Stand: 17.07.2017 04:00 Uhr

Immer mehr Schüler machen "Flunkerferien"

von Sebastian Parzanny

Klassenräume, Schulhöfe und Gänge werden absehbar leerer ab Mitte der Woche in Schleswig-Holstein: Freitag geht’s in die Sommerferien. Ein Phänomen, das es wahrscheinlich schon immer gab, nimmt zu: vorgezogene Ferien, beschlossen durch die Eltern in Eigenregie. Die Ordnungsämter von Kiel und Flensburg etwa berichten von immer mehr Fällen, in denen Kinder nicht zum Unterricht erschienen sind.

Bußgelder von bis zu 200 Euro

Doch die Ämter werden erst aktiv, wenn sie von der Schule informiert wurden, dass Kinder in der letzten Woche vor den Ferien - oft auch "Gammelwoche" genannt - fehlen. In der Regel wird das allerdings erst gemacht, wenn Kinder schon häufiger geschwänzt haben. Dann werden Bußgelder zwischen zum Beispiel 150 Euro in Flensburg und 200 Euro in Kiel fällig. "Bußgelder sind das letzte Mittel und dann nötig, wenn keinerlei Einsicht bei den Eltern zu erkennen ist", sagt Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien. Sprich: im Wiederholungsfall.

"Flunkerferien" durch Ehrlichkeit ersetzt

Dass es auch ganz anders und ohne Androhung von Strafen geht, zeigt ein Beispiel aus dem Kieler Stadtteil Elmschenhagen: Dort zeigt der Schulleiter Verständnis. Denn Kinder, die unentschuldigt fehlen, oder Eltern, die ihren Schützlingen per Entschuldigung ein paar Tage extra Ferien verordnen - in seinen 18 Jahren an der Lilli-Martius-Schule hat Hauke Landt-Hayen das alles schon erlebt. Heute setzt er auf Ehrlichkeit: "So etwas gibt es bei uns nicht mehr, da ich fast jeden offiziellen Antrag auf Fehltage, den Eltern bei mir stellen, genehmige."

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Hauke Landt-Hayen versucht dem Problem mit Verständnis zu begegnen.

Der Schulleiter findet, dieses Thema müsse man mit Fingerspitzengefühl angehen - auch, weil auf seine Gemeinschaftsschule viele Kinder aus großen Familien gehen, einige davon mit Migrationshintergrund. Sie wollen in den Ferien ihre Familien im Ausland besuchen. Dafür habe er Verständnis. "Wenn sie zum Beispiel vier Kinder haben und mir sagen: 'Wenn ich erst am ersten Ferientag reise, dann kostet mich das 800 Euro mehr', dann geht mein Herz schon auf." Denn man müsse sehen, dass manche Eltern nicht so viel Geld hätten wie andere, meint Landt-Hayen.

Eine Ausnahme in der Schulzeit

Allerdings versichert sich der Schulleiter immer beim Klassenlehrer ab, ob es sich nicht doch um einen notorischen Schwänzer handelt, und mehr als drei Tage seien auch nicht drin.

So entspannt wie Schulleiter Landt-Hayen sehen es längst nicht alle seiner Kollegen. In der Regel wird so eine offizielle Genehmigung nur einmal pro Schüler und Schulzeit ausgestellt, haben Gemeinschaftsschulen in Rendsburg, Neumünster und Kiel auf NDR Anfrage mitgeteilt. Eigentlich sind solche Genehmigungen nämlich für Hochzeiten oder Trauerfälle in Familien vorgesehen.

Reiseunternehmer nutzen die Ferien aus

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Wer seinen Urlaub bucht, der muss häufig mehr zahlen, wenn es in den großen Ferien losgehen soll.

Doch ist an dem Gerücht, dass vor den Ferien die Flüge günstiger sind, eigentlich etwas dran? Auf jeden Fall, sagt Bernd Klose. Er betreibt ein kleines Reisebüro in Kiel. "Die Veranstalter wissen natürlich genau, wann Schleswig-Holstein Ferienbeginn hat - und dann schlagen sie bei den Preisen auf. Da kann es also dann wirklich teurer werden."

Kunden rät er daher häufig, aus Bundesländern abzufliegen, in denen noch keine oder schon länger Ferien sind. "Zum Beispiel könnten Bremen, Hannover oder auch Düsseldorf und Frankfurt eine günstige Alternative bei Ferienbeginn im Norden sein", sagt Klose.

Weitere Informationen

Schulferien 2017/18

Die Ferientermine der norddeutschen Bundesländer auf einen Blick. mehr


17.07.2017 17:00 Uhr

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version haben wir geschrieben, dass die Bundespolizei Hamburg am Flughafen stichprobenartig Familien mit Kindern kontrolliert, die einchecken. Das stimmt nicht. Die Redaktion bittet für diesen Fehler um Entschuldigung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 17.07.2017 | 06:00 Uhr

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