Impfdosen und Impfspritzen stehen auf einem Tisch vor dem AstraZeneca Logo. © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Dwi Anoraganingrum

Impfungen mit AstraZeneca laufen wieder - kaum Absagen

Stand: 19.03.2021 16:35 Uhr

In Schleswig-Holstein sind die Impfungen mit AstraZeneca wieder angelaufen. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) zeigte sich erfreut, dass die meisten Termine am Freitagvormittag wahrgenommen wurden.

2.600 Menschen waren laut Garg am Donnerstagabend per E-Mail angeschrieben worden, dass sie ihren Termin am Freitag nun doch wahrnehmen könnten. "Was mich freut, ist die unglaublich hohe Akzeptanz", sagte Garg in Kiel. Das erste Stimmungsbild aus den Impfzentren sei positiv.

Der Großteil ist zur Impfung gekommen

"In Kiel gab es so gut wie überhaupt niemanden, der nicht gekommen ist", meinte Garg. In Plön sah es ähnlich aus. Im Impfzentrum in Alt-Mölln seien nur fünf Personen von 80 nicht zum Termin erschienen. "In Geesthacht sind rund 95 Prozent der angemeldeten Frauen und Männer erschienen. Ausreißer nach unten bis elf Uhr war wohl Neumünster, wo rund 20 Prozent der Termine nicht angenommen wurden", sagte Garg.

VIDEO: Neustart der Impfungen mit AstraZeneca geglückt (19 Min)

Tausende Termine zunächst ausgefallen

8.500 Termine waren in Schleswig-Holstein ausgefallen, nachdem die Impfungen von Dienstag bis Donnerstag aufgrund von Berichten über Nebenwirkungen gestoppt worden waren. Am Donnerstag bekräftigte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) jedoch ihre Einschätzung zur Sicherheit des Corona-Impfstoffs.

Ersatztermine ab Ende März

Die Organisation der Ersatztermine ist nach Angaben des Landes in Arbeit. Alle Personen, deren Impfungen vom 16. bis 18. März abgesagt wurden, erhalten einen Ersatztermin. Das gilt auch für die, die ihren Termin am 19. März nicht wahrnehmen konnten, weil der Neustart zu kurzfristig war. Die Betroffenen brauchen sich nicht um einen neuen Impftermin bemühen. Sie erhalten ihren neuen Termin per E-Mail.

Geplant ist, dass die Ersatztermine zwischen dem 29. März und dem 11. April stattfinden. Eventuell werden dafür auch die Öffnungszeiten ausgeweitet. Vorgesehen ist beispielsweise, schon morgens um acht Uhr mit dem Impfen zu beginnen. Voraussichtlich könnten alle bisher vereinbarten Impftermine eingehalten werden, sagte Garg auf Nachfrage. Er betonte in diesem Zusammenhang aber: "Weitere Liefermengenreduzierungen würden wir nicht aushalten." Solange es einen Impfstoffmangel gebe, plädiere er dafür, sich an die Impf-Priorisierung bestimmter Gruppen zu halten, so Garg.

VIDEO: Impfen in Schleswig-Holstein - Wie geht's weiter? (18 Min)

100.000 Menschen haben Zweitimpfung erhalten

Bis einschließlich Donnerstag haben in Schleswig-Holstein mehr als 266.000 Menschen eine Erstimpfung mit einem der drei zugelassenen Impfstoffe bekommen. Das entspreche einer Impfquote von 9,2 Prozent, sagte Garg. Das Land habe damit über dem Bundesschnitt von 8,5 Prozent gelegen. Gut 100.000 Schleswig-Holsteiner bekamen bereits ihre Zweitimpfung. Das entsprach einer Quote von 3,5 Prozent.

Bitte an über 80-Jährige: "Vereinbaren Sie einen Impftermin"

"Wir warten seit Wochen auf die große Impfstoff-Flut", sagte Garg. Bis dahin müsse Schleswig-Holstein mit den bislang verfügbaren Mengen auskommen. An die Menschen, die 80 Jahre und älter sind, appellierte er, sich impfen zu lassen. "Nutzen Sie diese Gelegenheit noch mal, einen Termin zu vereinbaren." Seit dem 1. Februar werde für diese Altersgruppe Impfstoff zur Verfügung gestellt. Die Menschen seien angeschrieben worden und müssten sich jetzt telefonisch melden.

Hausärzteverband: Auch die Hausärzte sollten schnell impfen

Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein, Thomas Maurer, hatte am Freitagmorgen im Interview mit NDR Schleswig-Holstein betont, dass er es für sinnvoll halte, so schnell wie möglich zusätzlich auch die Hausarztpraxen ins Boot zu holen. "Sobald es logistisch möglich ist, müssen wir die einbinden. Viele Hausärzte sind auch sehr motiviert, das zu machen." Die Hausärzte seien diejenigen, die ihre Patienten am besten kennen. Sie wüssten über Vorerkrankungen Bescheid und könnten am besten beraten.

Garg ärgert sich über Söder

Er sei dafür, dass Hausärzte bald impften, so Garg. "Aber: Bei den homöopathischen Dosen Impfstoff, die dafür zur Verfügung stünden, frage ich mich ernsthaft - an Länderchefs wie beispielsweise meinen besonderen Freund Markus Söder, der am liebsten schon gestern flächendeckend in den niedergelassenen Bereich gegangen wäre - was er den Ärztinnen und Hausärzten eigentlich vor die Haustüre stellen möchte?"

Zynisch fragte der FDP-Politiker, ob er denn jedem der Ärzte ein halbes Fläschchen AstraZeneca hinstellen solle - nach dem Motto: "viel Vergnügen damit". Es mache keinen Sinn, Impfstoff aus den Impfzentren abzuziehen, um ihn zu den Hausärzten zu bringen. Er werde die neu geschaffenen Impfzentren in Schleswig-Holstein nicht zu machen, "weil Bayern gerade eine andere Idee hat", so Garg.

Garg will Impfstoffdosensockel von 2,25 Millionen

Garg betonte weiter, Schleswig-Holstein habe sich mit anderen Bundesländern dafür eingesetzt, dass der sogenannte Impfstoffdosensockel, also die Menge, die garantiert wöchentlich an die jeweiligen Zentrallager der Länder geht, bei 2,25 Millionen Dosen liege. "Das sichert den Bedarf der Impfzentren und der mobilen Teams in Schleswig-Holstein ab." Vom Impfgipfel erwarte er, dass die Höhe dieses Sockels bestätigt werde. Außerdem solle der Bund transparent darstellen, wie viel Impfstoff für das niedergelassene System welches Bundesland bekomme - wenn diese Menge über dem Sockel liege.

Erwartung: Impfangebot bis zum Sommer

Garg erwartet, dass "endlich die vielfach angekündigte Impf-Flut kommt". Der Gesundheitsminister betonte weiter, er glaube, der Bund müsse über den Vorschlag des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach nachdenken, eine Notfallzulassung für den Impfstoff Curevac zu prüfen. Außerdem erwarte er, dass jedem Erwachsenen in der Bundesrepublik bis zum Sommer ein Impfangebot gemacht werde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.03.2021 | 16:00 Uhr

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