Ein Junge schwimmt in einem Schwimmbad © Colourbox Foto: Deyan Georgiev

Intensivkurse als Lösung für ausgefallenen Schwimmunterricht?

Stand: 22.01.2021 05:00 Uhr

Die Corona-Pandemie zwingt auch die Ausbildung von Nichtschwimmern in Schleswig-Holstein in die Pause. Schon vor der Krise gab es lange Wartelisten bei den Anfänger-Kursen, nun könnte ein ganzer Jahrgang dazu kommen.

von Finn-Ole Martins

Tauchen, um den Ring vom Beckenboden zu holen. Dann: Brust, einmal hin, Drehung und wieder zurück. Und am Ende darf noch einmal gesprungen werden. Das alles sind Elemente des Schwimmsports, die Kinder lieben. Doch infolge des Lockdowns findet auch der Unterricht im Wasser derzeit nicht statt.

Lockdown hat katastrophale Folgen für Nichtschwimmer

Nach Einschätzung des Schleswig-Holsteinischen Schwimmverbandes (SHSV) und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kann der Lockdown zu dramatischen Folgen führen. Eine Erhebung des Verbandes zeigt, dass aufgrund der Corona-Pandemie ein ganzer Jahrgang nicht schwimmen lernt. "Das sind dann rund 20.000 Kinder", sagt SHSV-Präsident Steffen Weber. Die Konsequenzen daraus seien katastrophal.

Verbände arbeiten an Lösungen

Neben dem aktuellen Jahrgang habe es auch schon vor der Krise lange Wartelisten in Vereinen gegeben, blickt der Landesgeschäftsführer der DLRG Thies Wolfhagen zurück: "Man musste auch vor Corona teilweise schon ein bis zwei Jahre auf einen Platz im Anfänger-Schwimmkurs warten. Nun werden die Listen noch länger." SHSV-Präsident Weber hat im Austausch mit der DLRG an einem Zukunftskonzept gearbeitet. Darin steht, wie aus Sicht der beiden schnellstmöglich nach Öffnung der Hallen viele Kinder wieder ins Wasser gebracht werden können. Der Entwurf dieses Konzeptes wurde an das Innen- sowie das Bildungsministerium geschickt. Denn auch die schulische Schwimmausbildung bricht in Corona-Zeiten weg.

Blick auf die Füße von einem Kind, das am Rand eines Schwimmbades steht. © COLOURBOX Foto: Oleg Mikhaylov

AUDIO: Thies Wolfhagen (DLRG): 20.000 Nichtschwimmer mehr (1 Min)

Wer einmal schwimmt, verlernt es nicht: Im Block-Unterricht zum Abzeichen

SHSV und DLRG suchen daher nach einer schnellen Lösung. "Wenn der Lockdown endet, werden die Hallen langsam wieder geöffnet", erklärt Weber den Hintergrund des Vorhabens. Dies sei eine Erfahrung aus dem Lockdown-Ende 2020. "Damals haben zunächst Wettkampf- und DLRG-Rettungsschwimmer trainiert, bevor die Öffentlichkeit wieder schwimmen konnte." Genau dieses Zeitfenster, das er auf vier bis sechs Wochen schätzt, soll genutzt werden. "Die dann noch freien Wasserflächen wollen wir nachmittags nutzen, um möglichst viele Anfänger-Schwimmkurse im großen Stil anzubieten." Denn im Normalbetrieb sei eine solche Anzahl nicht zu stemmen.

Vom Nicht-Schwimmer zum Seepferdchen in 14 Tagen

In einem 14-tägigen Block-Unterricht, der täglich außerschulisch nachmittags stattfindet, sollen Kinder in Zehner-Gruppen an das Wasser gewöhnt und zu Abzeichen gebracht werden. "Wenn wir es gut organisieren, könnten wir in den vier Wochen hochgerechnet zwei Drittel der Kinder nachbilden." Doch führt ein Intensiv-Kurs auch dazu, nachhaltig das Schwimmen zu lernen? "In wenigen Wochen ist das möglich", sagt DLRG-Geschäftsführer Wolfhagen. "Es ist ja ein wenig wie Fahrradfahren: Wer die Technik kann, verlernt sie nicht. Danach kommt es auf Routine an."

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Hoffen auf die Politik: Mit Hilfe der Grundschulen möglichst viele Kinder erreichen

Um die Technik möglichst vielen Kindern flächendeckend beizubringen, wird der Plan mit dem Bildungsministerium und den Grundschulen im Land abgestimmt. "Ganz grundsätzlich ziehen wir an einem Strang, was das Bemühen angeht, die Nichtschwimmer schwimmfähig zu machen", teilt Referent Dirk Gronkowski aus dem Ministerium mit. Die Art und Weise der Umsetzung werde noch miteinander abgestimmt, man sei daher im Dialog.

Geschenk für die Kinder

SHSV-Präsident Weber hofft darauf, dass das Projekt als "Schule am anderen Ort" genehmigt wird. Er nennt das Ziel in dem Schreiben "äußerst ehrgeizig". Die Zeit sei sehr knapp. Aber eine Chance wie diese werde sich so schnell nicht wieder bieten. Er schließt mit den Worten, den Kindern so rückblickend "das größte Weihnachtsgeschenk" geben zu können. Oder zumindest die Möglichkeit, den Sommer im Wasser genießen zu können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.01.2021 | 08:00 Uhr

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