Sendedatum: 11.07.2018 19:30 Uhr

Insektensterben: So können wir Vögeln helfen

Dass immer weniger Insekten summen und durch die warme Sommerluft fliegen, ist nicht neu. Laut einer Studie hat die Gesamtmasse der Insekten in den vergangenen 27 Jahren in Teilen Deutschlands um mehr als 75 Prozent abgenommen. Das Insektensterben hat Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem, unmittelbar betroffen sind vor allem Vögel. Der Ornithologe Bernd Koop, der seit 30 Jahren die Brutvogelarten in Plön und im Rest des Landes erfasst, stellt fest: Bodenbrüter und Arten, die in der Agrarlandwirtschaft vorkommen, haben sehr stark abgenommen - zum Teil um bis zu 90 Prozent.

Es mangelt an vogelfreundlichem Lebensraum

Den Vögeln mangelt es an Lebensgrundlage, weil es zu wenige insektenfreundliche Landschaften gibt. Selbst in vielen Gärten finden sie nur noch wenig Nahrung. Unter anderem Stare, die früher so häufig im heimischen Garten anzutreffen waren, sind inzwischen vom Aussterben bedroht. Koop macht sich Sorgen um die Vogelbestände, denn fast alle Singvögel sind Insektenfresser - selbst jene, die im Winterhalbjahr oder außerhalb der Brutzeit von Körnern leben. "Die füttern ihre Jungen mit Insekten. Und wenn sie keine Insekten haben, dann gibt es einfach keinen Nachwuchs."

Mit einfachen Maßnahmen Vögeln etwas Gutes tun

Jeder einzelne kann dieser Entwicklung aber entgegensteuern. Zum Beispiel, so Koop, die Vögel ganzjährig füttern. Man müsse dafür kein spezielles Futter besorgen - es reichen Samen verschiedenster Art, die man ganzjährig kaufen kann.

Wer den Vögeln ein wenig mehr Luxus bieten möchte, der sollte auch Insekten in seinen Garten locken. Dafür eignen sich Insektenhotels, gelagerte Holzscheite, Steine und die richtigen Pflanzen. "Ganz wesentlich sind Pflanzen, die von März bis Oktober blühen und damit Nahrung für Insekten liefern." Man könne Wildblumenmischungen säen. Ideal seien aber auch Pflanzen, die sowohl Insekten als auch Vögeln als Nahrungsquelle dienen - beispielsweise Himbeeren, Mohn und Fenchel.

Weitere Maßnahmen: Das Gras seltener mähen, denn das bietet mehr Lebensraum für Feldheuschrecken und Käfer. Im Winter die Stängel der Pflanzen stehen lassen, denn hierin finden Insekten Unterschlupf und Vögel Nahrung. Und Vogelhäuser für verschiedene Arten machen sich in jedem Garten gut.

Auch die Politik ist in der Pflicht

Aber nicht nur der Einzelne ist dazu aufgerufen, etwas zu unternehmen. Auch die Politik - also die Gemeinden - müssen ran, findet Koop. Ein gutes Beispiel sei das Schulzentrum Plön, wo Nistkästen für Mauersegler an der Fassade angebracht wurden: "Die werden natürlich sofort angenommen. Das ist etwas, das ins Baugesetzbuch gehört - bei Gebäuden, die für die Öffentlichkeit errichtet werden", findet der Vogelkundler.

Aufstellen von Tränken nicht nötig

Was in Schleswig-Holstein übrigens nicht notwendig ist, ist das Aufstellen von Tränken für Vögel - auch wenn es über längere Zeiträume nicht regnet. Laut NABU-Pressesprecher Ingo Ludwichowski gebe es genug Gewässer im Land, über die sich die Vögel selbst versorgen könnten. "Wenn die Vögel mal 20 Kilometer fliegen müssen, weil sie Durst haben, dann tun sie das auch", so der Experte. Den Großteil ihres Wasserbedarfs decken sie ohnehin über die Nahrung.

Wer trotzdem Tränken aufstellt, sollte penibel auf Sauberkeit achten und das Wasser täglich wechseln, damit sich die Vögel nicht mit Krankheiten anstecken oder mit Keimen vergiften.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.07.2018 | 19:30 Uhr

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