Stand: 02.01.2018 07:30 Uhr

Integration in SH: Wo es läuft und wo es hakt

von Christine Pilger

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Auch wenn jetzt weniger Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein kommen, ist in Sachen Integration noch viel zu tun.

Es waren die typischen Bilder im Herbst und Winter 2015: Viele Schleswig-Holsteiner helfen in den Notunterkünften für Flüchtlinge. Sie sammeln Kleidung, verschenken Spielzeug, kochen mit Geflüchteten Essen. Seitdem hat sich einiges verändert. In diesem Jahr ist die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen, überlaufene Unterkünfte sind Vergangenheit. Die Behörden und Koordinierungsstellen, die sich um Flüchtlinge kümmern, sind sich einig: Dank besserer Organisation ist die Lage heute deutlich entspannter als noch 2015/2016. Die große und wohl wichtigste Aufgabe der Beauftragten von Land und Kommunen, den Wohlfahrtsverbänden und den Ehrenamtlichen ist jetzt die Integration der Geflüchteten. Das zuständige Innenministerium sieht darin einen langen Prozess, in dem viele Phasen durchlaufen werden müssten. Schleswig-Holstein habe schon einige erfolgreiche Schritte gemacht, viele weitere müssten noch folgen, fordern Integrationsbeauftragte.

Erste Erfolge auf dem Arbeitsmarkt

Der Beginn einer gelungenen Eingliederung kann so aussehen: In Rendsburg bemühen sich zurzeit rund 30 Jugendliche in bezahlten Praktika, einen guten Job zu machen, um anschließend eine Lehrstelle zu bekommen. Michael Wolf von der Koordinierungsstelle Integration im Kreis Rendsburg-Eckernförde freut sich über den großen Einsatz von beiden Seiten: "Die Betriebe sagen, wenn es passt, nehmen wir sie gerne. Einige der Jugendlichen machen samstags noch einen extra Sprachkurs. Sie geben alles, um Arbeit zu bekommen."

Viele steigen ins Berufsleben ein

Auch beim Jobcenter Kiel zeigen sich erste Erfolge, Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu bringen. Nach erfolgreichen Asylverfahren und absolvierten Sprachkursen seien viele in diesem Jahr ins Berufsleben eingestiegen, erklärt der Integrationsleiter des Kieler Jobcenters Arne Krasemann. "Jetzt ist der Zeitpunkt, wo die Menschen wirklich mit der Sprache soweit sind, dass sie sagen können: 'Es geht nun einen Schritt weiter!'" Auch der Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Segeberg, Michael Knapp, bestätigt, dass die Integration auf dem Arbeitsmarkt immer besser funktioniert - ein Sechstel der registrierten anerkannten Flüchtlinge hätten in diesem Jahr einen Job oder eine Lehrstelle bekommen.

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Zu hohe Erwartungen sind unangebracht

Trotz dieses Erfolges sei es noch ein langer Weg, meint Michael Knapp. Außerdem müsse man den geflüchteten Menschen Zeit lassen. Viele von ihnen kämen stark traumatisiert aus Kriegsgebieten nach Schleswig-Holstein, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, erklärt Arne Krasemann vom Jobcenter Kiel: "Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es Menschen sind, die in ein völlig neues Land kommen. Es ist kein guter Weg, von ihnen zu schnell zu erwarten, dass direkt alles so funktioniert, wie wir das hier in Deutschland kennen." Generell sei es aber wichtig, die Menschen schnell in Arbeit zu bringen, denn schließlich würden auch überall Fachkräfte gebraucht.

Viele Flüchtlinge sind nicht alphabetisiert

Der Einstieg ins Berufsleben gestaltet sich für viele der neu Zugewanderten aber auch extrem schwierig. Sie bestehen die Sprachstandsfeststellung oft nicht, weil sie laut Arne Krasemann nicht richtig lesen und schreiben können. Ein normaler Sprachkurs reicht in solchen Fällen nicht aus - und da gibt es dann das nächste Problem. In größeren Städten wie Kiel sind meist ausreichend Sprachkurse vorhanden, in ländlichen Gebieten sieht das oft schlechter aus.

"Wenn Integration gelingen soll, muss was passieren"

Der Integrationsbeauftragte des Kreises Nordfriesland, Felix Carl, fordert, dass das Angebot dringend aufgestockt wird. In Nordfriesland würden Wohlfahrtsverbände zwar zusätzliche Kurse anbieten, trotzdem müssten die Menschen zum Teil lange warten, wenn sie die Sprachprüfung nicht bestanden haben und einen Wiederholungskurs benötigen. "Es fehlt generell an Dozenten, an Räumen und auch berufsgekoppelten Sprachkursen. Wenn Integration gelingen soll, muss da verstärkt was passieren", betont der Integrationsbeauftragte. Es brauche weiterhin ausreichend Geld von Land und Bund, um Kommunen bei der Integration von Geflüchteten zu unterstützen, sagt Carl. "Wir müssen da jetzt auf jeden Fall dran bleiben!" Das Land schließt laut Innenministerium bereits Lücken in der Sprachförderung des Bundes und fördert Alphabetisierungskurse.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.01.2018 | 06:00 Uhr

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