Stand: 04.04.2019 20:22 Uhr

Interaktive Karte: Wölfe in Schleswig-Holstein

von Daniel Kummetz, Jörn Schaar, Nikolai Hotsch, Jörg Jacobsen

Wenn irgendwo ein Tier gerissen wird und es Hinweise auf einen Wolf als Täter gibt, beginnen die Wolfsbetreuer mit der Arbeit. Unter anderem sichern sie mögliche Spuren: Mit einem Wattestäbchen streichen sie über die Wunden und hoffen darauf, dass durch Speichelreste verwertbare DNA haften bleibt. Genetiker untersuchten die Proben im Labor des Forschungsinstituts Senckenberg. Das Institut im hessischen Gelnhausen ist nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen beim Wolf. Im besten Fall können die Forscher sogar genau sagen, welcher Wolf zugeschlagen hat. Mit den Daten aus deutschen und dänischen Monitoring-Programmen konnte NDR Schleswig-Holstein die Wege einiger Wölfe nachvollziehen.

So funktioniert die Karte

Die Wölfe bekommen zur Identifizierung eine Code-Nummer. Die Legende zeigt die Nummern der Wölfe, die seit 2016 in Schleswig-Holstein eindeutig nachgewiesen werden konnten. Jeder Punkt auf der Karte steht für einen Nachweis. Wenn Sie mit der Maus oder dem Finger den Punkt berühren, erhalten Sie weitere Informationen zu Ort, Datum und Art des Nachweises.

  • GW491m: Der Ulfborger Vater

    Das Tier mit dem Kürzel GW491m hat im März 2016 ein Schaf in St. Peter-Ording an der Westküste gerissen (gelber Punkt auf der Karte). Der Wolf stammt eigentlich aus Brandenburg und ist danach nicht mehr in Deutschland, aber in Dänemark registriert worden. Es handelt sich um den Vater des Ulfborger Rudels. Aus dem ersten Wurf des Rudels sind mindestens fünf Jungtiere nach Schleswig-Holstein gekommen: GW900m, GW924m, GW930f, GW931f und GW932m.

  • GW674m: Überfahren auf der B 207

    Am 6. März 2017 wurde auf der Bundesstraße 207 bei Buchholz ein Wolf überfahren. Nach Angaben der Landes handelte es sich um einen etwa zehn Monate alten, männlichen Welpen mit der Kennung GW674m. Das Tier stammte aus dem Lübtheener Rudel in Mecklenburg-Vorpommern. Der Fundort lag etwa 50 Kilometer von der Lübtheener Heide entfernt. "Ob das Tier nur eine Exkursion (mit Rückkehr zum Elternterritorium) unternahm oder sich auf seiner Abwanderung befand, muss leider offen bleiben, da Wölfe teilweise noch deutlich weitere Exkursionen unternehmen", heißt es im Monitoring-Bericht des Landes. Dieses Tier wies leichte Anzeichen der Milbenerkrankung Räude auf.

  • GW781m: Von Mecklenburg bis Skagen

    Der Wolf GW781m stammt ebenfalls aus dem Lübtheener Rudel. Das Tier ist 2017 quer durch Schleswig-Holstein gezogen. Seine DNA fanden Wissenschaftler von September bis Oktober in mehreren Gemeinden in den Kreisen Dithmarschen, Nordfriesland, Rendsburg-Eckernförde und Schleswig-Flensburg. In dieser Zeit gab es auch viele Sichtungen und Fotonachweise. Er ist nach Angaben dänischer Wissenschaftler bis nach Skagen an der Nordspitze Dänemarks gelaufen und hinterlässt auch dort jede Menge Spuren.

  • GW900m: Wolf in Dithmarschen

    Seit Januar 2019 häufen sich im Kreis Dithmarschen die Angriffe auf Schafherden. In mehreren Fällen konnten Genetiker das Tier mit der ID GW900m zweifelsfrei als Verursacher nachweisen. Das Tier stammt aus dem Rudel bei Ulfborg in Dänemark und wurde nach Angaben dänischer Wissenschaftler noch am 22. Dezember 2018 nördlich von Aarhus an der Ostseeküste Dänemarks nachgewiesen.

  • GW924m: Der Problemwolf von Pinneberg

    Der Rüde GW924m ist seit Sommer 2018 in Schleswig-Holstein und besonders in den Kreisen Steinburg und Pinneberg aktiv (dunkelblaue Punkte). Nachdem dieses Tier nachweislich mehrfach Herdenschutzzäune überwunden und Schafe gerissen hat, gilt dessen Verhalten als problematisch. Das Land hat die Entnahme des Tieres genehmigt. Einen offiziellen Namen hat der Wolf nicht. Einige Wolfschützer nennen das Tier in sozialen Netzwerken "Dani".

