleswig-Holstein Magazin | 17.03.2020 | 19:30 Uhr

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