Zukunft der Imland-Kliniken weiter ungewiss

Stand: 15.07.2021 08:29 Uhr

Am Mittwochabend hatte der Hauptausschuss des Kreises Rendsburg-Eckernförde getagt. Es ging um die Zukunft der Imland-Kliniken in Rendsburg und in Eckernförde. Eine Entscheidung gab es aber nicht.

Steuern die Imland-Kliniken in Rendsburg und Eckernförde auf eine Insolvenz zu? Oder kann das wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen mit einer Restruktierung wieder auf Kurs gebracht werden? Der Hauptausschuss des Kreises Rendsburg-Eckernförde hat entschieden, dass die Klinik weitere belastbare Informationen zur Verfügung stellen soll, bevor eine Entscheidung getroffen werden kann.

Es geht unter anderem um die Frage, wie groß der Versorgungsbedarf in der Region tatsächlich ist, also, wie viele Betten pro Jahr ausgelastet werden können. Die vom Kreis beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat drei Szenarien entwickelt. Außerdem wurde am Mittwochabend auf Initiative der CDU-Kreistagsfraktion entschieden, dass auch ein Neubau der Klinik geprüft werden soll.

Variante eins: Alles bleibt, wie es ist

Der Kreis als Eigentümer oder das Land müssten im Falle, dass alles so wie bislang weiter betrieben wird, 46 Millionen Euro in die Imland-Kliniken pumpen, um den Weiterbetrieb zu sichern. Außerdem müssten 100 Stellen abgebaut werden.

Variante zwei: Nur Klinik in Rendsburg arbeitet weiter

In der zweiten Variante geht es in Rendsburg weiter wie bisher und der Standort Eckernförde wird verkleinert und bietet nur noch eine Notfallversorgung unter anderem mit innerer Medizin und Notfall-Chirurgie. 42 Millionen Euro Unterstützung wären notwendig, außerdem müssten 250 Vollzeitstellen abgebaut werden. Diese Variante kommt nach Aussage der Beteiligten aber für niemanden in Betracht.

Variante drei: Standort Eckernförde wird geschlossen

Die dritte Variante sieht vor, dass die stationäre Einrichtung in Eckernförde geschlossen wird. Dann wäre nur noch eine ambulante Versorgung möglich. 35 Millionen Euro frisches Geld müssten aufgebracht werden und mehr als 400 Mitarbeiter würden ihre Jobs verlieren.

Variante vier: Neubau an der A7

Einen weiteren Vorschlag gibt es von der CDU-Fraktion im Kreistag. Sie hat einen Neubau der Gesamt-Klinik an der A7 nördlich des Kanals ins Gespräch gebracht, weil der Klinikstandort in Rendsburg nach Meinung der Fraktion in die Jahre gekommen ist und der Standort in Eckernförde nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.

Krankenhausgesellschaft: System ist das Problem

Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein gibt keinem der vier Vorschläge den Vorzug: Alle Szenarien müssten nun ergebnisoffen geprüft werden, sagte der Geschäftsführer Patrick Raimund. Ihm zufolge könnten auch andere kleine Krankenhäuser in Schleswig-Holstein in eine finanzielle Schieflage geraten.

Raimund sieht das System als Problem. Das Finanzierungssystem der Fallpauschalen basiere im Wesentlichen auf dem Grundsatz, dass Krankenhäuser nur mit behandelten Patienten Geld verdienen könnten, so Raimund. "Das heißt, Krankenhäuser, die klein sind, haben ein Problem: Sie müssen, um ein Krankenhaus zu betreiben, um Abteilungen aufrechtzuerhalten, rund um die Uhr besetzt sein - im ärztlichen Dienst und im Pflegedienst." Wenn es zu wenige Patienten gebe und dadurch weniger Geld zur Verfügung stünde, komme ein solches Krankenhausunternehmen wirtschaftlich relativ schnell in eine Schieflage, erklärt Raimund.

Zum Schutz kleiner Kliniken: Finanzierungssystem soll überarbeitet werden

Deshalb fordert die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein, dass das Finanzierungssystem überarbeitet wird, um kleine Krankenhäuser zu schützen. Ansonsten könnte es langfristig passieren, dass Patienten lange Wege zum nächsten Krankenhaus in Kauf nehmen müssten, wenn es nur noch Kliniken in großen Städten gebe.

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Ein Hinweisschild hängt an einem Gehweg auf am Gelände der imland Klinik Rendsburg. © picture alliance / dpa Foto: Carsten Rehder

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.07.2021 | 17:00 Uhr

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