Stand: 27.02.2020 19:05 Uhr

Interaktive Karte: Wölfe in Schleswig-Holstein

von Daniel Kummetz, Jörn Schaar, Nikolai Hotsch, Jörg Jacobsen

Wenn irgendwo ein Tier gerissen wird und es Hinweise auf einen Wolf als Täter gibt, beginnen die Wolfsbetreuer mit der Arbeit. Unter anderem sichern sie mögliche Spuren: Mit einem Wattestäbchen streichen sie über die Wunden und hoffen darauf, dass durch Speichelreste verwertbare DNA haften bleibt. Genetiker untersuchten die Proben im Labor des Forschungsinstituts Senckenberg. Das Institut im hessischen Gelnhausen ist nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen beim Wolf. Im besten Fall können die Forscher sogar genau sagen, welcher Wolf zugeschlagen hat. Mit den Daten aus deutschen und dänischen Monitoring-Programmen konnte NDR Schleswig-Holstein die Wege einiger Wölfe nachvollziehen.

So funktioniert die Karte

Die Wölfe bekommen zur Identifizierung eine Code-Nummer. Die Legende zeigt die Nummern der Wölfe, die in seit 2018 in Schleswig-Holstein eindeutig nachgewiesen werden konnten. Jeder Punkt auf der Karte steht für einen Nachweis. Wenn Sie mit der Maus oder dem Finger den Punkt berühren, erhalten Sie weitere Informationen zu Ort, Datum und Art des Nachweises.

GW900m

Im Januar 2019 häufen sich im Kreis Dithmarschen die Angriffe auf Schafherden. In mehreren Fällen konnten Genetiker das Tier mit der ID GW900m zweifelsfrei als Verursacher nachweisen. Das Tier stammt aus dem Rudel bei Ulfborg in Dänemark und wurde nach Angaben dänischer Wissenschaftler noch am 22. Dezember 2018 nördlich von Aarhus an der Ostseeküste Dänemarks nachgewiesen. Im März 2019 ist das Tier von der Nordseeküste Schleswig-Holsteins zur Ostsee gewandert. Der letzte bestätigte DNA-Nachweis in Schleswig-Holstein war laut Umweltministerium am 22. März 2019 im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Fotos ersetzen keine DNA

Bei den grauen Punkten handelt es sich um Nachweise, die eindeutig von einem Wolf stammen, aber derzeit nicht einem bestimmten Tier zugeordnet werden können. Dabei handelt es sich zum Beispiel um alle Aufnahmen von Wildkameras. "Im Großen und Ganzen gibt es keine Indikatoren, die es wirklich erlauben, die Tiere zu unterscheiden", erklärt Thomas Gall vom Umweltministerium in Kiel. "Wir müssten Vergleichsfotos von allen Tieren haben und diese liegen nicht vor."

Eine nicht eindeutige Identifizierung kann aber auch andere Gründe haben: Bei Rissvorfällen mit DNA-Spuren können die Wissenschaftler oft nach wenigen Wochen sagen, ob es sich um einen Wolf handelt oder nicht. Die Analyse, um welchen Wolf genau es sich handelt, dauert länger. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) erwartet noch etliche genauere Befunde. In einigen Fällen reicht das sichergestellte Erbgut nach Angaben des LLUR nicht für eine individuelle Zuordnung aus.

Dänische Wölfe kamen aus Deutschland

In Jahren zuvor gab es nur sehr vereinzelte Nachweise von Wölfen in Schleswig-Holstein. Dazu zählen unter anderem folgende Tiere:

GW491m: Der Ulfborger Vater

Das Tier mit dem Kürzel GW491m hat im März 2016 ein Schaf in St. Peter-Ording an der Westküste gerissen. Der Wolf stammt eigentlich aus Brandenburg und ist danach nicht mehr in Deutschland, aber in Dänemark registriert worden. Es handelt sich um den Vater des Ulfborger Rudels. Aus dem ersten Wurf des Rudels sind mindestens fünf Jungtiere nach Schleswig-Holstein gekommen: GW900m, GW924m, GW930f, GW931f und GW932m.

 

Weitere Informationen
Ein Wolf steht auf einem Waldweg. © Robert de Mol

Dossier: Wölfe in Schleswig-Holstein

Die Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein bewegt viele Menschen im Land. Im Dossier bei NDR.de berichten NDR Reporter über Aktuelles und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.02.2020 | 18:00 Uhr

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