  • GW930f: Von Dänemark nach Dithmarschen und zurück

    Bei Proben aus den Gemeinden Elpersbüttel, Frestedt und Großenrade (Kreis Dithmarschen) entdeckten Forscher im Jahr 2018 die DNA der Fähe GW930f (hellrote Punkte). Sie stammt ebenfalls aus dem Ulfborger Rudel in Dänemark. Die junge Wölfin konnte bis zum 13. Mai 2018 drei Mal in Dithmarschen nachgewiesen werden. Nach Angaben dänischer Wissenschaftler ist das Tier im Herbst zurück nach Dänemark gewandert. Sie gehen seit dem Frühjahr 2019 davon aus, dass das Weibchen in der Nähe von Ulfborg mit dem Männchen GW1101m ein Paar bildet.

  • GW931f: Tod auf der A23

    Auch deren Schwester GW931f (dunkelrote Punkte) war im Mai 2018 in Schleswig-Holstein. Ein Nachweis gelang allerdings nur ein einziges Mal. Das Tier wurde wahrscheinlich auf der Autobahn 23 bei Tornesch (Kreis Pinneberg) überfahren. Polizisten entdeckten den Kadaver in den frühen Morgenstunden am 13. Mai am Fahrbahnrand.

  • GW932m: Wolf von Eiderstedt

    Der Rüde GW932m (blaue Punkte) stammt ebenfalls aus dem Ulfborger Rudel. Das Tier war im Sommer 2018 wochenlang auf der Halbinsel Eiderstedt (Kreis Nordfriesland). Zuvor konnte seine DNA unter anderem im dänischen Rudbøl und in Ellerhoop (Kreis Pinneberg) nachgewiesen werden.

  • GW1101m: Wanderung nach Dänemark

    Neben den vier Geschwistern aus dem dänischen Rudel konnten Wissenschaftler im Jahr 2018 nur einen weiteren Wolf mit dem Kürzel GW1101m (grüne Punkte) in Schleswig-Holstein individuell nachweisen. Seine DNA wurde in den kleinen Gemeinden Brammer, Bargstall und Friedrichsholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Groß Rheide (Kreis Schleswig-Flensburg) und Dagebüll (Kreis Nordfriesland) gesichert. Dänische Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Tier im November nach Dänemark eingewandert ist und hier zusammen mit GW930f ein Paar bildet. "Am 17. November 2018 lagen die ersten Wildkamera-Aufnahmen eines Paares in der Umgebung von Ulfborg vor", schreibt das nationale Umweltzentrum. "Es ist so gut wie sicher, dass die zwei Wölfe auf den Fotos GW930f og GW1101m sind."

  • GW1120f: Wölfin von Segeberg

    Dass sich im Kreis Segeberg ein Wolf aufhält, ist seit längerem bekannt. Es hat eine Reihe bestätigter Sichtungen und Risse an Wildtieren gegeben. Das Tier verhält sich nach Einschätzung des Wolfsmanagements in Bezug auf Nutztiere völlig unauffällig. Eine Individualisierung durch eine DNA-Probe war nach Angaben des Landes bisher nur ein einziges Mal möglich (lachsfarbener Punkt). Die Wölfin stammt aus der Nähe der Stadt Möckern in Sachsen-Anhalt und erhielt das Kürzel GW1120f.

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Fotos ersetzen keine DNA

Bei den grauen Punkten handelt es sich um Nachweise, die eindeutig von einem Wolf stammen, aber derzeit nicht einem bestimmten Tier zugeordnet werden können. Dabei handelt es sich zum Beispiel um alle Aufnahmen von Wildkameras. "Im Großen und Ganzen gibt es keine Indikatoren, die es wirklich erlauben, die Tiere zu unterscheiden", erklärt Thomas Gall vom Umweltministerium in Kiel. "Wir müssten Vergleichsfotos von allen Tieren haben und diese liegen nicht vor."

Eine nicht eindeutige Identifizierung kann aber auch andere Gründe haben: Bei Rissvorfällen mit DNA-Spuren können die Wissenschaftler oft nach wenigen Wochen sagen, ob es sich um einen Wolf handelt oder nicht. Die Analyse, um welchen Wolf genau es sich handelt, dauert länger. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) erwartet noch etliche genauere Befunde. In einigen Fällen reicht das sichergestellte Erbgut nach Angaben des LLUR nicht für eine individuelle Zuordnung aus.

Weitere Informationen

Dossier: Wölfe in Schleswig-Holstein

Die Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein bewegt viele im Land. Im Dossier bei NDR.de berichten die NDR Reporter über Aktuelles und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.02.2019 | 17:00 Uhr

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